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Piracy Shield: Rekordstrafe für Cloudflare wegen unterlassener DNS-Sperren

Cloudflare will Italiens DNS -Sperranordnungen nicht nachkommen, weil diese globale Auswirkungen hätten. Nun soll der Konzern 14,2 Millionen Euro zahlen.
/ Marc Stöckel
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Illegales Streaming beschert Cloudflare eine saftige Geldstrafe. (Bild: pixabay.com / Mohamed_hassan)
Illegales Streaming beschert Cloudflare eine saftige Geldstrafe. Bild: pixabay.com / Mohamed_hassan

Die italienische Kommunikationsaufsichtsbehörde Agcom hat eine Rekordstrafe in Höhe von 14.247.698 Euro gegen Cloudflare verhängt, weil das Unternehmen den von der Behörde geforderten DNS-Sperren gegen illegale Inhalte nicht nachgekommen ist. Das berichtet das Nachrichtenportal Torrentfreak(öffnet im neuen Fenster) unter Verweis auf einen Beschluss von Ende Dezember 2025, den Agcom kürzlich veröffentlicht hat(öffnet im neuen Fenster) .

Konkret geht es bei dem Vorwurf um das 2024 in Italien eingeführte Anti-Piraterie-System Piracy Shield. Dessen Ziel ist es, rechtsverletzende Inhalte innerhalb von nur 30 Minuten zu blockieren, was insbesondere illegale Livestreams von Sportveranstaltungen zügig nach deren Bereitstellung unterbinden soll.

Bisher soll dies schon bei 65.000 Domains und 14.000 IP-Adressen gelungen sein. Manchmal werden dabei aber wohl auch versehentlich legale Dienste blockiert, was immer wieder Kritiker auf den Plan ruft, die vor einem Overblocking warnen. Dazu zählt auch Cloudflare, dessen DNS-Resolver 1.1.1.1 es Anwendern bisher vergleichsweise leicht macht, verhängte DNS-Blockaden zu umgehen und den Effekt des Piracy Shield damit zu untergraben.

Widerstand mündet in Geldstrafe

Schon auf einen Beschluss von Februar 2025(öffnet im neuen Fenster) , in dem Agcom Cloudflare dazu aufforderte, die geforderten Sperrmaßnahmen an seinem DNS-Resolver umzusetzen, reagierte der Konzern mit Ablehnung. Das Unternehmen erklärte, eine solche Maßnahme wirke sich äußerst negativ auf die Latenz des Dienstes aus und verlangsame ihn weltweit für Milliarden von Nutzern.

Agcom ließ sich davon allerdings nicht beeindrucken und entgegnete, Cloudflare verfüge über ausreichend technisches Know-how sowie die nötigen Ressourcen, um die geforderten DNS-Sperren umzusetzen. Mit der jüngst verhängten Geldstrafe verleiht die Behörde dieser Auffassung Nachdruck. Die geforderte Geldsumme von 14,2 Millionen Euro entspricht einem Prozent des weltweiten Jahresumsatzes von Cloudflare.

Cloudflare droht mit Rückzug aus Italien

Wie es nun weiter geht, lässt ein X-Beitrag von Cloudflare-CEO Matthew Prince(öffnet im neuen Fenster) erahnen. Piracy Shield sei intransparent und unterliege keiner gerichtlichen Kontrolle, kritisiert er dort. "Wir sollten nicht nur Inhalte in Italien zensieren, sondern weltweit. Mit anderen Worten: Italien besteht darauf, dass eine undurchsichtige europäische Medienclique diktieren kann, was online erlaubt ist und was nicht" , so Prince.

Daher werde Cloudflare gegen die verhängte Geldstrafe vorgehen. Zudem ziehe der Konzern einige für italienische Nutzer potenziell weitreichende Maßnahmen in Erwägung, darunter die Einstellung seiner Cybersicherheitsdienste in Italien, insbesondere im Hinblick auf die anstehenden Olympischen Spiele in Mailand und Cortina, sowie den Abbau der zugehörigen Server-Infrastruktur.

"Wir sind der Meinung, dass Italien wie alle Länder das Recht hat, die Inhalte in Netzwerken innerhalb seiner Grenzen zu regulieren. Dabei muss es jedoch die Rechtsstaatlichkeit und die Grundsätze eines ordnungsgemäßen Verfahrens beachten" , erklärte Prince weiter. Italien habe kein Recht, zu regulieren, was in anderen Ländern im Internet erlaubt sei und was nicht.


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