IT-Unternehmer ausgeliefert: Kreml-Insider könnte Infos zu Clinton-Hack liefern

Die Schweiz hat einen russischen IT-Unternehmer in die USA ausgeliefert. Die US-Behörden erhoffen sich Informationen über Geheimdienstaktivitäten.

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Der Angriff auf den Wahlkampf von Hillary Clinton beschäftigt immer noch die US-Justiz.
Der Angriff auf den Wahlkampf von Hillary Clinton beschäftigt immer noch die US-Justiz. (Bild: Yuri Gripas/Reuters)

US-Ermittler erhoffen sich vom russischen IT-Unternehmer Wladislaw Kljuschin Insiderinformationen über die angebliche Manipulation der US-Präsidentschaftswahlen 2016. Das berichtet der Wirtschaftsdienst Bloomberg unter Berufung auf mehrere Personen, die mit russischen Geheimdienstaktivitäten vertraut sein sollen. Kljuschin war am 20. Dezember 2021 von der Schweiz in die USA ausgeliefert worden.

Die US-Justiz wirft ihm Insiderhandel unter Ausnutzung von Informationen vor, die er durch das Hacken von US-Firmen erlangt haben soll, über die börsennotierte Unternehmen vorab ihre Quartalsberichte einreichen können. Damit soll er 82,5 Millionen US-Dollar an Spekulationsgewinnen erzielt haben. Kljuschin wird zusammen mit drei weiteren Russen angeklagt, die ebenfalls für die Moskauer IT-Sicherheitsfirma M-13 gearbeitet haben sollen.

Angebliche Dokumente zu Clinton-Hack

Laut Bloomberg handelt es sich bei Kljuschin um den höchstrangigen Kreml-Insider, der in jüngster Zeit in US-Gewahrsam gelangte. Unter Berufung auf Personen in Moskau, die der russischen Regierung und den Geheimdiensten nahe stünden, heißt es weiter, dass Kljuschin nach Einschätzung des russischen Geheimdienstes über Dokumente verfüge, die im Zusammenhang mit dem Angriff auf die E-Mail-Server und Computernetzwerke der Demokratischen Partei aus dem Jahr 2016 stehen sollen.

Diese Dokumente belegten, dass der Angriff von einem Team des russischen Militärgeheimdienstes GRU geleitet wurde, das "Fancy Bear" oder APT28 genannt wird. Die Unterlagen könnten den USA erstmals detaillierte dokumentarische Beweise für das Hacking liefern. Durch die Veröffentlichung der E-Mails auf dem Portal Wikileaks sollten offenbar die Chancen der demokratischen Kandidatin Hillary Clinton verringert werden.

Die US-Justiz hatte im Juli 2018 zwölf russische Agenten wegen des Hacks angeklagt. Einer von ihnen, Iwan Jermakow, soll inzwischen Mitarbeiter von M-13 sein und ist nun ebenso wie Kljuschin wegen Insiderhandels angeklagt. Allerdings befindet er sich auf freiem Fuß.

Festnahme im Ski-Urlaub

Der Auslieferung Kljuschins ging ein monatelanges juristisches Tauziehen zwischen den USA und Russland voraus. Der 41-Jährige war im März 2021 festgenommen worden, nachdem er mit seiner Familie zu einem Skiurlaub im schweizerischen Sitten gelandet war. Erst einen Tag zuvor hatten die USA einen internationalen Haftbefehl bei den Schweizer Behörden hinterlegt.

Der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) zufolge geht aus dem Auslieferungsantrag hervor, dass der IT-Spezialist mit der Abteilung 26165 des GRU zusammengearbeitet hat, die für einen Angriff auf die Dopingbehörde Wada im Jahr 2016 verantwortlich gemacht wird.

Der Auslieferungsantrag basiere jedoch nur auf dem Vorwurf des Insiderhandels. Deshalb könne Kljuschin im Prinzip nur wegen dieses Delikts in den USA juristisch belangt werden. Allerdings könne die US-Justiz nachträglich von der Schweiz eine Bewilligung für weitere Delikte einzuholen.

Russischer Antrag abgelehnt

Um Kljuschin vor einer Auslieferung in die USA zu schützen, stellte Russland im April 2021 selbst ein Auslieferungsgesuch an die Schweiz. Diese wurde laut NZZ jedoch abgelehnt, weil das geltend gemachte Delikt in der Schweiz nicht strafbar sein soll. Nach Angaben von Bloomberg soll Russland anschließend vergeblich versucht haben, Kljuschin gegen die Freilassung zweier inhaftierter US-Soldaten auszutauschen.

Gegen die Auslieferungsentscheidung des Schweizer Bundesgerichts hätten seine Anwälte noch eine Petition beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) einlegen können. Doch das entsprechende Schreiben sei verspätet in Straßburg eingetroffen. Es wird spekuliert, dass Kljuschin selbst darauf gedrängt haben könnte, in die USA gebracht zu werden.

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