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Wie sicher sind die 'Spionagezähler' im Keller?

Lässt sich mit intelligenten Messsystemen Strom sparen?

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Der Energiespareffekt hält sich durch intelligente Messsysteme in Grenzen. Allerdings verbrauchen mechanische Ferraris-Zähler rund sechs Watt bei drei Phasen, während elektronische Zähler nur ein Drittel oder noch weniger benötigen. Selbst in Verbindung mit einem intelligenten Messsystem läge der Verbrauch noch unter dem eines Ferraris-Zählers. Eine Mannheimer Pilotstudie hat unter anderem gezeigt, dass sich der geringe Mehrverbrauch durch die Steuerungssysteme mit geringfügigen Einsparungen "etwa die Waage gehalten" hat. Allerdings würde sich allein durch den bundesweiten Austausch der Ferraris-Zähler durch elektronische Zähler eine Einsparung von rund 900 Gigawattstunden jährlich ergeben.

Wie genau lässt sich der Stromverbrauch überwachen?

Verfechter eines extremen Datenschutzes warnen vor den "Spionagezählern im Keller" und befürchten, dass sich mit den genauen Verbrauchsdaten sogar das Fernsehprogramm der Haushalte ermitteln lässt. Solche Bedenken sind allerdings nicht berechtigt. Zum einen sollen bei Haushalten, die weniger als 10.000 kWh im Jahr verbrauchen, die Daten wie bisher nur einmal im Jahr abgelesen werden. Bei größeren Verbrauchern oder Kunden mit variablen Stromtarifen ist eine viertelstündliche Ablesung geplant. Damit lassen sich nicht das Fernsehprogramm oder sonstige detaillierte Nutzungen ablesen. Das wäre nur bei einer sekündlichen Ablesung möglich, wozu das Smart Meter Gateway aber gehackt werden müsste.

Wer erhält die Daten der Verbraucher?

Der Gesetzentwurf sieht in den Paragrafen 66 und 67 des Messstellenbetriebsgesetzes eine Aufgabenverteilung zwischen den vier großen Übertragungsnetzbetreibern (ÜNB) und den Stromversorgern vor. Demnach sollen die ÜNB wie Tennet, Amprion, 50Hertz und TransnetBW die Daten der intelligenten Messsysteme "vorverdichten", während die Verteilnetzbetreiber wie gehabt die Daten der herkömmlichen Zähler (Ferraris-Zähler) und elektronischen Zähler aggregieren sollen. Allerdings sollen auch größere Stadtwerke mit mehr als 100.000 Kunden die Daten der intelligenten Messsysteme jede Viertelstunde erhalten.

Wie sicher ist die Datenübertragung?

Das BSI hat die Sicherheitsanforderungen sehr hoch gesetzt, um beispielsweise Man-in-the-Middle-Angriffe bei der Datenübertragung zwischen Gateway und Messstellenbetreiber zu verhindern. So müssen die Gateways stets verschlüsselt über verschiedene Schnittstellen mit angeschlossenen Zählern, dem Kunden, dem Administrator und sogenannten externen Marktteilnehmern (EMT) wie Netzbetreibern kommunizieren. Eine weitere Richtlinie (TR-03116-3) schreibt dazu das TLS-Protokoll zwingend vor. Zudem darf das Gateway keine TLS-Verbindungen akzeptieren, die von Teilnehmern aus dem externen Netz initiiert werden. Lediglich der Administrator kann über einen Wake-up-Dienst eine Verbindung zum Messsystem aufbauen.

  • Der Rollout der intelligenten Messsysteme soll bei kleineren Verbrauchern erst 2020 beginnen. (Quelle: Bundeswirtschaftsministerium)
  • Das Smart Meter Gateway ist das zentrale Kommunikationsmodul zwischen Kunden und Verbrauchern. (Quelle: Dr. Neuhaus)
  • Inzwischen bieten verschiedene Hersteller wie Dr. Neuhaus zugelassene Gateways an. (Foto: Dr. Neuhaus)
  • Auch Landis +Gyr ist mit einem Gateway auf dem Markt. (Foto: Landis +Gyr)
  • An die Smart Meter Gateways lassen sich mehrere elektronische Zähler anschließen. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
Das Smart Meter Gateway ist das zentrale Kommunikationsmodul zwischen Kunden und Verbrauchern. (Quelle: Dr. Neuhaus)

Um eine manipulierte Firmware aufzuspielen, müsste den Anforderungen zufolge der Administrator-Zugang gehackt werden. Einfacher könnte es hingegen für Unbefugte sein, lediglich an die gesetzlich erlaubten Ablesedaten zu gelangen. Experten haben dazu bereits das Home Area Network (HAN) als Schwachstelle ausgemacht. Über dieses können externe Marktteilnehmer sowie die Verbraucher selbst über externe Anzeigeeinheiten mit dem Gateway verbunden werden. Das heißt, ein manipuliertes externes HAN-System könnte die Zählerdaten auslesen und an einen Rechner im Internet übermitteln.

Diese Gefahr besteht auch dann, wenn die Ableseinformationen nicht über eine lokale Schnittstelle, sondern über das Internet dem Verbraucher zur Verfügung gestellt werden. Laut Paragraf 61 des geplanten Gesetzes ist der Messstellenbetreiber verpflichtet, bei Vorhandensein eines Smart Meter Gateways dem Kunden jederzeit seine Verbrauchsdaten zur Verfügung zu stellen. Wenn eine direkte Kommunikation mit dem Verbraucher nicht möglich ist, kann dies auch über eine "Anwendung in einem Online-Portal" geschehen. Allerdings nur mit Einwilligung des Verbrauchers. Wie das Hacking von Bankkonten zeigt, dürften sich Kriminelle auch den Zugang zu diesen Portalen verschaffen können.

Warum werden intelligente Messgeräte verpflichtend?

Hintergrund der Pläne ist eine EU-Richtlinie zur Energieeffizienz. Demnach sind "mindestens 80 Prozent der Verbraucher bis 2020 mit intelligenten Verbrauchserfassungssystemen auszustatten, wenn die Einführung intelligenter Zähler als kostenwirksam angesehen wird". Diese Formulierung ist in sich etwas widersprüchlich, da die Einführung intelligenter Messsysteme von der Kostenwirksamkeit intelligenter Stromzähler abhängen soll. Die Bundesregierung hat die Richtlinie nun so ausgelegt, dass die intelligenten Messsysteme für die meisten Verbraucher nicht kostenwirksam sind und daher das Ausbauziel von 80 Prozent nicht erfüllt werden muss.

Nachtrag vom 23. Juni 2016, 12:28 Uhr

Wer kommt für mögliche Zusatzkosten auf?

Den Stromversorgern ist es in letzter Minute noch gelungen, die Verantwortung für mögliche Zusatzkosten beim Umbau des Messplatzes aus dem Gesetz zu streichen. So könnte es erforderlich sein, einen neuen Zählerschrank im Keller einzubauen, wenn im vorhandenen Schrank zu wenig Platz dafür ist. Für Solaranlagenbesitzer sollen nach Ansicht von Branchenexperten noch die Kosten für eine Steuerbox hinzukommen. Das könnte sich auf bis 1.000 Euro pro Anlage summieren. Diese muss nun der Anschlussnehmer zahlen und nicht mehr der Messstellenbetreiber.

Die Änderung bedeutet nach Ansicht der Verbraucherschützer, "dass Verbraucher letztlich nicht nur die Kosten für den Smart Meter selbst, sondern auch für mögliche Installationsarbeiten tragen müssen. Entweder zahlen sie direkt, oder die Kosten werden indirekt über den Vermieter weitergegeben. Das Ergebnis ist dasselbe: Verbraucher werden zusätzlich belastet."

 IT und Energiewende: Fragen und Antworten zu intelligenten Stromzählern
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Layer8.kr 04. Jul 2016

zB mit einen ESP8266 http://www.mikrocontroller.net/articles/ESP8266

deinkeks 04. Jul 2016

Aber bitte nur als Elektrofachkraft, sonst kann das sehr ungesund werden! Es gibt auch...

bentol 30. Jun 2016

die Herstellung von den Zellen der Umwelt mehr Seite 41 beweist nichts. Energiebilanz...

dreizopf 29. Jun 2016

Ein erschreckendes Buch. Habe es dieser Tage gelesen und bin bei einem Zeitungsartikel...

digitalkeeper 28. Jun 2016

Gar nix! Nur Datensammelwut, und höhere Kosten. Mal abgesehen davon, das gar nicht Sicher...


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