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Das Tempo ist hoch und es gibt enorm viel zu lernen

➤ Ich habe eine Umschulung zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung erfolgreich abgeschlossen. Für viele ist der Prozess reines Roulette. Die wichtigste Hürde ist bereits die Auswahl des Bildungsträgers. Die Träger erhalten von der Arbeitsagentur monatlich Geld pro Umschüler. Bei diesen Anreizen gibt es viele Träger, die jeden durchschleifen. Die Qualität des Wissens hängt von den – häufig freiberuflichen – Lehrern ab. Gute Dozenten sind Mangelware und daher auch begehrt. Schlechte Träger haben häufig wechselnde Dozenten.

Ich habe bei meiner Auswahl meines Trägers u. a. auch auf die Bewertungen der Freiberufler in puncto ihrer Vergütung geachtet.

Ich bin parallel mit zwei Studenten aus dem Praktikum in einem kleinen Unternehmen mit flachen Strukturen übernommen worden und hatte an den Akademikern einen guten Vergleich, dass die Ausbildung für den Einstieg auf Junior-Level große praktische Vorteile bietet. Noch wichtiger waren allerdings die Leidenschaft für die IT und die Lust auf die Arbeit. Egal wie man als ITler einsteigt: Das Tempo ist hoch und es gibt enorm viel zu lernen. Es hat Vorteile, wenn man darauf Bock hat.

Drei Jahre sind seitdem vergangen und ich leite jetzt mein eigenes kleines Team. Für mich hat es sich gelohnt. Abschließend sei noch erwähnt, dass mein Sachbearbeiter bei der Agentur fantastisch war. Er kannte sich gut im IT-Arbeitsmarkt aus und hat für mich viele Hebel kurzfristig in Bewegung gesetzt. Dank ihm konnte ich ein halbes Jahr schneller starten und damit auch Geld verdienen.

➤ Ich habe eine einjährige Weiterbildung zum Cyber-Security-Experten gemacht und dabei viele CompTIA-Zertifikate bekommen (A+, Network+, Linux+, Security+, Pentest+ und die stackable Zertifikate CIOS, CLNP, CSIS, CNVP, CSSS und einen Abschluss als Cyber Security Advisor (IHK) ).

So viel zur Theorie.

Praktisch gesehen bringt das nicht viel, weil auf dem Stellenmarkt Leute mit Erfahrung gesucht werden. Ich hatte direkt nach der Weiterbildung einen Job als Cyber Security Analyst und Pentester bekommen, wurde aber nach sechs Wochen gekündigt, weil sie einen Mitarbeiter mit mehr Erfahrung gesucht hatten. Die Zertifikate sind eher Blendwerk (so mein Eindruck/Erfahrung).

"Bis heute immer wieder überfordert"

➤ Ich habe eine 14-monatige Weiterbildung in der WE-Entwicklung durchlaufen. Ich habe zwar direkt im Anschluss an ein Praktikum einen Job gefunden. Wurde aber nach zwei Jahren gekündigt. Daraufhin habe ich erneut einen Job gefunden. Bis heute fühle ich mich jedoch mit den aufkommenden Themen immer wieder überfordert.

➤ Fit wie ein Turnschuh. Aber nicht dank der Umschulung, sondern dank Eigeninteresse und Verwandtschaft, die den Job 15 Jahre ausübt. In Umschulungen sitzen nur drei bis vier Gruppen: Geldgierige, Denken-leichtes-Leben, Unwissenheit² und ich. Folglich können Sie sich selbst Zahlen ausdenken, wie produktiv die anteilige Anteilnahme an der Umschulung war. 45 von 60 kannste in die Tonne werfen.

➤ Die sechsmonatige Weiterbildung hat mir nichts gebracht. Man erhält fünf Expertentitel, aber mich mit denen zu bewerben, würde ich mich schämen. Themen werden nur leicht oberflächlich angekratzt. Da kann man sich nicht direkt Experte nennen. 8.000 bis 9.000 Euro hat es das Amt gekostet ... für nichts.

➤ 2020 absolvierte ich drei Kurse eines Data Scientist/Engineer-Programms. Zwei weitere wurden mir angerechnet – Python durch eine frühere Schulung, Statistik durch mein Studium. Eine echte Prüfung der Vorkenntnisse fand nicht statt und mir fehlten einige Basics. Dank Erfahrung mit anderen Programmiersprachen kam ich gut zurecht, obwohl das Lerntempo wegen überforderter Teilnehmer sehr langsam war.

Trotz Wissenslücken gehörte ich mit 98 bis 100 Punkten zu den Besten. Auffällig: Auch Teilnehmer mit kaum Grundlagen erhielten über 80 Punkte. Meine Betreuerin bei der Arbeitsagentur sah darin kein Problem – ich hätte ja mein Zertifikat.

Drei Monate später begann ich als Data Engineer. Der Einstieg war hart: Git, Softwarearchitektur, Python, SQL, Spark, agile Methoden – vieles musste ich mir mühsam erarbeiten. Ich arbeitete über 55 Stunden pro Woche, bis mir ein erfahrener Mentor half. Nach einem Jahr konnte ich echten Mehrwert liefern.

➤ Ich komme aus dem Marketing (bin also nicht vollkommen IT-fremd) und habe bei der Agentur eine sechsmonatige Umschulung zum Data Scientist beantragt.
Obwohl ich vorher verschiedene Bildungsträger verglichen hatte, stieß ich bei meiner Sachbearbeiterin auf taube Ohren. In diesem Bereich hätte ich keine Chance, weil der IT-Markt bereits viel zu überlaufen sei, die Agentur nur schlechte Erfahrungen mit der Job-Vermittlung gemacht hätte etc. etc.

Dass einem diese Weiterbildungen hinterhergeschmissen werden, kann ich daher nicht bestätigen. Alternativen kann mir die Agentur auch keine nennen. Wahrscheinlich wieder bei jeder Dienststelle und bei jedem Sachbearbeiter anders.

"Viele Inhalte waren unpräzise, verwirrend oder gar falsch"

➤ Um mir nach einer längeren Pause den Wiedereinstieg in die Softwareentwicklung zu erleichtern, vereinbarte ich mit der Arbeitsagentur eine vierwöchige Online-Fortbildung zum Thema Scrum ... die ich dann in der zweiten Woche abgebrochen habe.

Dort wurden die Inhalte von zwei bis drei Seminartagen auf vier Wochen breitgewalzt, vermutlich, um eine hohe Erfolgsquote bei der Prüfung zu erreichen. Viele Inhalte waren unpräzise, verwirrend oder gar falsch, und ich glaube nicht, dass jemand, der diese Fortbildung durchlief, unbedingt danach kompetent mit agiler Entwicklung umgehen kann.

Ich vermute, es gibt da eine ganze Menge Fortbildungsanbieter, die genau wissen, wie sie die Agentur melken können. Die Agentur fällt leider drauf rein, und die wirklich guten Anbieter werden von der Agentur nicht unterstützt.


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