IT und Energiewende: Intelligenztest für Stromnetze und Politik

Wie viel IT braucht die Energiewende? Für die Entwicklung eines intelligenten Stromnetzes fehlt es weiterhin an technischen Standards. Ohnehin wollen die Netzbetreiber nicht mehr jeden Haushalt mit einem "Smart Meter" ausstatten.

Artikel von veröffentlicht am
Das erste in Deutschland zugelassene Smart Meter der Firma Görlitz
Das erste in Deutschland zugelassene Smart Meter der Firma Görlitz (Bild: Goerlitz.com)

Die Energiewende ist das wohl wichtigste industriepolitische Projekt der Bundesregierung in den kommenden Jahren. Unstrittig ist dabei, dass der Ausstieg aus der Kohle- und Atomenergie und der Umstieg auf die erneuerbaren Energien nur mit dem Einsatz von moderner Informationstechnik ermöglicht werden kann. Doch welche IT-Systeme sind dafür erforderlich? Und wer wird dazu verpflichtet, sie einzusetzen? Noch in diesem Jahr sollen die Weichen für den Ausbau "intelligenter Stromnetze" gestellt werden. Möglicherweise wird deren Intelligenzquotient doch nicht so hoch, wie es technisch möglich wäre.

Inhalt:
  1. IT und Energiewende: Intelligenztest für Stromnetze und Politik
  2. Keine Verbindung zwischen Smart Grid und Smart Home
  3. Technische Welten 'absolut getrennt'

Erste Tendenzen für den Aufbau des sogenannten Smart Grid zeichnen sich bereits ab. Eine umfangreiche Kosten-Nutzen-Analyse machte im vergangenen Jahr deutlich, dass die komplette Ausstattung aller deutschen Haushalte mit den sogenannten intelligenten Messsystemen (iMSys) mit sehr hohen Ausgaben verbunden wäre, ohne dass die meisten Verbraucher davon profitieren könnten. Aus einer aktuellen Studie der Deutschen Energieagentur (Dena) geht hervor, dass mit Hilfe der Informationstechnik ein zentrales Problem der Energiewende gelöst werden könnte, ohne sämtliche Haushalte mit den teuren Messsystemen zu beglücken. Das Kernproblem lautet dabei: Wie lässt sich das unstetige Angebot von Wind- und Sonnenenergie so mit der Nachfrage verbinden, dass die Netze stabil bleiben und eine unterbrechungsfreie Versorgung gewährleistet werden kann?

Lastverschiebung noch nicht realisierbar

Als wichtiges Element der intelligenten Stromnetze erschien bislang die Möglichkeit, auch bestimmte Haushaltsgeräte durch Netzbetreiber und Energieversorger einschalten zu können. Das heißt, Waschmaschinen, Trockner oder Geschirrspüler starten dann ihre Programme, wenn viel Energie im Netz verfügbar ist. Die Anschaffung dieser Smart-Grid-fähigen Geräte sollte den Verbrauchern mit variablen Stromtarifen schmackhaft gemacht werden. Eine solche Lastverschiebung könnte den Netzbetreibern helfen, Angebotsspitzen aufzufangen. Soweit die Theorie.

In der Praxis scheitert deren Einsatz bislang an mehreren Faktoren. Zum einen gibt es erst seit kurzem überhaupt intelligente Messsysteme für eine bidirektionale Kommunikation, Smart Meter Gateways genannt, die den strengen Vorgaben des Datenschutzes entsprechen und damit in der Praxis getestet werden könnten. Zum anderen existieren bislang keinerlei Standards, die eine Kombination von Smart Metern mit Smart-Grid-fähigen Geräten regeln könnten. Zu guter Letzt bieten die Stromversorger derzeit noch keine variablen Tarife an, um die Verbraucher in das smarte Stromnetz zu locken.

Ernüchternd das Resümee einer Studie vom April 2013, die einen Mannheimer Feldversuch für ein intelligentes Stromnetz (moma) ausgewertet hat: "Eine automatische Steuerung der Haushaltsgeräte war ein Teilziel in moma. Eine volle Integration dieser Funktion in die Haushaltsgeräte war aber mangels standardisierter technischer Lösungen nicht machbar." Zwar wurde eine Lösung mittels Schaltboxen und "Energiebutler" entwickelt, doch empfanden viele Teilnehmer diese als zu kompliziert. Fazit: "Aus diesen Gründen wurde diese Steuerung von nur wenigen Teilnehmern eingesetzt und sie steuerten ihre stromverbrauchenden Geräte überwiegend manuell."

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Keine Verbindung zwischen Smart Grid und Smart Home 
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plutoniumsulfat 20. Aug 2014

Waschmaschine klappt wegen nasser Wäsche ebenso wenig. Das einzige, was mir so gerade...

sedremier 20. Aug 2014

Halte ich für ein Gerücht. Die beste Form wäre eine komplett dezentrale, lokale...

photoliner 20. Aug 2014

Nicht unbedingt. Als die ersten Solarpanele auf den Markt kamen, waren die noch so...

plutoniumsulfat 19. Aug 2014

wenn irgendetwas angeglichen wird, dann doch immer auf das höhere Niveau. Gab's doch...



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