IW: Deutlicher Rückgang bei offenen IT-Jobs in Deutschland
Die durchschnittliche Zahl offener Stellen in IT-Berufen hat sich im Jahr 2024 im Vergleich zum Vorjahr um 26,2 Prozent reduziert. Das geht aus dem IW-Kurzbericht (Institut der deutschen Wirtschaft) hervor, der am 16. August 2025 vorgelegt wurde(öffnet im neuen Fenster). Insgesamt sank die Zahl offener Stellen für qualifizierte Arbeitskräfte bundesweit zwischen 2023 und 2024 dagegen nur um 4,3 Prozent.
In diesem Zeitraum reduzierte sich die Zahl offener Stellen für IT-Experten von durchschnittlich 40.369 auf nur noch 26.753 und sank damit binnen eines Jahres um mehr als ein Drittel (minus 33,7 Prozent). Besonders drastisch sei die Zahl offener Stellen für Experten der Informatik (minus 46,2 Prozent) und der Wirtschaftsinformatik (minus 38,2 Prozent) eingebrochen, hieß es.
Dass gerade in diesen hochspezialisierten Berufen die offenen Stellen deutlich abgenommen haben, dürfte laut IW-Experten Jurek Tiedemann auch daran liegen, dass Unternehmen zurückhaltender in der Umsetzung komplexer IT-Projekte geworden sind. Laut Bitkom werden sogar Entlassungen im IT-Bereich erwartet.
Bedarf an ausgebildeten IT-Fachkräften sinkt ebenfalls
Auch auf anderen Anforderungsniveaus ging laut IW die Nachfrage nach IT-Arbeitskräften deutlich zurück. Die Zahl offener Stellen für ausgebildete IT-Fachkräfte sank zwischen 2023 und 2024 um 19,6 Prozent.
Trotz einer insgesamt rückläufigen Nachfrage im IT-Bereich zeigte sich laut IW auf Branchenebene ein differenziertes Bild: In einzelnen Wirtschaftszweigen wurden im Jahr 2024 mehr IT-Stellen ausgeschrieben als im Vorjahr. Eine gestiegene Nachfrage nach qualifiziertem IT-Personal verzeichnete vor allem der Bereich Rechts- und Steuerberatung sowie Wirtschaftsprüfung, wo verstärkt der KI-Einsatz versucht wird. Im Vergleich zum Jahr 2023 stieg die Zahl der offenen Stellen für IT-Arbeitskräfte in dieser Branche um 518,4 Prozent oder 1.770 Stellen an und erreichte ein neues Allzeithoch.
Rückgang insbesondere bei IT-Dienstleistungen
Auch in anderen Wirtschaftszweigen wie dem Tiefbau, der Energieversorgung oder der Versicherungswirtschaft gab es zuletzt einen erhöhten Stellenbedarf für IT-Fachkräfte, wenn auch insgesamt auf einem eher geringen Niveau. In 25 von 88 Wirtschaftszweigen stieg die Zahl offener Stellen für IT-Arbeitskräfte gegenüber dem Jahr 2023.
In 56 Wirtschaftszweigen, also in der deutlichen Mehrheit, nahm die Zahl der offenen Stellen für IT-Arbeitskräfte hingegen ab. Der stärkste Rückgang zeigte sich im Wirtschaftszweig IT-Dienstleistungen, der Branche, in der mit 40,9 Prozent der größte Anteil der IT-Fachkräfte tätig ist. Im Jahresdurchschnitt 2024 wurden in diesem Bereich 5.821 Stellen weniger ausgeschrieben als im Vorjahr – ein Rückgang um 31,6 Prozent.
Besonders stark betroffen waren laut IW "IT-Experten". Mögliche Gründe für den Rückgang könnten dem Institut zufolge sein, dass Unternehmen IT-Kompetenzen von externen Dienstleistern zunehmend ins eigene Unternehmen oder ins Ausland verlagern.
Ebenfalls ein deutlicher Rückgang an offenen Stellen für qualifizierte IT-Arbeitskräfte zeigte sich in der Automobilbranche. Zwischen 2023 und 2024 sank die Zahl offener Stellen um mehr als ein Drittel (minus 36,8 Prozent) auf etwa 2.000 offene Stellen. Dies spiegele die aktuelle Krise der Automobilwirtschaft wider, erklärte das IW.
Zusammenhang mit KI noch nicht zu belegen
Ein Zusammenhang zwischen dem Rückgang offener Stellen und dem Einsatz von KI lasse sich derzeit nicht eindeutig belegen. Aktuelle Umfragen zeigten, dass Unternehmen eher mit einem steigenden Bedarf an IT-Fachkräften durch KI rechneten. Perspektivisch rücke KI-Kompetenz stärker in den Fokus, während Routineaufgaben zunehmend automatisiert würden.
Trotz des starken Rückgangs der Nachfrage nach qualifizierten IT-Arbeitskräften bleibt ein Fachkräfteengpass: Im Jahresdurchschnitt 2024 konnten rechnerisch mehr als 13.500 offene Stellen in IT-Berufen nicht besetzt werden. Besonders groß war der Mangel an Experten der Informatik: 6.920 Stellen bleiben zuletzt unbesetzt. Damit konnten sieben von zehn (69,9 Prozent) offenen Stellen rechnerisch nicht besetzt werden.
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