Das meinen Kolleginnen und Arbeitgeber
➤ Wichtigste Voraussetzung für jeden ITler sind Leidenschaft und das vorhandene Fachwissen. Beides kann man in einem Interview und einer kleinen Arbeitsprobe gut validieren.
Dazu können manche Quereinsteiger stabile Persönlichkeiten und Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme als enorme Vorteile in ihre Teams einbringen. Bei Umschulungen ist ein sechsmonatiges unbezahltes Praktikum verpflichtend. In der Zeit kann ein Arbeitgeber sehr genau einschätzen, wie gewinnbringend eine Übernahme wäre.
➤ Wir haben regelmäßig mit Menschen Kontakt, die über 3rd-Party-Betriebe Weiterbildungen absolvieren. Diese suchen meist im 3. Ausbildungsjahr ein Praktikum für ein halbes Jahr.
Man merkt häufig an den Lebensläufen, dass diese Menschen von Maßnahme zu Maßnahme wechseln. Im Gespräch zeigen diese Menschen hohes Interesse und eine hohe Zuverlässigkeit, welche bereits nach den ersten vier Wochen deutlich nachlässt. Häufige Krankheits- oder Abwesenheitstage sind die Folge. Ergänzend brechen vier von fünf Kandidaten innerhalb der ersten drei Monate ab.
Die Mitarbeiter, die Interesse am Thema und eine intrinsische Motivation für die Sache mitbringen, bleiben bei uns, schließen die Ausbildung gut ab und sind im Anschluss wertvolle Mitarbeiter, die sich auch nach der Ausbildung stetig weiterentwickeln und Einsatz zeigen. Meine Position: Teamleiter / Abteilungsleiter IT-Support, Ausbilder.
➤ Liegt meiner Erfahrung weniger an der Ausbildung als am Auszubildenden. Wenn in der IT kein eigenes Interesse besteht, hilft IMHO die beste Ausbildung nicht. Habe in einer Firma gearbeitet, da wurde ein Fachinformatiker Sys Integration ausgebildet. Zwölf Wochen vor der Prüfung fragte ich ihn, ob er denn weiß, was ein DNS ist.
In den Zeilen oben steht seine Antwort. Die Prüfung hat er mit gut bestanden.
"Echtes Fachwissen sieht anders aus"
➤ Kollege mit Umschulung als IT-Systemintegrator. Chat GPT ist sein bester Freund, kaum eine Aufgabe, die er nicht damit löst. Echtes Fachwissen sieht anders aus.
➤ Grottig. Berufsbedingte Vokabeln waren vorhanden, der Inhalt dazu nicht. Die beiden betroffenen Kollegen haben das IT-Umfeld recht schnell verlassen.
➤ Der Quereinsteiger-Kollege hat sich wohl über die Arbeitsagentur aus eigenem Antrieb auf die Umschulungsmaßnahme beworben. Erzählt hat er uns mal, dass der Alltag an der "Schule" dann geprägt war von unmotivierten Lehrkräften, Unterrichtsausfall und Rumsitzen. Entsprechend qualitativ hochwertig war die Maßnahme dann.
Das eigentliche Problem ist aber, dass der Markt überhaupt keine (egal wie qualifizierte) Umschüler braucht, sondern Fachkräfte. Die Agentur für Arbeit zahlt ja keinen Cisco-Architect o. ä. Man bekommt also ungefähr das Niveau eines mittelmäßigen Berufseinsteigers nach der Ausbildung ohne spezielle Qualifikation.
Hätte man die Person selbst inhouse ausgebildet, hätte dies zwar auch Ressourcen gekostet, man hätte aber jemanden, der direkt mit den Prozessen vertraut ist, den Kundenstamm und das Arbeitsumfeld kennt und in den/die man gern das Geld für Zusatzqualifikationen investiert, weil man eben auch weiß, wo dessen Kompetenzen liegen.
Nicht mehr als die Basics
➤ Man sollte berücksichtigen, dass Personen, die an einer Weiterbildung teilnehmen, oft die praktische Erfahrung fehlt, da der direkte Praxisbezug in solchen Maßnahmen in der Regel nicht gegeben ist.
➤ Sie bekommen leider oft nur die minimalen Basics vermittelt, aber es wird so getan, da sie danach sofort durchstarten und gutes Geld verdienen können. Dabei ist gerade mal der Grundstock gelegt, auf dem man aufbauen kann. Da gibt es eine Diskrepanz zwischen Erwartungen und Realität. Es ist gut, aber es sollte nicht suggeriert werden, dass man danach der High Flyer ist.
➤ Katastrophal. Vor allem IT-Sicherheit-"Experten"-Schulen. Kein Grundlagenwissen, reines Lernen in sechs Monaten auf Zertifikate. Sollte dringend gestoppt werden.
➤ Wir haben einen Quereinsteiger mit einer 24-monatigen Umschulung bei uns. Ihm fehlen grundlegende Basics, und wenn ich Basics sage, dann meine ich unter anderem, den Unterschied zwischen einem USB-B-Port und einem RJ45-Port zu kennen.
➤ Ich sehe bei Quereinsteigern selbst nach Jahren in der Branche fast immer folgende zwei Probleme:
1. Ihnen fehlt das Mindset, wie u. a. bei SysEng, dass Stabilität vor Neuerungen kommt, oder die Herangehensweise an Probleme. Sie versuchen es auch häufig, den Nutzern jeden noch so kleinen Wunsch zu erfüllen und sehen nicht die Folgen bzw. den Rattenschwanz, den das mit sich bringt. 2. Ihnen fehlt das in der Jugend selbst erlernte Grundwissen und die Faszination für die Technik. So habe ich schon ADs mit eigenen TLDs (local.$Firma) gesehen, CIDR ist grundsätzlich unbekannt und Virenscanner werden als Allheilmittel vor regelmäßigen Updates gestellt. Auch fehlt die Neugier an neuer Technik oder die Freude, aus einem Problem etwas Neues gelernt zu haben.
➤ Zu oberflächlich qualifiziert. Kaum für den beruflichen Alltag vorbereitet.
➤ Kurze Einordnung: Die Perspektive der Praktikumsbetriebe fehlt hier leider oft. Ich möchte deshalb einmal unsere Erfahrungen teilen.
Wir sind eine größere Einrichtung des öffentlichen Dienstes in einer strukturschwachen Region Deutschlands. Jährlich bilden wir rund zehn Auszubildende in drei Lehrjahren zum/zur Fachinformatiker/in aus. In unserer Region sind die Möglichkeiten für qualifizierte IT-Talente begrenzt, weshalb wir besonders auf engagierte Bewerber angewiesen sind.
Regelmäßig erreichen uns Anfragen von Schülern über einschlägige Bildungsträger für ein halbjähriges Praktikum, teilweise auch im Rahmen von Projekten für den IHK-Abschluss. Bis 2020 haben wir pro Jahr mindestens einen Praktikanten aus diesen Programmen eingestellt. Inhaltlich haben wir keine Probleme mit den Bildungsträgern. Wir nutzen Nachhilfeangebote der Träger, um Ausfälle in der Berufsschule auszugleichen. Entscheidend ist jedoch die Eigeninitiative der Teilnehmer, was sich bereits in der sehr unterschiedlichen Qualität der Bewerbungen zeigt.
Einige Bewerbungen sind gut nachvollziehbar und passen klar zum angestrebten Berufsbild. Andere erwecken den Eindruck, dass die einzige Voraussetzung für die Maßnahme darin besteht, einen Computer zu besitzen. Leider entspricht seit 2020 fast jede Bewerbung diesem zweiten Muster.
Unsere Erfahrungen mit diesen Bewerbern bestätigen leider oft das Klischee: Manche erschienen gar nicht, obwohl sie zuvor mehrfach zugesagt hatten. Andere zeigten wenig Motivation oder waren schlicht für IT-Aufgaben ungeeignet. Für uns als Ausbilder ist es herausfordernd, die Praktikumszeit sinnvoll zu gestalten, wenn grundlegende Motivation oder Vorwissen fehlt.
Im Gegensatz dazu konnten einige der besonders engagierten und talentierten Kandidaten später eine feste Anstellung bei uns erhalten. Diese Top-Kandidaten zeigten von Anfang an Begeisterung, brachten eigene Ideen ein und lernten schnell dazu.
Unser Fazit: Aus unserer Sicht nehmen viel zu viele Teilnehmer an diesen Maßnahmen teil, die dort eigentlich nicht hingehören. Gleichzeitig bieten die Programme für motivierte und geeignete Bewerber jedoch eine wertvolle Einstiegsmöglichkeit in die IT und können für beide Seiten, Praktikant und Betrieb, erfolgreich sein.
Mittlerweile sind wir dazu übergegangen, Personen direkt auszubilden, die einen beruflichen Neustart wagen, ohne den Umweg über einen Bildungsträger. Diese Kandidaten sind von Anfang an hochmotiviert und haben sich intensiv mit dem Berufsfeld auseinandergesetzt, was die Ausbildung erheblich erfolgreicher und produktiver macht.
Es kommt auf das Vorwissen an
➤ Es kommt stark auf das Vorwissen der Personen an. Jemand, der schon immer IT-affin war und dann über eine Qualifizierung ins IT-Leben starten möchte, hat es leichter als jemand, der die Maßnahme nur aus Gehaltsgründen macht, jedoch keinerlei IT-Berührungen vorher hatte. Ich stelle solche Leute auch grundsätzlich ungern ein, da meine Erfahrung gezeigt hat, dass sie die Probezeit nicht überstehen.
➤ Eher negativ, den Umschülern fehlen teils jegliche Grundlagen für den IT-Beruf. Nicht zwingend aus Sicht der Umschulung, sondern eher schon in der Auswahl, wer für diese Umschulung in Frage kommt.
Es werden teilweise Menschen umgeschult, die keinerlei Affinität für das Thema IT besitzen und sich schon schwer tun, selbst einen PC zu bedienen. Langfristig können diese Personen in der IT keinen Job finden.
Wir hatten die letzten zehn Jahre fünf bis zehn Umschülern die Chance gegeben, ein einziger ist für den Job im Systemhaus geeignet. Und dieser eine war davor schon in unserem Unternehmen angestellt und hat die Umschulung nur gemacht, um eine abgeschlossene Ausbildung in dem Bereich zu haben.
Ohne eine sinnvolle Einschätzung, ob überhaupt eine Eignung für den Job in dem Bereich vorliegt, handelt es sich in meinen Augen nur um Zeit- und Geldverschwendung.



