Jahrestag: Was vier Jahre Ukrainekrieg bedeuten
Am 24. Februar 2022 sind die ersten russische Panzer Richtung Kyjiw gerollt. Vier Jahre später erstreckt sich die Frontlinie über mehr als 1.100 Kilometer, Russland kontrolliert noch immer rund ein Fünftel des ukrainischen Staatsgebiets, und die kombinierten Verluste beider Seiten könnten nach Schätzungen des Center for Strategic and International Studies bis ins Frühjahr 2026 auf zwei Millionen Verluste (Gefallene, Verwundete und Vermisste) gestiegen sein.
Militärisch war 2025 ein Jahr russischer Geländegewinne, erkauft zu einem enormen Preis. Laut dem Institute for the Study of War eroberte Russland knapp 4.800 Quadratkilometer(öffnet im neuen Fenster) statistisch gesehen um den Preis von 78 Soldaten pro Quadratkilometer.
Die heftigsten Kämpfe tobten um Pokrowsk, das Moskau im Dezember 2025 für eingenommen erklärte, obwohl ukrainische Kräfte Teile des Stadtgebiets hielten(öffnet im neuen Fenster). Russische Truppen rückten zudem bis auf sieben Kilometer an die Stadtgrenze von Saporischschja heran(öffnet im neuen Fenster).
Anfang Februar 2026 gelang der Ukraine ein bemerkenswerter Gegenstoß: Nachdem nicht autorisierte Starlink-Terminals abgeschaltet worden waren und die russische Kommunikation in weiten Frontabschnitten zusammenbrach, gewannen ukrainische Einheiten binnen fünf Tagen über 200 Quadratkilometer im Raum Huljaipole zurück(öffnet im neuen Fenster).
Nach vier Jahren sind alte Einsatzdoktrinen obsolet
Der Charakter des Krieges hat sich grundlegend verändert. Klassische Panzerverbände spielen eine immer geringere Rolle; stattdessen dominieren Drohnen das Schlachtfeld. Russland verschoss 2025 über 54.000 Langstreckendrohnen und mehr als 1.900 Raketen(öffnet im neuen Fenster).
Die Ukraine produzierte ihrerseits über zwei Millionen Drohnen und erhielt fast 15.000 bodengestützte Robotersysteme(öffnet im neuen Fenster). Als bedrohlichste russische Neuerung gilt die ballistische Rakete Oreschnik, die im Januar 2026 erstmals gegen Lwiw nahe der polnischen Grenze eingesetzt wurde(öffnet im neuen Fenster).
Gigantische Verlustzahlen
Die Verluste sind kaum zu fassen. Präsident Wolodymyr Selenskyj nannte am 5. Februar 2026 erstmals die Zahl von 55.000 gefallenen ukrainischen Soldaten(öffnet im neuen Fenster) – eine Angabe, die westliche Analysten für deutlich zu niedrig halten. Der US-Thinktank Center for Strategic and International Studies (CSIS) geht von insgesamt 500.000 bis 600.000 ukrainischen Ausfällen aus.
Das britische Verteidigungsministerium bezifferte die russischen Verluste bis Dezember 2025 auf über 1,1 Millionen Ausfällen und Verwundete; die von BBC Russian und Mediazona namentlich verifizierten russischen Todesfälle überstiegen im November 2025 die Marke von 152.000(öffnet im neuen Fenster). Das UN-Menschenrechtsbüro OHCHR registrierte 2025 rund 2.500 getötete Zivilpersonen(öffnet im neuen Fenster) – ein Anstieg von 31 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Fast 6,9 Millionen Ukrainer leben als Flüchtlinge im Ausland, weitere 3,7 Millionen sind innerhalb des Landes vertrieben.
Krieg gegen die Zivilbevölkerung weitet sich aus
Den schwersten Winter seit Kriegsbeginn erlebt die Zivilbevölkerung 2025/2026. Bei Temperaturen bis minus 20 Grad Celsius und nahezu täglichen russischen Angriffen auf die Energieinfrastruktur steht Millionen Menschen zeitweise nur für wenige Stunden täglich Strom zur Verfügung. Die ukrainische Erzeugungskapazität ist von 33,7 Gigawatt vor dem Krieg auf rund 13 bis 14 Gigawatt gesunken – bei einem Winterspitzenbedarf von 20 Gigawatt.
Trumps Rückkehr ins Weiße Haus veränderte die geopolitische Lage erheblich. Das Treffen im Oval Office am 28. Februar 2025, bei dem Trump und Vizepräsident Vance Selenskyj vor laufenden Kameras scharf kritisierten und die ukrainische Delegation zum Gehen aufforderten, markierte einen Tiefpunkt.
Wenige Tage später fror Trump sämtliche Militärhilfe fast vollständig ein(öffnet im neuen Fenster). Die US-Unterstützung brach 2025 um rund 99 Prozent ein – von 46 Milliarden Euro auf unter eine halbe Milliarde. Das Verteidigungsbudget für 2026 sieht lediglich 400 Millionen US-Dollar für die Ukraine vor(öffnet im neuen Fenster).
Europa übernimmt die Führungsrolle bei der Unterstützung
Europa füllte die Lücke zumindest teilweise(öffnet im neuen Fenster). Die europäische Militärhilfe stieg 2025 um 67 Prozent auf rund 29 Milliarden Euro. Unter Bundeskanzler Friedrich Merz wurde Deutschland mit rund neun Milliarden Euro der größte europäische Einzelgeber.
Die im März 2025 gegründete Coalition of the Willing(öffnet im neuen Fenster) unter britisch-französischer Führung umfasst mittlerweile 34 Staaten; Frankreich und Großbritannien unterzeichneten im Januar 2026 eine Absichtserklärung zur möglichen Truppenstationierung nach einem Waffenstillstand(öffnet im neuen Fenster).
Verhandelt wurde so viel wie nie – mit wenig Ergebnis. Die ersten direkten ukrainisch-russischen Gespräche seit drei Jahren fanden im Mai 2025 in Istanbul statt(öffnet im neuen Fenster); einziges greifbares Ergebnis war ein Gefangenenaustausch von je 1.000 Personen.
Krieg als Innovationstreiber
Das Wesen der Kriegführung wurde in den vier Jahren schnell und grundlegend verändert. Im Zentrum dieser Transformation steht die Drohne – vom improvisierten Aufklärungsgerät der ersten Kriegsmonate zum bestimmenden Waffensystem eines Abnutzungskriegs.
Die Zahlen sind schwindelerregend. Im Oktober 2025 setzte die Ukraine nach Angaben ihres Direktors für elektronische Kriegführung, Iwan Pawlenko, rund 9.000 Drohnen pro Tag(öffnet im neuen Fenster) ein: Aufklärer, Bomber, Logistikdrohnen, Abfangjäger. Die Produktion wuchs in atemberaubendem Tempo. Anfang 2024 stellte die Ukraine etwa 20.000 FPV-Drohnen pro Monat her, Ende des Jahres waren es 200.000 – eine Verzehnfachung innerhalb eines Jahres(öffnet im neuen Fenster).
Drohnen im industriellen Maßstab
Insgesamt produzierte das Land 2024 rund 2,2 Millionen unbemannte Fluggeräte aller Typen, darunter 1,5 Millionen FPV-Drohnen. Bis Ende 2025 wurden den Streitkräften drei Millionen FPV-Drohnen(öffnet im neuen Fenster) geliefert. Für 2026 hat Kyjiw das Ziel von sieben Millionen Drohnen(öffnet im neuen Fenster) ausgegeben: 70-mal mehr, als die USA produzieren.
Nach Schätzungen von Bloomberg stellt die Ukraine bereits mehr Drohnen her als alle Nato-Staaten zusammen. Das Land zählt mittlerweile rund 500 Drohnenhersteller(öffnet im neuen Fenster), vor dem Krieg waren es sieben.
Die billigen FPV-Kamikaze-Drohnen, die für wenige Hundert Dollar gebaut werden, haben den Krieg fundamental verändert. Laut Nato-Angaben vom April 2025 waren FPV-Drohnen, die weniger als 1.000 US-Dollar kosten, für zwei Drittel aller zerstörten russischen Panzer verantwortlich.
Nach Analysen des britischen Thinktanks Rusi gehen 60 bis 70 Prozent der zerstörten russischen Ausrüstung(öffnet im neuen Fenster) auf das Konto von FPV-Drohnen; ein französischer General schätzte im Oktober 2025, dass Drohnen für bis zu 80 Prozent aller Gefechtsverluste auf beiden Seiten verantwortlich sind.
Mit Glasfaser immun gegen elektronische Kriegsführung
Eine der folgenreichsten Neuerungen des Jahres 2025 war die Glasfaserdrohne. Russland setzte diese Technologie im Frühjahr 2024 erstmals auf dem Schlachtfeld ein(öffnet im neuen Fenster) und baute seinen Vorsprung seither konsequent aus.
Bis September 2025 hatte Russland seine Produktion von Glasfaser-FPV-Drohnen auf über 50.000 Stück pro Monat verdoppelt(öffnet im neuen Fenster), die Reichweite stieg auf 50 bis 65 Kilometer. Russische Spezialeinheiten wie die Einheit Rubikon setzten die Drohnen ein, um tief hinter den ukrainischen Linien Logistikknotenpunkte zu treffen.
Im Oktober 2025 schlugen russische Glasfaserdrohnen in Kramatorsk ein, mehr als 19 Kilometer hinter der Front(öffnet im neuen Fenster). Der ukrainische Oberbefehlshaber Syrskyj räumte ein, dass Russland "sowohl bei der Menge als auch bei der Reichweite" im Vorteil sei.
Die Ukraine holte auf: Die Einheit Madjars Vögel entwickelte eine FPV-Drohne mit einem 41 Kilometer langen Glasfaserkabel(öffnet im neuen Fenster), während Kyjiw parallel auf KI-gestützte autonome Navigation als Alternative setzte. Nahe der Front sind die Felder inzwischen buchstäblich mit Glasfaserkabeln überzogen.
Russland kontert mit Technik
Auch Russlands Langstreckendrohnen durchliefen eine rasante Evolution. Zwischen Januar und November 2025 feuerte Moskau über 38.000 Shahed/Geran-Drohnen(öffnet im neuen Fenster) auf die Ukraine ab. Das sind 64 Prozent aller seit Kriegsbeginn eingesetzten Drohnen dieses Typs. Die monatlichen Zahlen stiegen von 2.599 im Januar auf 6.297 im Juli 2025; am 6. und 7. September 2025 erlebte die Ukraine den größten einzelnen Drohnenangriff des Krieges mit 810 Shaheds plus Täuschkörpern.
Die Geran-Drohnen wurden stetig aufgerüstet: Die Navigationsantennen wuchsen von vier auf 16 Elemente, um die Störanfälligkeit zu reduzieren. Ab 2025 erhielten die Drohnen Kameras, SIM-Karten für ukrainische Mobilfunknetze(öffnet im neuen Fenster) und 2G/3G/4G-Antennen, im Januar 2026 wurden erstmals Geran-Drohnen mit Starlink-Verbindungen abgeschossen.
Eine besonders beunruhigende Variante trug eine Flugabwehrrakete auf dem Rücken – die Drohne als Luft-Luft-Waffe. Die MS-Serie vom Juni 2025 verfügte über eine Infrarotkamera und einen Nvidia-Jetson-Computer für autonome Zielerkennung. Parallel dazu produzierte Russland monatlich rund 2.500 Gerbera-Täuschdrohnen(öffnet im neuen Fenster), die ohne Sprengkopf fliegen und die ukrainische Luftabwehr erschöpfen sollen. Die Ukraine fing in der Regel 80 bis 97 Prozent ab, doch bei diesen Stückzahlen kamen Hunderte monatlich durch.
Die Ukraine antwortete mit einer eigenen Langstrecken-Drohnenoffensive, die Russlands Öl- und Gas-Infrastruktur ins Visier nahm. Bis Oktober 2025 hatten ukrainische Drohnen den Betrieb von 38 Prozent der russischen Ölraffinerien gestört und in über 57 Regionen Treibstoffengpässe ausgelöst. Der spektakulärste Schlag gelang am 1. Juni 2025 mit der Operation Spinnennetz(öffnet im neuen Fenster): In einer 18 Monate lang geplanten Geheimdienst-Operation wurden 117 FPV-Drohnen in Holzkisten auf Lastwagen ins russische Hinterland geschmuggelt und griffen gleichzeitig fünf Luftwaffenstützpunkte in fünf Oblasten und fünf Zeitzonen an.
Die Ukraine meldete 41 beschädigte oder zerstörte Flugzeuge, darunter strategische Bomber vom Typ Tu-95 und Tu-160. Nato-Schätzungen sprachen von 10 bis 13 vollständig zerstörten Maschinen(öffnet im neuen Fenster). Der Schaden wurde auf sieben Milliarden US-Dollar geschätzt.
Die Ukraine baut immer mehr Waffen selbst
Auf ukrainischer Seite markierte das Jahr 2025 den Durchbruch der heimischen Rüstungsindustrie. Mehr als die Hälfte der eingesetzten Waffen stammten Ende 2025 aus ukrainischer Produktion, 75 Prozent des Beschaffungsbudgets flossen an einheimische Hersteller(öffnet im neuen Fenster).
Die Neptune-D(öffnet im neuen Fenster), eine Weiterentwicklung der Anti-Schiff-Rakete, die 2022 den Kreuzer Moskwa versenkte, erreicht nun eine Reichweite von 1.000 Kilometern mit einem 260-Kilogramm-Sprengkopf und wurde ab Januar 2025 im Kampf eingesetzt. Noch weiter reicht die FP-5 Flamingo(öffnet im neuen Fenster), ein von einem ukrainischen Start-up entwickelter Marschflugkörper mit 3.000 Kilometern Reichweite und einem 1.150-Kilogramm-Sprengkopf, der auf wiederverwerteten Turbinen basiert.
Westliche Kampfflugzeuge für die Ukraine
Die im August 2024 gelieferten F-16-Kampfjets(öffnet im neuen Fenster) aus Dänemark und den Niederlanden veränderten die Luftverteidigung spürbar. Ende 2025 flogen F-16 rund 80 Prozent aller Einsätze der ukrainischen Luftwaffe und hatten über 1.300 russische Marschflugkörper und Langstreckendrohnen abgeschossen. Gleichzeitig setzten die ukrainischen Jets GBU-39-Gleitbomben gegen russische Stellungen ein.
Auf dem Meer kämpft die Ukraine auch
Zudem wurde die Ukraine zu einem Pionier der unbemannten Seekriegführung. Die aufgerüstete Sea-Baby-Drohne(öffnet im neuen Fenster) hat mittlerweile 1.500 Kilometer Reichweite und kann 2.000 Kilogramm Nutzlast tragen – eine Verdopplung gegenüber der Vorgängerversion. Neue Varianten tragen einen Grad-Raketenwerfer oder ein ferngesteuertes Maschinengewehr.
Ende 2025 griffen See-Drohnen gezielt Tanker der russischen Schattenflotte an. Im Dezember 2025 traf eine Sub-Sea-Baby-Unterwasserdrohne(öffnet im neuen Fenster) ein russisches U-Boot im Hafen von Noworossijsk.
Unbemannte Landfahrzeuge gewinnen an Wichtigkeit
Auch an Land hielt die Robotisierung Einzug. Im Jahr 2025 lieferte die Ukraine rund 15.000 unbemannte Bodenfahrzeuge(öffnet im neuen Fenster) an die Truppe, entwickelt von über 270 Unternehmen. In einem Fall hielt ein einzelner bewaffneter Roboter des Typs Droid TW 12.7 eine Frontstellung 45 Tage lang(öffnet im neuen Fenster).
In einem anderen Fall nahmen ukrainische Einheiten russische Soldaten gefangen, ohne einen einzigen Infanteristen einzusetzen, und das ausschließlich mit Drohnen und Bodenrobotern. Jack Watling vom Rusi sprach von einer echten Roboterarmee(öffnet im neuen Fenster), die in der Ukraine Gestalt annehme.
Die Verbündeten lernen dazu
Der Ukraine-Krieg wurde zum globalen Testfeld für eine militärische Revolution. Die US-Armee begann, ihre Kampfdoktrin grundlegend umzuschreiben(öffnet im neuen Fenster): Im Juli 2025 ordnete Verteidigungsminister Pete Hegseth an, dass jede Armeegruppe bis Ende 2026 mit unbemannten Systemen ausgestattet sein müsse. Die Armee plant die Produktion von über 10.000 kleinen Drohnen pro Monat.
Eine 20 Nationen umfassende Drohnenkoalition unter britisch-lettischer Führung stellte 2,75 Milliarden Euro bereit. Nato-Mitglieder wie Großbritannien und Dänemark lassen inzwischen ihre Soldaten von ukrainischen Instruktoren in Drohnenkriegführung ausbilden(öffnet im neuen Fenster).
Sanktionsumgehungen an der Tagesordnung
Die Umgehung der Sanktionen blieb ein ständiges Katz-und-Maus-Spiel. Russland legalisierte im Mai 2022 sogenannte Parallelimporte – die Einfuhr westlicher Waren ohne Zustimmung der Hersteller über Drittländer wie die Türkei, die Vereinigten Arabischen Emirate und Zentralasien. Das Volumen erreichte 2024 fast 38 Milliarden US-Dollar(öffnet im neuen Fenster), brach 2025 jedoch um 45 Prozent auf 20,9 Milliarden ein. Das ist vermutlich eine Folge verschärfter Kontrollen.
Rund 90 Prozent der russischen Mikroelektronik-Importe stammten aus China; 75 Prozent der amerikanischen Chips erreichten Russland über Hongkong und China(öffnet im neuen Fenster). In den Trümmern russischer Waffen in der Ukraine wurden fast 2.800 ausländische Komponenten identifiziert, davon 95 Prozent aus Ländern der Sanktionskoalition.
Russische Airlines in der Krise
Die Auswirkungen auf den russischen Alltag sind vielschichtig. Am sichtbarsten war die Krise der Luftfahrt(öffnet im neuen Fenster): Die Zahl der Zwischenfälle bei russischen Fluggesellschaften vervierfachte sich 2025 auf über 800; die Hälfte der Airbus-A320neo-Flotte stand am Boden, weil Triebwerksprobleme ohne westliche Ersatzteile unlösbar waren. Aeroflot kaufte ganze Boeing-Frachtmaschinen für 130 Millionen Dollar, und das nur, um sie ausschlachten zu lassen.
Die russische Flugzeugindustrie lieferte 2025 gerade ein einziges Zivilflugzeug statt der geplanten 15 ab. Im Automobilmarkt übernahmen chinesische Hersteller mit über 57 Prozent Marktanteil(öffnet im neuen Fenster) die Lücke, die westliche Unternehmen hinterlassen hatten, doch auch hier kehrte sich der Trend: Die Importe chinesischer Autos brachen 2025 um 42 Prozent ein, nachdem Russland Recyclinggebühren und Zölle drastisch erhöht hatte, um die heimische Produktion zu schützen.
Russen verlassen das Land
Der Braindrain hinterließ tiefe Spuren. Seit Februar 2022 verließen 650.000 bis 800.000 Russen(öffnet im neuen Fenster) das Land dauerhaft – vorwiegend IT-Spezialisten, Wissenschaftler und Finanzfachleute. Nur acht Prozent kehrten zurück.
Die Wirtschaft geht in die Brüche
Die westlichen Analysen kommen zu einer zentralen Erkenntnis: Die Sanktionen haben Russland nicht in die Knie gezwungen, aber sie haben die Kosten des Krieges dramatisch erhöht. Das CSIS schätzte, dass die Sanktionen Russland mehr als 500 Milliarden US-Dollar entzogen(öffnet im neuen Fenster) haben, darunter 285 Milliarden an eingefrorenen Zentralbankreserven.
Chatham House urteilte im September 2025, die Stagflation biete dem Westen eine 'Gelegenheit'(öffnet im neuen Fenster): ein stärkerer Sanktionsdruck könne die Wirtschaft "näher an den Rand" treiben.
Am eindringlichsten formulierte es The Insider: "Insgesamt hat der Kreml genügend Reserven, um den Haushalt bis August 2026(öffnet im neuen Fenster) zu finanzieren. Wenn sich nichts ändert, muss er danach entweder jeden Monat rund eine Billion Rubel leihen oder diese Summe durch Gelddrucken erzeugen."
Friedensverhandlungen ohne Erfolge
Die Genfer Runde vom 17. und 18. Februar 2026 endete abrupt, als die russische Delegation die Gespräche nach zwei Stunden am zweiten Tag abbrach. Das zentrale Streitthema bleibt das Territorium: Russland fordert die Abtretung des gesamten Donbas, die Ukraine lehnt jede Aufgabe kontrollierten Gebiets ab. Analysten der Jamestown Foundation warnten, Moskaus Position bleibe weit entfernt von einer Einigung(öffnet im neuen Fenster).
Trump drängt auf ein Abkommen bis Juni 2026(öffnet im neuen Fenster). Das Institute for the Study of War (ISW) warnt unterdessen vor einer russischen Großoffensive, die voraussichtlich Ende April 2026 anlaufen soll. Foreign Policy urteilte am Jahrestag:(öffnet im neuen Fenster) Der Krieg sei einer Lösung nicht näher als an dem Tag, an dem Trump versprochen hatte, ihn innerhalb von 24 Stunden zu beenden.
Der ukrainische Abgeordnete Oleksandr Merezhko brachte die Stimmung seines Landes so auf den Punkt(öffnet im neuen Fenster): "Solange wir kämpfen, sind wir keine Verlierer – wir sind Gewinner."



