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Jahrestag: Was vier Jahre Ukrainekrieg bedeuten

Russland hält 20 Prozent der Ukraine besetzt, die Verluste gehen in die Millionen und ein Waffenstillstand ist nicht in Sicht. Trotzdem wird verhandelt, gekämpft und erfunden.
/ Andreas Donath
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Ukrainische Soldaten (Bild: Ukrainisches Präsidialbüro)
Ukrainische Soldaten Bild: Ukrainisches Präsidialbüro
Inhalt
  1. Jahrestag: Was vier Jahre Ukrainekrieg bedeuten
  2. Europa übernimmt die Führungsrolle bei der Unterstützung
  3. Mit Glasfaser immun gegen elektronische Kriegsführung
  4. Die Ukraine baut immer mehr Waffen selbst
  5. Die Verbündeten lernen dazu
  6. Die Wirtschaft geht in die Brüche

Am 24. Februar 2022 sind die ersten russische Panzer Richtung Kyjiw gerollt. Vier Jahre später erstreckt sich die Frontlinie über mehr als 1.100 Kilometer, Russland kontrolliert noch immer rund ein Fünftel des ukrainischen Staatsgebiets, und die kombinierten Verluste beider Seiten könnten nach Schätzungen des Center for Strategic and International Studies bis ins Frühjahr 2026 auf zwei Millionen Verluste (Gefallene, Verwundete und Vermisste) gestiegen sein.

Militärisch war 2025 ein Jahr russischer Geländegewinne, erkauft zu einem enormen Preis. Laut dem Institute for the Study of War eroberte Russland knapp 4.800 Quadratkilometer(öffnet im neuen Fenster) statistisch gesehen um den Preis von 78 Soldaten pro Quadratkilometer.

Die heftigsten Kämpfe tobten um Pokrowsk, das Moskau im Dezember 2025 für eingenommen erklärte, obwohl ukrainische Kräfte Teile des Stadtgebiets hielten(öffnet im neuen Fenster) . Russische Truppen rückten zudem bis auf sieben Kilometer an die Stadtgrenze von Saporischschja heran(öffnet im neuen Fenster) .

Anfang Februar 2026 gelang der Ukraine ein bemerkenswerter Gegenstoß: Nachdem nicht autorisierte Starlink-Terminals abgeschaltet worden waren und die russische Kommunikation in weiten Frontabschnitten zusammenbrach, gewannen ukrainische Einheiten binnen fünf Tagen über 200 Quadratkilometer im Raum Huljaipole zurück(öffnet im neuen Fenster) .

Nach vier Jahren sind alte Einsatzdoktrinen obsolet

Der Charakter des Krieges hat sich grundlegend verändert. Klassische Panzerverbände spielen eine immer geringere Rolle; stattdessen dominieren Drohnen das Schlachtfeld. Russland verschoss 2025 über 54.000 Langstreckendrohnen und mehr als 1.900 Raketen(öffnet im neuen Fenster) .

Die Ukraine produzierte ihrerseits über zwei Millionen Drohnen und erhielt fast 15.000 bodengestützte Robotersysteme(öffnet im neuen Fenster) . Als bedrohlichste russische Neuerung gilt die ballistische Rakete Oreschnik, die im Januar 2026 erstmals gegen Lwiw nahe der polnischen Grenze eingesetzt wurde(öffnet im neuen Fenster) .

Gigantische Verlustzahlen

Die Verluste sind kaum zu fassen. Präsident Wolodymyr Selenskyj nannte am 5. Februar 2026 erstmals die Zahl von 55.000 gefallenen ukrainischen Soldaten(öffnet im neuen Fenster) – eine Angabe, die westliche Analysten für deutlich zu niedrig halten. Der US-Thinktank Center for Strategic and International Studies (CSIS) geht von insgesamt 500.000 bis 600.000 ukrainischen Ausfällen aus.

Das britische Verteidigungsministerium bezifferte die russischen Verluste bis Dezember 2025 auf über 1,1 Millionen Ausfällen und Verwundete; die von BBC Russian und Mediazona namentlich verifizierten russischen Todesfälle überstiegen im November 2025 die Marke von 152.000(öffnet im neuen Fenster) . Das UN-Menschenrechtsbüro OHCHR registrierte 2025 rund 2.500 getötete Zivilpersonen(öffnet im neuen Fenster) – ein Anstieg von 31 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Fast 6,9 Millionen Ukrainer leben als Flüchtlinge im Ausland, weitere 3,7 Millionen sind innerhalb des Landes vertrieben.

Krieg gegen die Zivilbevölkerung weitet sich aus

Den schwersten Winter seit Kriegsbeginn erlebt die Zivilbevölkerung 2025/2026. Bei Temperaturen bis minus 20 Grad Celsius und nahezu täglichen russischen Angriffen auf die Energieinfrastruktur steht Millionen Menschen zeitweise nur für wenige Stunden täglich Strom zur Verfügung. Die ukrainische Erzeugungskapazität ist von 33,7 Gigawatt vor dem Krieg auf rund 13 bis 14 Gigawatt gesunken – bei einem Winterspitzenbedarf von 20 Gigawatt.

Trumps Rückkehr ins Weiße Haus veränderte die geopolitische Lage erheblich. Das Treffen im Oval Office am 28. Februar 2025, bei dem Trump und Vizepräsident Vance Selenskyj vor laufenden Kameras scharf kritisierten und die ukrainische Delegation zum Gehen aufforderten, markierte einen Tiefpunkt.

Wenige Tage später fror Trump sämtliche Militärhilfe fast vollständig ein(öffnet im neuen Fenster) . Die US-Unterstützung brach 2025 um rund 99 Prozent ein – von 46 Milliarden Euro auf unter eine halbe Milliarde. Das Verteidigungsbudget für 2026 sieht lediglich 400 Millionen US-Dollar für die Ukraine vor(öffnet im neuen Fenster) .


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