IW: Zerschlagung von Amazon und Marketplace gefordert

Amazon soll nicht länger als Betreiber eines Marktplatzes und als Anbieter fungieren. Laut einer Studie nutzt der Konzern fremde Kundendaten womöglich wettbewerbswidrig für eigene Zwecke.

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In einem Amazon-Lagerhaus
In einem Amazon-Lagerhaus (Bild: Achim Sawall/Golem.de)

Nach Einschätzung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) verzerrt die Verlagerung des Einzelhandels auf Amazon den Wettbewerb auf Kosten kleiner und mittlerer Unternehmen. Das geht aus einer Studie des Instituts im Auftrag des Mittelstandsverbunds ZGV hervor, die dem Handelsblatt vorliegt. Amazon sei als Händler auf seinem eigenen Marketplace tätig und damit direkt im Wettbewerb zu anderen Händlern. Der US-Konzern nutze womöglich deren Kundendaten wettbewerbswidrig, um das eigene Geschäft voranzutreiben.

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Deshalb schlägt das IW mehrere Handlungsoptionen vor, bis hin zu einer Zerschlagung Amazons. Neben der internen Trennung des Amazon-Eigengeschäfts vom Marketplace sei die kompletten Trennung durch die "Aufspaltung in zwei Unternehmen" eine weitere Option. Die IW-Experten geben zugleich zu bedenken, dass diese Vorgehensweise den "größtmöglichen Eingriff" darstelle und daher "mit Vorsicht zu verwenden" sei. Außerdem müssten die gesetzlichen Grundlagen dafür erst geschaffen werden.

Als Alternative regt das IW an, allen Händlern auf Amazon Marketplace einen Zugang zu Kundendaten zu geben. Amazon könnte demnach verpflichtet werden, "die für einen fairen Wettbewerb zwischen den Händlern und Amazon Retail notwendigen Informationen bereits aufbereitet datenschutzkonform zur Verfügung zu stellen". Der Zugang zum Datensatz selbst bliebe Amazon vorbehalten. Lediglich die daraus generierten Informationen zu Preisen, Nachfrage, abgeschlossenen Transaktionen und anderem würden durch Amazon weitergegeben. Möglich wäre aus IW-Sicht auch, Amazon zum Data Sharing zu verpflichten. Der Konzern müsste dann den Händlern im Rahmen der datenschutzrechtlichen Möglichkeiten Zugang zu seinem gesamten Datensatz gewähren.

Der digitalpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Jens Zimmermann sagte: "Angesichts des noch immer rasanten Wachstums des Unternehmens, sollte man das Instrument der Zerschlagung als realistisches Szenario betrachten, auch wenn es nicht der erste Schritt sein kann", sagte Zimmermann dem Handelsblatt. Der Bundestagsabgeordnete fürchtet sonst auf lange Sicht negative Effekte auch für Verbraucher. Daher sei es wichtig, gegen Wettbewerbsverzerrungen durch Amazon vorzugehen.

Auch der Grünen-Digitalpolitiker Dieter Janecek plädiert für staatliche Maßnahmen. "Es ist nicht absehbar, dass sich die Lage von sich aus wieder entspannt", sagte Janecek dem Handelsblatt. Daher spricht er sich dafür aus, Amazon zu zwingen, die Geschäftsbereiche Retail und Marketplace voneinander zu trennen. Janecek schlägt vor, großen Digitalplattformen zu verbieten, zugleich als Betreiber eines Marktplatzes und als Anbieter von Gütern und Dienstleistungen zu fungieren.

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heikom36 23. Okt 2019

Ziemlich doofe Einstellung mit dem "egal sein". Mit Steuern wird das Land am Leben...

heikom36 23. Okt 2019

Zusatz: Wer es nicht glaubt: Die Belege sind hier: https://www.youtube.com/watch?v...

heikom36 23. Okt 2019

Die sind erfolgreich weil sie von Beginn an auf Gesetze kacken während andere brav ihre...

FreiGeistler 23. Okt 2019

Oder als ich nach stopp der Zahlung (versehentlich Kartenlimitte erreicht) gesperrt...

LH 22. Okt 2019

Natürlich könnte Deutschland die Firma nicht in den USA zerschlagen, sehr wohl aber die...


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