Ein fast verlorenes Jahrzehnt für die Astronomie

Nichts hat die Nullerjahre in der Astronomie so sehr geprägt wie das James-Webb-Space-Teleskop, allerdings nicht im Positiven. In den 1990er Jahren war geplant, dass es 2007 der Nachfolger des Hubble Space Telescope würde - mit einem Spiegeldurchmesser von acht Metern und Kosten von einer halben Milliarde US-Dollar. Nach weiteren Konzeptstudien wurde das Teleskop im Jahr 2003 bei TRW in Auftrag gegeben. Der geplante Starttermin war nun 2010, der Spiegel nur noch 6,1 Meter groß, bei Kosten von 824,8 Millionen US-Dollar.

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2005 wurde TRW von Northrop-Grumman übernommen. Der Spiegel wurde mit 6,5 Metern wieder etwas größer, aber die Kosten und der Zeitplan gerieten außer Kontrolle. Sie wurden nun auf 4,5 Milliarden US-Dollar geschätzt und der Start von 2011 auf 2013 verschoben. Das Teleskop steht heute noch immer am Boden. Das Budget stieg auf zehn Milliarden US-Dollar. Der Start ist frühestens für 2021 geplant. Wie groß der Schaden für die Astronomie als Ganzes ist, zeigt die Liste der Weltraumteleskope. In den letzten zehn Jahren hatte nur eines einen Durchmesser von mehr als einem halben Meter. Der Rest war kaum größer als einfache Amateurteleskope.

In der Dekade von 2010 bis 2020 war das einzige größere Astronomie-Projekt im Spektrum des ultravioletten, sichtbaren und infraroten Lichts der europäische Astrometriesatellit Gaia. Er liefert bis heute Positionsbestimmungen von Sternen des gesamten Himmels mit bahnbrechender Genauigkeit. Die Empfindlichkeit ist allerdings begrenzt dadurch, dass sich der Satellit dreht, um den ganzen Himmel zu erfassen. Er ist somit kein Weltraumobservatorium im herkömmlichen Sinne.

Das größte Weltraumteleskop des Jahrzehnts, das in diesem Spektralbereich arbeitet, war das indische Weltraumobservatorium Astrosat. Es ist mit einem 40 cm großen Spiegel ausgestattet. Das zweitgrößte ist das Cheops Weltraumteleskop, das am 18. Dezember 2019 startete. Es hat einen 30 cm großen Spiegel und soll Beobachtungen von Exoplaneten bestätigen, die auf der Erde mit der Transit-Methode gefunden wurden.

Es fehlt Geld für mehr Weltraumteleskope

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Durch das James Webb Space Telescope fehlen neun Milliarden US-Dollar Budget gegenüber der ursprünglichen Planung. Im Resultat wurden kaum noch andere Weltraumteleskope finanziert oder ihre Finanzierung wurde verschoben. Bevor Budgets und auch die internationale Missionsplanung nach 2005 vom James Webb Space Telescope vereinnahmt wurden, gab es noch Geld für viel ambitioniertere Missionen. So startete 2009 das Herschel-Weltraumteleskop mit einem 3,5 Meter großen Spiegel für Beobachtungen im fernen Infrarotbereich. Im selben Jahr startete Kepler mit einem 0,95 Meter großen Spiegel zur Suche nach Planeten um sonnenähnliche Sterne und das 2,4 Meter große Hubble Space Telescope wurde nochmals gewartet. Ein Jahrzehnt ohne neue Großteleskope im Weltraum ist ein verlorenes Jahrzehnt für die Astronomie.

Der Schaden besteht in fehlenden Beobachtungen, erfolglosen Projektanträgen und Doktorarbeiten und Aufsätzen, die nicht geschrieben werden konnten. Wenigstens 15 Jahrgänge von Astronomen müssen um die knappe Beobachtungszeit des inzwischen hoffnungslos veralteten Hubble konkurrieren, weil keine Nachfolger und keine vergleichbaren Teleskope gestartet wurden, um den Bedarf zu decken. Selbst wenn das James Webb Space Telescope verfügbar ist, wird ein einziges weiteres Teleskop an dieser Knappheit nur wenig ändern.

Einzig bei den Röntgenteleskopen gab es 2019 ambitionierte Missionen wie Spektr-RG und Hitomi. Aber der Spektralbereich um das sichtbare Licht herum ist deshalb so wichtig, weil er die detailliertesten Beobachtungen des Weltalls ermöglicht. Das Röntgenlicht gibt zwar Einblicke in hochenergetische Prozesse am Himmel, die Auflösung ist aber sehr begrenzt. Spektr-RG hat eine Auflösung von bestenfalls 15 Bogensekunden. Das ist nur etwas besser als die Auflösung des menschlichen Auges. Der Mond hätte damit einen Durchmesser von 120 Pixeln!

Der Fall von Hitomi ist tragisch: Das Teleskop zerbrach durch die Fehlfunktion einer Steuerdüse. Es wurde durch die Fliehkräfte der schnellen Rotation zerrissen. Es bleibt zu hoffen, dass das James Webb Space Telescope kein ähnliches Schicksal ereilt.

Der Blick auf die Erforschung unseres Sonnensystems mit Raumsonden fällt etwas besser aus als in der Astronomie, aber nicht viel.

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 Raumfahrtblase und RaumfahrttraditionStagnation bei der Erforschung des Sonnensystems 
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