Für Springer ist Presserecht zweitrangig

Heydens Haltung zu China ist tatsächlich staatstreu, auch wenn sie selbst Golem.de sagte, ihr "Ziel ist es auch nicht, China zu verteidigen oder Propaganda zu verbreiten". Dennoch bleiben Fragen zur Qualität eines Artikels, dem einige Aussagen untersagt wurden, offen. Wussten die Veranstalter des Deutschen Journalistenpreises und die Jury von den presserechtlichen Problemen des Artikels, als sie sich zur Auszeichnung entschlossen haben? Der Jury für die Kategorie IT und Kommunikation gehören bekannte Vertreter des Journalismus an wie beispielsweise die Chefredakteure des Handelsblatts und der Rheinischen Post, die Geschäftsführerin des Manager Magazins und der journalistische Direktor einer Journalistenschule.

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Golem.de liegen Hinweise vor, dass zumindest die Ausrichter des Deutschen Journalistenpreises von den rechtlichen Problemen des Artikels gewusst haben dürften. Einige Wochen vor der Preisvergabe wurden die nominierten Artikel zum Download als PDF bereitgestellt. Eine Woche vor der Preisverleihung konnte noch das PDF des ursprünglichen Print-Artikels aus der Welt am Sonntag vom Juni heruntergeladen werden - inklusive der presserechtlich zwischenzeitlich verbotenen Passagen. Mittlerweile ist eine Online-Version des Artikels vom 28. September, also zwei Tage vor der Preisverleihung, zum Download bereitgestellt, die die untersagten Passagen nicht mehr enthält.

Auf eine Anfrage von Golem.de teilten die Ausrichter des Deutschen Journalistenpreises mit, dass der Artikel auf Veranlassung einer Vertreterin des ausgezeichneten Autorenteams der Welt am Sonntag ausgetauscht worden sei. Mit ihr seien auch die presserechtlichen Fragen zu klären. Der Sprecher des Deutschen Journalistenpreises sagte: "Eine Befassung der Jury mit dem Vorgang war nicht angezeigt, da nach Angaben [der Vertreterin des Autorenteams] die entfernten Passagen marginale Inhalte betreffen." Hier verließ man sich also auf die Versicherung des Verfasserteams. Die Frage von Golem.de, ob ein Artikel, der presserechtliche Standards verletze, mit dem Deutschen Journalistenpreis ausgezeichnet werden könne und ob eine Überprüfung der Preisvergabe vorzunehmen sei, ließen die Ausrichter des Deutschen Journalistenpreises unbeantwortet.

Ein Axel-Springer-Sprecher bestritt auf unsere Anfrage, dass der Artikel presserechtliche Standards verletze. Zu laufenden rechtlichen Verfahren könne man sich grundsätzlich nicht äußern. Immerhin verneinte der Verlag die Frage, ob aus Sicht des Axel-Springer-Verlags ganz prinzipiell ein Artikel, der gegen presserechtliche Standards verstoße, mit einem Journalistenpreis ausgezeichnet werden könne.

Was steht im Presserecht?

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Die nun auf der Webseite des Deutschen Journalistenpreis bereitgestellte Online-Version des Artikels vom 28. September wiederum scheint gegen den Pressekodex des Deutschen Presserats zu verstoßen. Dort heißt es im Artikel 3 "Richtigstellung", auch und gerade in Bezug auf Behauptungen personenbezogener Art, um die es bei der jungen Influencerin Navina Heyden im vorliegenden Fall geht: "Für den Leser muss erkennbar sein, dass die vorangegangene Meldung ganz oder zum Teil unrichtig war. Deshalb nimmt eine Richtigstellung bei der Wiedergabe des korrekten Sachverhalts auf die vorangegangene Falschmeldung Bezug. Der wahre Sachverhalt wird geschildert, auch dann, wenn der Irrtum bereits in anderer Weise in der Öffentlichkeit eingestanden worden ist."

In der Onlineversion des Artikels vom 28. September sind die untersagten Passagen zwar gelöscht, ein Hinweis darauf, dass der ursprünglich veröffentlichte Artikel verändert, Passagen aus presserechtlichen Gründen gelöscht werden mussten oder gar eine Entschuldigung an die Geschädigte erfolgt ist, finden sich jedoch nicht.

Der Welt-Artikel und der traditionell US-freundliche Springer-Konzern pflegen ein einfaches Weltbild: Man prangert an, dass beim chinesischen Staatsfernsehen journalistische Mindeststandards nicht eingehalten werden - und zeigt dabei selbst keine Sorgfalt und Transparenz.

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 IT und Kommunikation: Umstrittener Springer-Artikel erhält Journalistenpreis
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Trollversteher 06. Okt 2021

Solange die "Welt" keine andere Erklärung/handfeste Belege für die Vorwürfe vorbringt...

Dwalinn 06. Okt 2021

Ich persönlich habe kein schlechtes Gewissen bestimmte moralische Punkte anderen...

Renricom 05. Okt 2021

Genau darauf wollte ich hinaus. Die Frau verbreitet selbst munter frei erfundene...

Kein Kostverächter 05. Okt 2021

Der Artikel kam ja in der Welt, dem journalistischen Feigenblatt des Springer-Verlags.



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