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Jagged Alliance 3 im Test: Söldner, Sturmgewehre und rundenweise Strategie

Feuergefechte und Söldner mit Heldenmut und Herz: Jagged Alliance 3 ist eine Herausforderung – und ein Fest für Genrefans (Windows-PC).
/ Peter Steinlechner
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Artwork von Jagged Alliance 3 (Bild: THQ Nordic)
Artwork von Jagged Alliance 3 Bild: THQ Nordic

Können wir uns die Dienste von Sheila "Scope" Sterling leisten? Sie ist die beste Scharfschützin in Jagged Alliance 3 mit einer Treffsicherheit von 99 Punkten. Leider weiß Sheila das auch, und deshalb verlangt sie 20.800 US-Dollar – pro Woche. Angesichts unseres angespannten Budgets ist das eigentlich viel zu teuer für uns.

Solche Überlegungen müssen wir in Jagged Alliance 3 anstellen, um im fiktiven Land Grand Chien den Staatspräsidenten zu retten und eine paramilitärische Truppe namens Legion zu besiegen. Der Ruhm der Serie beruht vor allem auf den ersten beiden Teilen. Jagged Alliance 2 kam 1999 auf den Markt – die Titel danach sind bei Fans durchgefallen.

Um das Fazit vorwegzunehmen: Der von Haemimont Games(öffnet im neuen Fenster) in Bulgarien entwickelte Teil mit der 3 im Namen kann endlich an die Klassiker anknüpfen. Der Titel ist eine komplexe Mischung aus sehr viel rundenbasierter Strategie und Rollenspiel, in dessen Mittelpunkt Sheila und rund 40 weitere Söldner stehen.

Die sind aufwendig mit sehr individuellen Werten und Sprüchen in Szene gesetzt. Die kostspieligen Elitesoldaten plaudern miteinander, haben Freundschaften und Feindschaften und können massiv den Verlauf des Abenteuers verändern.

Wenn wir etwa mit Gegnern eine Feuerpause gegen Bezahlung von ein paar Dollar vereinbart haben und der falsche (oder richtige) Söldner im Team ist, kann der Deal auch kurzfristig platzen – "kein Geld für euch Dreckskerle, fresst Blei" .

Die meiste Zeit verbringen wir in rundenbasierten Auseinandersetzungen, in denen zuerst wir unsere maximal sechs Söldner ziehen und dann die Feinde dran sind. Das funktioniert grundsätzlich wie in anderen Games des Genres mit Aktionspunkten, ist aber komplexer.

Unter anderem gibt es keine Angaben über die Trefferwahrscheinlichkeit. Wir sehen also wie in den beiden ersten Serienteilen nicht, wie hoch die Chance auf einen erfolgreichen Schuss oder Schlag ist – klingt nach einem nebensächlichen Detail, macht aber viel aus beim Spielgefühl.

Stattdessen können wir Körperteile anvisieren und dabei das Risiko pauschal einbeziehen – ein Schädel ist auch für Sheila schwieriger anzuvisieren als ein Torso. Außerdem sehen wir, wenn etwa eine Mauer die Flugbahn unserer Kugeln versperrt.

Die Kämpfe sind auch im niedristen Schwierigkeitsgrad sehr fordernd. Es gibt viele Details zu berücksichtigen, natürlich auch das Terrain und die Ausrüstung. Nicht immer ist die Lage auf den ersten Blick klar: Teils sind Feinde sogar ziemlich schwer zu sehen, insbesondere in Stadtumgebungen mit mehrgeschossigen Gebäuden.

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Neben den rundenbasierten Kämpfen müssen wir die globale Karte verfolgen, auf der wir unsere Trupps (bis zu drei aus jeweils sechs Söldnern) platzieren, um nach und nach alle feindlichen Einheiten zu verdrängen.

Jagged Alliance 3 – Trailer (Ankündigung Sept. 2021)
Jagged Alliance 3 – Trailer (Ankündigung Sept. 2021) (02:14)

Der dritte wichtige Aspekt ist die Verwaltung der Söldner. Im Team-Bildschirm müssen wir das Budget im Auge behalten und eine sinnvolle Zusammenstellung aus Scharfschützen, Medics, Sprengstoffexperten und so weiter berücksichtigen.

Bei Levelaufstiegen schalten wir Skills frei, etwa mehr Trefferpunkte oder besseres Schleichen. Außerdem müssen wir uns um Ausrüstung inklusive Waffen und Munition kümmern – was im teils unübersichtlichen Inventar durchaus viel Zeit in Anspruch nimmt. Die Kampagne ist enorm umfangreich und kann mit allem Drum und Dran 60 bis 100 Stunden dauern, der Wiederspielwert ist hoch.

Jagged Alliance 3: Verfügbarkeit und Fazit

Die Grafik macht einen sehr detailreichen Eindruck – stellenweise ist uns sogar viel zu viel auf dem Bildschirm zu sehen, was zu den schon angesprochenen Problemen mit der Übersicht führen kann. Es gibt sehr viel Abwechslung, fast jeder der einzeln in den Speicher geladenen Kartenabschnitte sieht einzigartig aus.

Grundlegende technische Probleme oder gar Abstürze hatten wir nicht. Ein Sonderfall ist das Problem mit der Umschaltung von den Bewegungen in Echtzeit in die rundenbasierten Kämpfe.

Das klappt selten so richtig gut, was Schleichen ein Stück weit sinnlos macht. Wir sind aber nicht sicher, ob das ein Bug ist oder einer der wenigen Fälle von nicht ganz rundem Gamedesign.

Jagged Alliance 3 erscheint am 14. Juli 2023 für Windows-PC (Steam) zum Preis von 45 Euro. Umsetzung für andere Plattformen sind momentan nicht angekündigt und erscheinen uns wegen der Steuerung wenig wahrscheinlich. Die Sprachausgabe erfolgt nur auf Englisch, es gibt deutsche Untertitel und Bildschirmtexte.

Mikrotransaktionen sind nicht enthalten, Multiplayer gibt es in Form von Online-Koop für zwei Teilnehmer – wir haben das nicht ausprobiert. Das Spiel hat eine USK-Freigabe ab 16 Jahren.

Fazit

Es ist enorm, was sich unter der hübschen Oberfläche von Jagged Alliance 3 an sinnvoll abgestimmten Elementen und Funktionen verbirgt. Söldner und Verwaltung, Rollenspiel und Rundenstrategie, Weltkarte und Mikromanagement – kein Wunder, dass die ersten Stunden sich nach harter Arbeit anfühlen, jedenfalls ohne Vorkenntnisse.

Wenn man alles Wesentliche kapiert hat, macht das Abenteuer mit Ivan, Mouse und den anderen Söldnern aber sehr viel Spaß. Die rundenbasierten Kämpfe sind fordernd und enorm spannend, ebenso wie der allmähliche Fortschritt in der Kampagne.

Gerade wegen der vielen Inhalte und Funktionen könnten wir hier lange Listen erstellen mit Dingen, die besonders gut und nicht so klasse geworden sind. Als besondere Stärke führen wir hier die abwechslungsreichen und stimmigen Umgebungen und Einsätze an, und dass unsere Entscheidungen hier so starke Spätfolgen haben wie in wenigen anderen Spielen.

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Nicht ganz so gut gefällt uns, dass es manchmal arg unübersichtlich zugeht. Sowohl im Dschungel als auch in mehrgeschossigen Gebäuden oder Kellern kann man Gegner und sonstige Gefahren zu leicht übersehen. Wir bekennen uns außerdem zum Team Trefferwahrscheinlichkeit: Wir vermissen eine derartige Anzeige, auch in Kenntnis der Serientradition.

Dennoch ist die Empfehlung klar: Jagged Alliance 3 ist ein tolles Spiel geworden, das hoffentlich ein sehr viel größeres Publikum erreicht als primär die Fans der Vorgänger.


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