Jahrestag des Reaktorunfalls: BfS veröffentlicht neue Strahlenwerte aus Tschernobyl

2021 haben Deutsche und Ukrainer gemeinsam die Strahlenbelastung in der Sperrzone von Tschernobyl neu vermessen. Wegen des Kriegs sind die Werte besonders relevant.

Artikel veröffentlicht am ,
Zerstörtes Atomkraftwerk in Tschernobyl: Bodenproben und Messungen aus dem Hubschrauber
Zerstörtes Atomkraftwerk in Tschernobyl: Bodenproben und Messungen aus dem Hubschrauber (Bild: Sergei Supinsky/AFP via Getty Images)

Ungewollte Relevanz: In einem Gemeinschaftsprojekt haben deutsche und ukrainische Behörden die Radioaktivität im Gebiet um das zerstörte Atomkraftwerk in Tschernobyl gemessen. Wegen des Kriegs kommt dem eine besondere Bedeutung zu.

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Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hat erste Ergebnisse einer radiologischen Neukartierung der Sperrzone bekanntgegeben. Anlass ist der 36. Jahrestags der Explosion im Block 4 des Atomkraftwerks am 26. April 1986. Es kam zu einer Kernschmelze, in deren Folge große Mengen strahlenden Materials freigesetzt wurden, das bis nach Westeuropa zog. Seither ist das Gebiet Sperrzone.

Für die Neukartierung führte das BfS zusammen mit ukrainischen Strahlenschutzbehörden und der Bundespolizei im September vergangenen Jahres Radioaktivitätsmessungen in der rund 2.600 Quadratkilometer großem Sperrzone durch. Es ist die erste flächendeckende radiologische Kartierung der Sperrzone seit über 30 Jahren. Die Messungen wurden von Hubschraubern aus durchgeführt.

Cäsium-137 belastet die Böden

Das BfS hat zwei Übersichtskarten veröffentlicht. Die eine zeigt die Belastung der Böden mit Cäsium-137, die zweite die Gamma-Ortsdosisleistung. Die Ortsdosisleistung gibt an, wie viel Strahlung auf einen Menschen einwirkt. Die erhöhten Ortsdosisleistungswerte gehen praktisch ausschließlich auf Cäsium-137 zurück, das eine Halbwertszeit von 30 Jahren hat. Radioaktive Stoffe mit kürzeren Halbwertszeiten wie Jod-131 sind schon seit Längerem nicht mehr nachweisbar.

  • Räumliche Verteilung von Cäsium-137 in der Sperrzone in Kilobecquerel pro Quadratmeter (Bild: BfS)
  • Gamma-Ortsdosisleistung in der Sperrzone von Tschernobyl in Mikrosievert pro Stunde (Bild: BfS)
Räumliche Verteilung von Cäsium-137 in der Sperrzone in Kilobecquerel pro Quadratmeter (Bild: BfS)
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"Bei den Messungen in Tschernobyl standen wir vor einer besonderen Herausforderung: Gelangen bei einem Unfall radioaktive Stoffe in die Umwelt, lagern sie sich direkt auf dem Boden ab", sagte BfS-Projektleiter Christopher Strobl. "35 Jahre nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl sind die radioaktiven Stoffe aber mehrere Zentimeter tief in den Boden gewandert."

Die Teams führten an fast zweihundert Punkten Messungen durch. Zusätzlich zu den Messungen wurden Bodenproben genommen, um zu bestimmen, wie tief die radioaktiven Stoffe in den Boden eingedrungen sind. Das Erdreich schirmt die Strahlung ab. Durch die Bodenproben kann die Abschirmung durch das Erdreich aus den Messergebnissen herausgerechnet werden.

Der Wind trug den Fallout nach Westen und Norden

Die Karten und die Messdaten geben einen Überblick über die Strahlenbelastung in der Sperrzone. Sie zeigen, dass die radioaktive Belastung immer noch sehr unterschiedlich verteilt ist. Stark kontaminierte Bereiche gibt es vor allem im Norden und im Westen des Reaktors - das entspricht den vorherrschenden Windrichtungen nach dem Unfall.

In den Hotspots wurde eine Belastung der Böden mit Cäsium-137 von bis zu 50.000 Kilobecquerel pro Quadratmeter gemessen. Die Belastung mit Gammastrahlung beträgt dort etwa 100 Mikrosievert pro Stunde. Das entspricht einem Zehntel der zulässigen Jahresdosis für die allgemeine Bevölkerung.

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In anderen Bereichen lag die Belastung bei 0,06 Mikrosievert pro Stunde. Zum Vergleich: In Deutschland beträgt die natürliche Ortsdosisleistung zwischen 0,06 und 0,2 Mikrosievert pro Stunde. Die Cäsium-Belastung betrug dort zum Teil nur wenige Kilobecquerel pro Quadratmeter. Die Nachweisgrenze bei Messungen aus der Luft ist bei knapp über 20 Kilobecquerel pro Quadratmeter.

Wie lange kann in der Sperrzone gearbeitet werden

Mit den Messwerten lässt sich bestimmen, wie lange Menschen an bestimmten Stellen arbeiten können, ohne einer zu hohen Strahlenbelastung ausgesetzt zu sein. Relevant ist das beispielsweise für die Feuerwehr, die immer wieder Waldbrände bekämpfen muss.

Zusätzliche Relevanz erhalten die Karten durch den Krieg in der Ukraine. Russische Truppen hatten das Gebiet gleich am ersten Kriegstag besetzt. Nach den Daten des automatisierten Messsystems vor Ort stieg daraufhin die Strahlung zum Teil stark an. Als Grund wurde angegeben, dass die schweren Militärfahrzeuge und Geschosseinschläge den Boden aufwirbelten. Im Vergleich mit den Messwerten vom September lassen sich die Auswirkungen des Kriegs bestimmen.

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iDT 22. Apr 2022 / Themenstart

Ist es eigentlich bekannt wie stark die Belastung da ist wo die Schlaumeier rumgegraben...

typhen 21. Apr 2022 / Themenstart

Im Norden ist das Sperrgebiet durch die Landesgrenze begrenzt, dort beginnt laut...

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