IT-Weiterbildung: "Die Zertifikate sind eher Blendwerk"
Wer glaubt, eine IT-Umschulung über die Bundesagentur für Arbeit sei ein direkter Weg in einen Zukunftsberuf, wird in den Erfahrungsberichten aus der Golem-Community ein Wechselbad der Gefühle erleben. Zwischen Erfolgsgeschichten, in denen Menschen trotz schlechter Kurse eine neue Karriere starten, und Frustberichten über chaotischen Unterricht, Fehlberatung und fehlende Praxis klafft eine enorme Lücke. Was die Teilnehmenden erzählen, zeigt ein System, das Talente fördern kann, aber viel zu oft an den eigenen Strukturen scheitert.
Viele berichten von Dozenten ohne fachliche Tiefe, Kursinhalten ohne roten Faden und Prüfungen, die in keiner Weise auf die Realität im späteren Job vorbereiten, so wie es auch kürzlich eine Recherche des ZDF(öffnet im neuen Fenster) zeigte. Manche schaffen es trotzdem in die Branche, doch meist mit massig Eigeninitiative und Wochen voller Überstunden, um die echten Grundlagen nachzuholen. Andere brechen ab, werden nicht übernommen oder finden trotz Zertifikaten keinen Einstieg.
Und doch gibt es auch Lichtblicke. Einige Teilnehmer berichten von guten Trägern, starken Dozenten und echten Chancen im Praktikum. Die Schere zwischen gelungenen Karrierestarts und komplett vergeudeter Zeit zeigt, wie unberechenbar diese Maßnahmen sind und warum es so wichtig ist, genauer hinzusehen.
Wir wünschen viel Spaß bei der spannenden Lektüre! Noch kurz zwei Anmerkungen vorneweg: Wir hatten so viele Einsendungen, dass sie diesen Artikel gesprengt hätten. Daher mussten wir auf einige Beiträge verzichten – ganz besonders jene, die Erfahrungen beschreiben, die bereits sehr lange zurückliegen.
Und: Wir haben natürlich die Bundesagentur für Arbeit um eine Stellungnahme gebeten. Leider blieb es bei einer vorgefertigten Standardantwort, die im Kern dieses Zitat beinhaltet: "Die Entscheidung über die Akkreditierung einer Zertifizierungsstelle und die Zertifizierung von Bildungsträgern und deren Trägermaßnahmen liegen nicht im Verantwortungsbereich der Bundesagentur für Arbeit." Falsche Beratungen seien nicht ausgeschlossen, aber Einzelfälle.
Zuerst wollen wir die Absolventen zu Wort kommen lassen. Berücksichtigt haben wir Einreichungen, die den vergangenen ca. 5 Jahren Maßnahmen absolviert haben. Es gab einige wenige positive Stimmen – dort lag die Schulung allerdings zehn Jahre und mehr zurück. Im Anschluss kommen Kolleginnen und Arbeitgeber mit ihren Erfahrungen dran. Zum Schluss schildern noch zwei Trainer ihre Eindrücke.
"Ich war geschockt von der echten Codebasis"
➤ Meine zweijährige Umschulung zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung habe ich vor etwa vier Jahren erfolgreich abschließen können. Erfolgreich im Sinne von: IHK-Prüfung bestanden.
Ich glaube, das war das primäre Ziel des Umschulungsträgers: Möglichst viele Umschüler durch die Prüfung kriegen. Geklappt hat es so etwa bei der Hälfte. Bei einigen war schon nach den ersten Tagen absehbar, dass das nichts werden konnte. Hier wurde durch die Arbeitsagentur offensichtlich falsch beraten. Vielleicht ging es auch nur darum, die Leute für zwei Jahre aus den Statistiken zu bekommen. So waren es für diese Umschüler jedenfalls zwei verschenkte Jahre, die sie unter anderem damit zubringen durften, die Kreuzworträtsel eines südafrikanischen Opernsängers zu lösen, der sich als Englischdozent beim Bildungsträger was dazuverdiente.
Ich selbst habe die Umschulung als sehr frustrierend wahrgenommen und mich irgendwann ausgeklinkt, selbstständig an Projekten gearbeitet und mich so gut es ging auf die Prüfung vorbereitet. Während eines integrierten Pflichtpraktikums kam ich dann zum ersten Mal mit dem echten IT-Berufsleben in Kontakt und war zunächst geschockt angesichts einer echten Codebasis. In der Umschulung ging es teilweise kaum über Hello World hinaus ...
Obwohl ich mich auch nach der Umschulung überhaupt nicht ausgebildet oder qualifiziert gefühlt habe, wurde ich von meinem Praktikumsbetrieb fest eingestellt. Mittlerweile bin ich in einem anderen Unternehmen als Software Consultant unterwegs und würde sagen, dass sich das Ganze für mich gelohnt hat und die Umschulung meine Eintrittskarte in die IT war. Trotzdem fühlt es sich so an, als hätte ich es nicht wegen, sondern trotz der Umschulung geschafft ...
➤ Vorkenntnisse waren bei mir vorhanden, aber viele Jahre veraltet. Ich hatte das Glück, insgesamt zwei Jahre diverse Kurse absolvieren zu dürfen. Danach hatte ich jede Menge Jobinterviews und konnte auswählen.
Der Einstieg war nicht einfach. Jetzt bin ich drei Jahre in der Firma, nicht in dem Bereich, wo die Schwerpunkte der Kurse lagen, sondern im IT-Support. Die Bezahlung ist für die Region gut. Dienstwagen obendrauf.
Das in den Kursen Gelernte nutze ich für ein Start-up im Nebenjob. Das würde ich gern auch im Hauptjob machen, das gaben die Jobangebote aber nicht her.
➤ Ich habe mich bei einem Schulungsinstitut nach einem Kurs 'Fachkraft IT-Anwendungsentwicklung' telefonisch erkundigt. Der Kurs kann auch durch einen Bildungsgutschein der Arbeitsagentur gefördert werden.
Ohne viel Federlesen bekam ich am nächsten Tag eine Mail mit einem 'Testergebnis' welches meine hervorragende Eignung zum Bestehen dieses Kurses bescheinigte.
Ich bin in der Softwareentwicklung nicht ganz unbeschlagen und traue mir daher eine Einschätzung zu. Obwohl der Kursinhalt nur angerissen wurde und der Flyer die iOS- Entwicklung beschrieb (ich hatte nach Android-Entwicklung gefragt), kratzt der Lehrgang gerade mal an der Oberfläche.
Ich hätte in einem seriösen Unternehmen keine Chance auf einen Job gehabt.
Das Tempo ist hoch und es gibt enorm viel zu lernen
➤ Ich habe eine Umschulung zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung erfolgreich abgeschlossen. Für viele ist der Prozess reines Roulette. Die wichtigste Hürde ist bereits die Auswahl des Bildungsträgers. Die Träger erhalten von der Arbeitsagentur monatlich Geld pro Umschüler. Bei diesen Anreizen gibt es viele Träger, die jeden durchschleifen. Die Qualität des Wissens hängt von den – häufig freiberuflichen – Lehrern ab. Gute Dozenten sind Mangelware und daher auch begehrt. Schlechte Träger haben häufig wechselnde Dozenten.
Ich habe bei meiner Auswahl meines Trägers u. a. auch auf die Bewertungen der Freiberufler in puncto ihrer Vergütung geachtet.
Ich bin parallel mit zwei Studenten aus dem Praktikum in einem kleinen Unternehmen mit flachen Strukturen übernommen worden und hatte an den Akademikern einen guten Vergleich, dass die Ausbildung für den Einstieg auf Junior-Level große praktische Vorteile bietet. Noch wichtiger waren allerdings die Leidenschaft für die IT und die Lust auf die Arbeit. Egal wie man als ITler einsteigt: Das Tempo ist hoch und es gibt enorm viel zu lernen. Es hat Vorteile, wenn man darauf Bock hat.
Drei Jahre sind seitdem vergangen und ich leite jetzt mein eigenes kleines Team. Für mich hat es sich gelohnt. Abschließend sei noch erwähnt, dass mein Sachbearbeiter bei der Agentur fantastisch war. Er kannte sich gut im IT-Arbeitsmarkt aus und hat für mich viele Hebel kurzfristig in Bewegung gesetzt. Dank ihm konnte ich ein halbes Jahr schneller starten und damit auch Geld verdienen.
➤ Ich habe eine einjährige Weiterbildung zum Cyber-Security-Experten gemacht und dabei viele CompTIA-Zertifikate bekommen (A+, Network+, Linux+, Security+, Pentest+ und die stackable Zertifikate CIOS, CLNP, CSIS, CNVP, CSSS und einen Abschluss als Cyber Security Advisor (IHK) ).
So viel zur Theorie.
Praktisch gesehen bringt das nicht viel, weil auf dem Stellenmarkt Leute mit Erfahrung gesucht werden. Ich hatte direkt nach der Weiterbildung einen Job als Cyber Security Analyst und Pentester bekommen, wurde aber nach sechs Wochen gekündigt, weil sie einen Mitarbeiter mit mehr Erfahrung gesucht hatten. Die Zertifikate sind eher Blendwerk (so mein Eindruck/Erfahrung).
"Bis heute immer wieder überfordert"
➤ Ich habe eine 14-monatige Weiterbildung in der WE-Entwicklung durchlaufen. Ich habe zwar direkt im Anschluss an ein Praktikum einen Job gefunden. Wurde aber nach zwei Jahren gekündigt. Daraufhin habe ich erneut einen Job gefunden. Bis heute fühle ich mich jedoch mit den aufkommenden Themen immer wieder überfordert.
➤ Fit wie ein Turnschuh. Aber nicht dank der Umschulung, sondern dank Eigeninteresse und Verwandtschaft, die den Job 15 Jahre ausübt. In Umschulungen sitzen nur drei bis vier Gruppen: Geldgierige, Denken-leichtes-Leben, Unwissenheit² und ich. Folglich können Sie sich selbst Zahlen ausdenken, wie produktiv die anteilige Anteilnahme an der Umschulung war. 45 von 60 kannste in die Tonne werfen.
➤ Die sechsmonatige Weiterbildung hat mir nichts gebracht. Man erhält fünf Expertentitel, aber mich mit denen zu bewerben, würde ich mich schämen. Themen werden nur leicht oberflächlich angekratzt. Da kann man sich nicht direkt Experte nennen. 8.000 bis 9.000 Euro hat es das Amt gekostet ... für nichts.
➤ 2020 absolvierte ich drei Kurse eines Data Scientist/Engineer-Programms. Zwei weitere wurden mir angerechnet – Python durch eine frühere Schulung, Statistik durch mein Studium. Eine echte Prüfung der Vorkenntnisse fand nicht statt und mir fehlten einige Basics. Dank Erfahrung mit anderen Programmiersprachen kam ich gut zurecht, obwohl das Lerntempo wegen überforderter Teilnehmer sehr langsam war.
Trotz Wissenslücken gehörte ich mit 98 bis 100 Punkten zu den Besten. Auffällig: Auch Teilnehmer mit kaum Grundlagen erhielten über 80 Punkte. Meine Betreuerin bei der Arbeitsagentur sah darin kein Problem – ich hätte ja mein Zertifikat.
Drei Monate später begann ich als Data Engineer. Der Einstieg war hart: Git, Softwarearchitektur, Python, SQL, Spark, agile Methoden – vieles musste ich mir mühsam erarbeiten. Ich arbeitete über 55 Stunden pro Woche, bis mir ein erfahrener Mentor half. Nach einem Jahr konnte ich echten Mehrwert liefern.
➤ Ich komme aus dem Marketing (bin also nicht vollkommen IT-fremd) und habe bei der Agentur eine sechsmonatige Umschulung zum Data Scientist beantragt.
Obwohl ich vorher verschiedene Bildungsträger verglichen hatte, stieß ich bei meiner Sachbearbeiterin auf taube Ohren. In diesem Bereich hätte ich keine Chance, weil der IT-Markt bereits viel zu überlaufen sei, die Agentur nur schlechte Erfahrungen mit der Job-Vermittlung gemacht hätte etc. etc.
Dass einem diese Weiterbildungen hinterhergeschmissen werden, kann ich daher nicht bestätigen. Alternativen kann mir die Agentur auch keine nennen. Wahrscheinlich wieder bei jeder Dienststelle und bei jedem Sachbearbeiter anders.
"Viele Inhalte waren unpräzise, verwirrend oder gar falsch"
➤ Um mir nach einer längeren Pause den Wiedereinstieg in die Softwareentwicklung zu erleichtern, vereinbarte ich mit der Arbeitsagentur eine vierwöchige Online-Fortbildung zum Thema Scrum ... die ich dann in der zweiten Woche abgebrochen habe.
Dort wurden die Inhalte von zwei bis drei Seminartagen auf vier Wochen breitgewalzt, vermutlich, um eine hohe Erfolgsquote bei der Prüfung zu erreichen. Viele Inhalte waren unpräzise, verwirrend oder gar falsch, und ich glaube nicht, dass jemand, der diese Fortbildung durchlief, unbedingt danach kompetent mit agiler Entwicklung umgehen kann.
Ich vermute, es gibt da eine ganze Menge Fortbildungsanbieter, die genau wissen, wie sie die Agentur melken können. Die Agentur fällt leider drauf rein, und die wirklich guten Anbieter werden von der Agentur nicht unterstützt.
Etliche Mitschüler waren für die IT nicht wirklich geeignet
➤ Seit acht Monaten bin ich arbeitslos und wollte zu Beginn meiner Arbeitslosigkeit eine IT-Weiterbildung beginnen. Die Agentur lehnte dies ab, da die Kosten von 15.000 Euro für sechs Monate als zu hoch angesehen wurden und ich als hochqualifiziert galt, schnell eine Stelle zu finden.
Ich habe im Projektmanagement gearbeitet, hauptsächlich in Digitalisierung und W-Commerce.
Aufgrund des schwierigen Marktes habe ich jedoch bisher nichts gefunden, und selbst die typischen Headhunter-Anfragen auf Linkedin sind ausgeblieben.
Ich bezweifle, dass die Weiterbildung in der aktuellen Situation eine Verbesserung gebracht hätte, da der Markt für Juniorstellen so begrenzt ist, dass Unternehmen mit einer großen Anzahl von Bewerbern zu kämpfen haben.
"Das Gros der Mitschüler wurde übernommen"
➤ Ja, Umschulung 2017 mit IHK-Abschluss. Offenbar hatten wir ein gutes Institut erwischt. Sofort nach der Maßnahme einen Job bekommen. Das Gros der Mitschüler wurde von den jeweiligen Praktikumsbetrieben übernommen. Aber: Etliche Mitschüler waren für die IT nicht wirklich geeignet, hatten kaum Interesse am Thema. Sahen nur die guten Jobaussichten.
➤ Ich habe meine Maßnahme abgebrochen, aber vielleicht wollt ihr meinen Erfahrungsbericht ja dennoch lesen.
Ich habe im Jahr 2022 eine Umschulung zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung bei der CBW in Hamburg begonnen. Mein Ziel war es, mich aus dem IT Customer Support heraus zu entwickeln, und auch die Arbeitsagentur wollte mich hierbei unterstützen. Unser Kurs begann mit 18 bunt zusammengewürfelten Leuten, von Altenpflegern über Studienabbrecher bis Langzeitarbeitslosen (keine Wertung!). Die angebotenen Zertifikate lasen sich recht gut: PHP Zend, Java, Scrum, AWS u. v. w. Der Kurs sollte zwei Jahre gehen, wobei 1,5 Jahre Unterricht waren, an die sich sechs Monate Betriebspraktikum anschlossen und mit einer IHK-Prüfung endeten.
Die Hamburger Handelskammer hat zu dieser Zeit nur eine Präsenzpflicht von 50 Prozent aller Kursinhalte vorgeschrieben. Also saßen wir alle erst einmal im Homeoffice. Die ersten Wochen hatten wir nur theoretische Inhalte wie Arbeitsrecht (nebst Besuch im Arbeitsgericht), Datenschutz am Arbeitsplatz und ähnliche Inhalte, immer in 2-Wochen-Blöcken. Erst nach sechs Wochen haben wir die ersten Zeile Code in Python schreiben dürfen. Die Inhalte bauten nicht aufeinander auf. Java folgte auf UML, C# auf Scrum, Netzwerkgrundlagen auf PHP und es änderten sich dadurch auch immer die Lehrer.
Die Qualität der Lehrer schwankte extrem. Es handelte sich ausschließlich um Honorarkräfte. Der Lehrer für Arbeitsrecht war ein netter Mann, bat uns aber öfters in die Eigenarbeit, da er Schlaf nachholen musste (leider kein Witz). Der HTML/CSS/JS-Lehrer hatte viel Erfahrung mit Projektmanagement, aber leider keine Ahnung vom Coding. Ein Kommilitone und ich haben dem Rest des Kurses (der noch mitmachen wollte) am Ende React beigebracht, was in zwei Wochen nicht möglich ist.
Der Scrum-Lehrer war uns aus Saudi-Arabien zugeschaltet. Er war ein älterer Herr, der dort für eine andere Firma arbeitete. Es stellte sich heraus, dass er keine Ahnung von Scrum hatte, so dass er ausgetauscht werden musste. Da wir keine Zeit mehr hatten, hat uns die neue, viel bessere Lehrerin nur noch zeigen können, wie man gut betrügen kann bei der Zertifizierung.
Für Python hatten wir leider zwei Lehrer, eine sehr guten und einen nicht so guten. Auch bei dieser Zertifizierung musste betrogen werden. Beim ersten Versuch sind alle Teilnehmer durchgefallen. Beim zweiten Versuch musste betrogen werden. Wir bekamen die Fragen und Antworten eines vorangehenden Kurses, denn die Fragen rotieren wohl nicht so oft. Die Kamera im Raum wurde zudem so ausgerichtet, dass man die Handys nutzen konnte.
Da die Python-Zertifizierung auf Kosten des Trägers wiederholt werden musste, wurde das AWS-Cloud-Engineer-Zertifikat herabgestuft (auf das erste der verfügbaren). Wir mussten drei Wochen Python wiederholen, so dass für AWS nicht mehr genug Zeit war. Das PHP-Zend-Zertifikat wurde ersatzlos gestrichen. Das Java-Zertifikat haben nur drei Teilnehmer bestanden.
Unser Kurs ist auf sieben Teilnehmer zusammengeschrumpft. Das Beste war: Die IHK hat den Homeoffice-Anteil gestrichen. Es herrschte sofortige Präsenzpflicht, was zum Chaos bei der CBW in Hamburg führte, denn in Berlin konnte 100 Prozent Homeoffice gemacht werden. Aber nur für die Umschüler, nicht für die Lehrer! So saßen wir alle in engen Räumen, in einem Teams-Meeting.
Das Ende vom Lied: Nur drei Teilnehmer haben eine Praktikumsstelle bekommen. Ich habe leider keines bekommen und habe mir wieder einen Support-Job gesucht. Ich programmiere privat aber sehr viel und sehr gerne. Ich habe dem Arbeitsamt meine Erfahrungen in einem umfangreichen Bericht geschildert, aber nie eine Rückmeldung erhalten.
Die Maßnahme war ein Witz
➤ Ich habe eine Qualifizierung durchlaufen. Von 32 Teilnehmern haben 30 nicht bestanden. Ich war einer von den beiden, die bestanden haben. Die Auswahl der Teilnehmer ließ schon am ersten Tag darauf schließen, dass es hier mehr darum geht, Förderungen abzugreifen als darum, Leute weiterzubilden. Es waren Leute in der Ausbildung, denen die Grundlagen in Mathematik und Englisch gefehlt haben.
➤ Die Maßnahme war ein Witz. Der Kurs fand ausnahmslos remote statt. Anwesend war, wer eingeloggt war. Die Qualität der Ausbilder war großteils schlecht und die Inhalte haben nicht auf ein reales IT-Leben vorbereitet.
Ich habe die Maßnahme abgebrochen, da ich in meinem alten Beruf wieder eine Stelle finden konnte. Ich bin mir sicher, ich wäre im Berufsleben vollkommen abgeschmiert mit dem Wissen, was man mir dort vermittelt hat.
➤ Ich bin tatsächlich der Meinung, dass viele dieser Fortbildungen nicht geeignet sind! Auch ein Beratungsangebot eines Trägers, der in diesem Bereich tätig ist, konnte mir nichts Neues erzählen ~ ich war sehr enttäuscht. Vor Abstimmung eines (für mich kostenlosen) Termins klang das noch ganz anders ... Upps, läuft das etwa über eine Förderung je Termin?
Die durch den Bildungsgutschein angebotenen Fortbildungen müssten praktischer sein – bereits Verbindungen zu potenziellen Arbeitgebern geschaffen werden!
"Zeitverschwendung"
➤ Die Umschulung war ehrlich gesagt Zeitverschwendung. Man hat uns weder auf den Beruf noch auf die IHK-Prüfung ausreichend vorbereitet. Ich wäre nicht weniger erfolgreich gewesen, wenn die Agentur mir selbst das Curriculum und die 35.000 Euro gegeben hätte. Es war am Ende komplette Eigenleistung.
➤ Ich habe ein Bootcamp für Full-Stack-Entwickler gemacht. Soweit ich weiß, ist keiner der Klassenkameraden in dem Bereich untergekommen. Aber! Bitte unterscheidet Umschulung und Weiterbildung. Umschulungen mit IHK-Abschluss sind mit Ausbildungen vergleichbar. Weiterbildungen sind fragwürdig.
➤ Habe die Umschulung zum Fachinformatiker für Systemintegration gemacht über einen Träger. Unterricht war unstrukturiert, und wenn überhaupt auf das Bestehen der IHK-Prüfung ausgerichtet. Trotz des bestandenen Abschlusses ist es dennoch fast unmöglich, eine passende Arbeitsstelle zu finden, da viele Arbeitgeber Erfahrungen mit speziellen Programmen voraussetzen, die im arbeitsfernen Umschulungssystem nicht vermittelt wurden.
Gar nicht fit und suche schon 1,5 Jahre nach einem Job!
➤ Ich habe eine Ausbildung zum Anwendungsentwickler gemacht, wurde danach aber arbeitslos. Später absolvierte ich eine Weiterbildung zum Full-Stack-Entwickler, die sich jedoch als nutzlos herausstellte. Sie war sogar weniger wert als ein IHK-Zertifikat, weil man dort nur oberflächlich lernt.
Eine Ausbildung hat heutzutage auch kaum noch Wert, denn im Grunde lernt man dort nur objektorientierte Programmierung – und das kann man sich mittlerweile auch selbst zu Hause beibringen.
➤ Gar nicht fit und suche schon 1,5 Jahre nach einem Job!
➤ Ich stecke grad in einer Umschulung. Ich habe mich aber ganz bewusst gegen einen Bildungsanbieter entschieden und mache eine betriebliche Umschulung, die wie eine duale Ausbildung funktioniert.
Ich hatte auch Angst, danach auf dem Arbeitsmarkt nicht Fuß zu fassen. Jetzt muss ich zwar mit Mitte 30 wieder zur Berufsschule, aber ich glaube, das ist die einzige realistische Möglichkeit.
Bei den Bildungsanbietern besteht die Praxiserfahrung meist nur aus einem sechsmonatigen Praktikum, in dem man sein Abschlussprojekt umsetzt. Da ist es verständlich, dass solche Absolventinnen und Absolventen bei Arbeitgebern oft weniger gefragt sind als ausgebildete Azubis oder Quereinsteiger mit echter Berufserfahrung.
"Themen werden in beliebiger Reihenfolge gelehrt"
➤ Ich bin 34, Mutter, befinde mich aktuell in einer Umschulung in Teilzeit zur Systemintegratorin in Bayern. Die Qualität des Unterrichts ist mittelmäßig. Die Dozierenden sind Freiberufler. Sie bekommen die Themen vorgegeben, aber kein Material. Mancher Dozent ist toll, andere referieren über Themen, von denen sie offensichtlich selbst kaum Ahnung haben. Bei vermehrtem negativen Feedback arbeitet der Träger nicht mehr mit diesen Dozierenden zusammen, das hilft uns aber nicht, da die Woche(n) dann für uns verloren sind.
Auch bauen die Themen nicht aufeinander auf, sondern werden pro Woche in beliebiger Reihenfolge gelehrt. IP, Virtualisierung, Schutzbedarf, Wiso, Linux.
Dadurch haben wir zwar Kenntnis über einzelne Dinge, allerdings fehlen uns die Zusammenhänge. Vor der AP1 werden wir nicht alles behandelt haben, was drankommen kann, dafür hatten wir bereits Stoff aus dem dritten Lehrjahr.
Der Unterricht erfolgt zu 100 Prozent über Teams, wir sind eine kleine Klasse. Jeder Standort des Trägers hat unterschiedliche Regelungen. Ein Teil darf Homeoffice machen, manche dürfen ihren Laptop mitnehmen oder bekommen ein Zweitgerät für zu Hause – an meinem Standort bekommen wir nichts davon und es wird jeden Tag kontrolliert, ob wir wirklich körperlich anwesend sind.
Manche Standorte helfen beim Schreiben von Bewerbungen für die Betriebe, in denen wir die Praxisstunden ableisten müssen, andere lassen die Teilnehmer komplett hängen, selbst wenn diese keinen Betrieb finden.
Auf unseren Laptops/PCs haben wir keinerlei Berechtigungen und benötigte Programme sind oft nicht installiert, wenn wir sie brauchen, was zu zwei Tagen Verzögerung führt. VMs werden alle 90 Tage gelöscht. Einige Geräte erfüllen die technischen Anforderungen nicht, um Virtualisierungen flüssig zu betreiben.
Alles in allem ist es sehr chaotisch und wir sind überrascht, wenn wir einen Dozenten bekommen, der sowohl inhaltlich als auch didaktisch gut ist. Mit viel Eigeninitiative kämpfen wir uns von Woche zu Woche und hoffentlich durch die Prüfungen.
"Absolut unterirdisch"
➤ Ich habe vor ca. vier Monaten eine Weiterbildungsmaßnahme bei einem AZAV-zertifizierten Institut zum App-Entwickler begonnen und musste die Maßnahme nach zwei von vier Modulen jetzt abbrechen, weil die Arbeitsagentur die Finanzierung gestrichen hat.
Jetzt bin ich wieder da, wo ich vorher war, nämlich im Bürgergeld- bzw. der Grundsicherung. Mein Vermittler im Jobcenter eröffnete mit kürzlich, dass die Situation für mich zwar unbefriedigend sei, aber er mich aufgrund des Vermittlungsvorrangs dann halt doch wieder in irgendeine Helfertätigkeit bringen müsse.
Ach ja, studiert habe ich eigentlich Geologie auf Diplom (Uni Heidelberg/KIT), konnte aber keinen Einstieg in den Arbeitsmarkt in Deutschland realisieren. In Afrika (Auslandsaufenthalt von 2013 bis 2015) habe ich aber als Junior Geologist an einem Staudamm-Projekt mitgearbeitet. Nach Auskunft des Vermittlers gelte ich aber nach fünf Jahren ohne Job in dem Bereich nun wieder als 'ungelernt'...?!
➤ 2019 eine Umschulung zum Anwendungsentwickler gemacht. Kam aus der Geschäftsführung und hatte Vorwissen. Umschulung war coronabedingt komplett online. Die Qualität des Unterrichts war bis auf die Kurse von einigen wenigen Dozenten absolut unterirdisch. Ohne eine Menge an Eigeninitiative via Udemy usw. wäre das Ganze ein Totalreinfall geworden.
Mittlerweile arbeite ich als Software Engineer bei einem der größten Versicherer. Meine Meinung zur Ausbildung und Umschulung sind generell gemischt. In dem Beruf muss generell ein hohes Maß an Eigeninitiative und Lernbereitschaft gegeben sein. 80 Prozent meiner damaligen Mitschüler hatten dieses nicht und sie haben von der Agentur und der Umschulungsstelle trotzdem das Blaue vom Himmel versprochen bekommen.
➤ Sehr wichtiges Thema. Ich habe selber an einer Weiterbildung teilgenommen, unter anderem für KI, und habe mir hier den Weiterbildungsmarkt vorher genauer angeschaut. Hier wird viel Geld für wenig Ergebnis ausgegeben. Die wichtigsten Themen habe ich mir selber beigebracht, der Kurs selber war beinahe unbrauchbar.
Natürlich ist das Thema auch eine Herausforderung für die Weiterbildungsanbieter, da die Teilnehmer der Kurse sehr unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen. Mir scheint hier der effiziente Einsatz von KI für eine individuell angepasste, persönliche Weiterbildung viel Potenzial zu haben. Damit könnte man in einigen Gebieten effizienter lernen und damit Kosten sparen. Grundsätzlich halte ich eine Weiterbildung für sinnvoll.
Das meinen Kolleginnen und Arbeitgeber
➤ Wichtigste Voraussetzung für jeden ITler sind Leidenschaft und das vorhandene Fachwissen. Beides kann man in einem Interview und einer kleinen Arbeitsprobe gut validieren.
Dazu können manche Quereinsteiger stabile Persönlichkeiten und Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme als enorme Vorteile in ihre Teams einbringen. Bei Umschulungen ist ein sechsmonatiges unbezahltes Praktikum verpflichtend. In der Zeit kann ein Arbeitgeber sehr genau einschätzen, wie gewinnbringend eine Übernahme wäre.
➤ Wir haben regelmäßig mit Menschen Kontakt, die über 3rd-Party-Betriebe Weiterbildungen absolvieren. Diese suchen meist im 3. Ausbildungsjahr ein Praktikum für ein halbes Jahr.
Man merkt häufig an den Lebensläufen, dass diese Menschen von Maßnahme zu Maßnahme wechseln. Im Gespräch zeigen diese Menschen hohes Interesse und eine hohe Zuverlässigkeit, welche bereits nach den ersten vier Wochen deutlich nachlässt. Häufige Krankheits- oder Abwesenheitstage sind die Folge. Ergänzend brechen vier von fünf Kandidaten innerhalb der ersten drei Monate ab.
Die Mitarbeiter, die Interesse am Thema und eine intrinsische Motivation für die Sache mitbringen, bleiben bei uns, schließen die Ausbildung gut ab und sind im Anschluss wertvolle Mitarbeiter, die sich auch nach der Ausbildung stetig weiterentwickeln und Einsatz zeigen. Meine Position: Teamleiter / Abteilungsleiter IT-Support, Ausbilder.
➤ Liegt meiner Erfahrung weniger an der Ausbildung als am Auszubildenden. Wenn in der IT kein eigenes Interesse besteht, hilft IMHO die beste Ausbildung nicht. Habe in einer Firma gearbeitet, da wurde ein Fachinformatiker Sys Integration ausgebildet. Zwölf Wochen vor der Prüfung fragte ich ihn, ob er denn weiß, was ein DNS ist.
In den Zeilen oben steht seine Antwort. Die Prüfung hat er mit gut bestanden.
"Echtes Fachwissen sieht anders aus"
➤ Kollege mit Umschulung als IT-Systemintegrator. Chat GPT ist sein bester Freund, kaum eine Aufgabe, die er nicht damit löst. Echtes Fachwissen sieht anders aus.
➤ Grottig. Berufsbedingte Vokabeln waren vorhanden, der Inhalt dazu nicht. Die beiden betroffenen Kollegen haben das IT-Umfeld recht schnell verlassen.
➤ Der Quereinsteiger-Kollege hat sich wohl über die Arbeitsagentur aus eigenem Antrieb auf die Umschulungsmaßnahme beworben. Erzählt hat er uns mal, dass der Alltag an der "Schule" dann geprägt war von unmotivierten Lehrkräften, Unterrichtsausfall und Rumsitzen. Entsprechend qualitativ hochwertig war die Maßnahme dann.
Das eigentliche Problem ist aber, dass der Markt überhaupt keine (egal wie qualifizierte) Umschüler braucht, sondern Fachkräfte. Die Agentur für Arbeit zahlt ja keinen Cisco-Architect o. ä. Man bekommt also ungefähr das Niveau eines mittelmäßigen Berufseinsteigers nach der Ausbildung ohne spezielle Qualifikation.
Hätte man die Person selbst inhouse ausgebildet, hätte dies zwar auch Ressourcen gekostet, man hätte aber jemanden, der direkt mit den Prozessen vertraut ist, den Kundenstamm und das Arbeitsumfeld kennt und in den/die man gern das Geld für Zusatzqualifikationen investiert, weil man eben auch weiß, wo dessen Kompetenzen liegen.
Nicht mehr als die Basics
➤ Man sollte berücksichtigen, dass Personen, die an einer Weiterbildung teilnehmen, oft die praktische Erfahrung fehlt, da der direkte Praxisbezug in solchen Maßnahmen in der Regel nicht gegeben ist.
➤ Sie bekommen leider oft nur die minimalen Basics vermittelt, aber es wird so getan, da sie danach sofort durchstarten und gutes Geld verdienen können. Dabei ist gerade mal der Grundstock gelegt, auf dem man aufbauen kann. Da gibt es eine Diskrepanz zwischen Erwartungen und Realität. Es ist gut, aber es sollte nicht suggeriert werden, dass man danach der High Flyer ist.
➤ Katastrophal. Vor allem IT-Sicherheit-"Experten"-Schulen. Kein Grundlagenwissen, reines Lernen in sechs Monaten auf Zertifikate. Sollte dringend gestoppt werden.
➤ Wir haben einen Quereinsteiger mit einer 24-monatigen Umschulung bei uns. Ihm fehlen grundlegende Basics, und wenn ich Basics sage, dann meine ich unter anderem, den Unterschied zwischen einem USB-B-Port und einem RJ45-Port zu kennen.
➤ Ich sehe bei Quereinsteigern selbst nach Jahren in der Branche fast immer folgende zwei Probleme:
1. Ihnen fehlt das Mindset, wie u. a. bei SysEng, dass Stabilität vor Neuerungen kommt, oder die Herangehensweise an Probleme. Sie versuchen es auch häufig, den Nutzern jeden noch so kleinen Wunsch zu erfüllen und sehen nicht die Folgen bzw. den Rattenschwanz, den das mit sich bringt. 2. Ihnen fehlt das in der Jugend selbst erlernte Grundwissen und die Faszination für die Technik. So habe ich schon ADs mit eigenen TLDs (local.$Firma) gesehen, CIDR ist grundsätzlich unbekannt und Virenscanner werden als Allheilmittel vor regelmäßigen Updates gestellt. Auch fehlt die Neugier an neuer Technik oder die Freude, aus einem Problem etwas Neues gelernt zu haben.
➤ Zu oberflächlich qualifiziert. Kaum für den beruflichen Alltag vorbereitet.
➤ Kurze Einordnung: Die Perspektive der Praktikumsbetriebe fehlt hier leider oft. Ich möchte deshalb einmal unsere Erfahrungen teilen.
Wir sind eine größere Einrichtung des öffentlichen Dienstes in einer strukturschwachen Region Deutschlands. Jährlich bilden wir rund zehn Auszubildende in drei Lehrjahren zum/zur Fachinformatiker/in aus. In unserer Region sind die Möglichkeiten für qualifizierte IT-Talente begrenzt, weshalb wir besonders auf engagierte Bewerber angewiesen sind.
Regelmäßig erreichen uns Anfragen von Schülern über einschlägige Bildungsträger für ein halbjähriges Praktikum, teilweise auch im Rahmen von Projekten für den IHK-Abschluss. Bis 2020 haben wir pro Jahr mindestens einen Praktikanten aus diesen Programmen eingestellt. Inhaltlich haben wir keine Probleme mit den Bildungsträgern. Wir nutzen Nachhilfeangebote der Träger, um Ausfälle in der Berufsschule auszugleichen. Entscheidend ist jedoch die Eigeninitiative der Teilnehmer, was sich bereits in der sehr unterschiedlichen Qualität der Bewerbungen zeigt.
Einige Bewerbungen sind gut nachvollziehbar und passen klar zum angestrebten Berufsbild. Andere erwecken den Eindruck, dass die einzige Voraussetzung für die Maßnahme darin besteht, einen Computer zu besitzen. Leider entspricht seit 2020 fast jede Bewerbung diesem zweiten Muster.
Unsere Erfahrungen mit diesen Bewerbern bestätigen leider oft das Klischee: Manche erschienen gar nicht, obwohl sie zuvor mehrfach zugesagt hatten. Andere zeigten wenig Motivation oder waren schlicht für IT-Aufgaben ungeeignet. Für uns als Ausbilder ist es herausfordernd, die Praktikumszeit sinnvoll zu gestalten, wenn grundlegende Motivation oder Vorwissen fehlt.
Im Gegensatz dazu konnten einige der besonders engagierten und talentierten Kandidaten später eine feste Anstellung bei uns erhalten. Diese Top-Kandidaten zeigten von Anfang an Begeisterung, brachten eigene Ideen ein und lernten schnell dazu.
Unser Fazit: Aus unserer Sicht nehmen viel zu viele Teilnehmer an diesen Maßnahmen teil, die dort eigentlich nicht hingehören. Gleichzeitig bieten die Programme für motivierte und geeignete Bewerber jedoch eine wertvolle Einstiegsmöglichkeit in die IT und können für beide Seiten, Praktikant und Betrieb, erfolgreich sein.
Mittlerweile sind wir dazu übergegangen, Personen direkt auszubilden, die einen beruflichen Neustart wagen, ohne den Umweg über einen Bildungsträger. Diese Kandidaten sind von Anfang an hochmotiviert und haben sich intensiv mit dem Berufsfeld auseinandergesetzt, was die Ausbildung erheblich erfolgreicher und produktiver macht.
Es kommt auf das Vorwissen an
➤ Es kommt stark auf das Vorwissen der Personen an. Jemand, der schon immer IT-affin war und dann über eine Qualifizierung ins IT-Leben starten möchte, hat es leichter als jemand, der die Maßnahme nur aus Gehaltsgründen macht, jedoch keinerlei IT-Berührungen vorher hatte. Ich stelle solche Leute auch grundsätzlich ungern ein, da meine Erfahrung gezeigt hat, dass sie die Probezeit nicht überstehen.
➤ Eher negativ, den Umschülern fehlen teils jegliche Grundlagen für den IT-Beruf. Nicht zwingend aus Sicht der Umschulung, sondern eher schon in der Auswahl, wer für diese Umschulung in Frage kommt.
Es werden teilweise Menschen umgeschult, die keinerlei Affinität für das Thema IT besitzen und sich schon schwer tun, selbst einen PC zu bedienen. Langfristig können diese Personen in der IT keinen Job finden.
Wir hatten die letzten zehn Jahre fünf bis zehn Umschülern die Chance gegeben, ein einziger ist für den Job im Systemhaus geeignet. Und dieser eine war davor schon in unserem Unternehmen angestellt und hat die Umschulung nur gemacht, um eine abgeschlossene Ausbildung in dem Bereich zu haben.
Ohne eine sinnvolle Einschätzung, ob überhaupt eine Eignung für den Job in dem Bereich vorliegt, handelt es sich in meinen Augen nur um Zeit- und Geldverschwendung.
Und zum Abschluss kommen noch zwei aus Maßnahmen zu Wort:
➤ Ich bin seit 25 Jahren in der IT und seit drei Jahren als Dozent für geförderte Umschulungen zum Fachinformatiker sowie Weiterbildungen tätig. Was mir aufgefallen ist, dass es für einen Teil der Umschüler*innen nicht leicht ist, sich von einer Tätigkeit in der Fertigung oder Ähnlichem zu einem ganztägigen Lernen umzustellen. Das hat nicht unbedingt etwas mit Motivation oder der Qualität des Unterrichts zu tun, sondern ist der Umstellung geschuldet. Denn eine wichtige Sache lernen wir in der Schule, von der ersten Klasse bis zur Uni ... immer länger die Konzentration zu halten und dabei zu lernen.
"Manche sind Müll, andere leistungsstark"
➤ Ich melde mich mal hier. Ich war in den letzten Jahren regelmäßig für verschiedene Träger als Trainer tätig. Habe also die Kurse zur Programmierung geleitet und teilweise mit ausgearbeitet.
Die Kurse und Teilnehmer sind sehr unterschiedlich. Manche Träger sind gelinde gesagt Müll, andere selber große Konzerne mit undurchsichtigen Strukturen und Verantwortlichkeiten und wieder andere bringen gute Leistung.
Im Idealfall richtet sich die Qualifizierung oder Umschulung an Menschen mit Bezug zur IT. Oder zumindest einer Affinität. Ein Elektriker mit kaputten Knien kann sich auch in die Fachinformatik der Systemintegration einarbeiten. Ein Naturwissenschaftler, der aus der universitären Forschung will, kann problemlos nach zwei bis drei Programmierkursen auf hohen Niveau arbeiten (viele lernen schon an der Uni nebenbei Programmieren) ... Jemand um die 30, Hauptschulabschluss und ohne Ausbildung, wird wohl kein Anwendungsentwickler nach zwei Jahren Umschulung.
Bei manchen Trägern werden die Leute wild ausgewählt für die Kurse, unabhängig von ihrer Eignung.
Problematischer sehe ich es auch, wenn die Teilnehmer mit Problemen in die Qualifizierung starten. Teilweise starke Sprachschwierigkeiten, ADHS, Legasthenie und Dyskalkulie. Ein bis zwei ließen sich abfangen. Die Teilnehmer könnten sich auch untereinander helfen. Dafür braucht es aber ein breites Leistungsmittelfeld und Talentierte oder Vorverfahrene im Kurs. Wenn die Spitze im Mittelfeld endet und der Kurs an gescheiterte Inklusion und Integration erinnert, ist die Maßnahme vergeudete Zeit.
Im Großen und Ganzen fand ich die Maßnahmen schon positiv. Viele der Teilnehmer sind sehr motiviert und geben sich Mühe. Vor allem die Weiterbildungen sind oft Nachqualifizierungen von Fachkräften. Unter den Umschülern haben viele mit ihrer aktuellen Qualifikation wenig Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Die brauchen eine Qualifizierung und Hilfe, um ihren Weg zu gehen.
Manche Träger sind leider sehr problematisch und versauen den Ruf. Vor allem die Umschüler bekommen das mit.
Persönlich würde ich die kleinen Träger empfehlen. Hier sind die Ansprechpartner greifbar, die Entscheider kennen sich alle und es gibt noch eine gewisse Flexibilität. Bei den größeren Trägern ist alles träge und die Strukturen oft undurchsichtig. Da kann es drei Jahre dauern, bis ein Fehler in einer Folie korrigiert wird – erst abstreiten, danach herausfinden, wer die Folie erstellt hat (die Person ist meistens nicht mehr da), klären, wer verantwortlich ist, den Aufwand abschätzen, Kontingent freistellen und zum Schluss ändert jemand genau eine Folie und bekommt drei Wochen Zeit dafür. Eine saubere Auflistung aller Fehler gibt es nicht, weil niemand sich verantwortlich gefühlt hat, aber es gab so viele Beschwerden, dass jemand drei Wochen dafür brauchen muss. Gelebte Effizienz eines Großunternehmens ...
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