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IT-Berater Sören Schindler (links) und Job-Coach Jürgen Ferner
IT-Berater Sören Schindler (links) und Job-Coach Jürgen Ferner (Bild: Julia Ley)

Ständig zu viele Informationen

Mediziner beschreiben Asperger als eine Störung der sozialen Informations- und Wahrnehmungsverarbeitung. Wer Asperger hat, der kommuniziert vor allem informationsbezogen: Es geht darum, was gesagt wird, nicht wie. Anspielungen, Subtext und Ironie verstehen viele Asperger-Betroffene nicht. Es fällt ihnen schwer, komplexe Emotionen zu deuten, die über Wut oder Freude hinausgehen. Deshalb reagieren die Betroffenen in manchen Situationen unangemessen. Ihr Verhalten kann unhöflich oder gar gefühlskalt wirken, doch gerade das sind Asperger-Betroffene keineswegs: Sie fühlen genauso viel oder wenig wie andere Menschen, es fällt ihnen nur schwerer, das, was sie fühlen, verständlich zu machen.

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Bei Boehm kam der Bruch im Jahr 2005. Er arbeitete damals bei einem Finanzdienstleister in München. Doch das Großraumbüro überforderte ihn, die quer durch den Raum gerufenen Kommentare, die Kollegin, die jeden ihrer Arbeitsschritte kommentierte. Boehms Gehirn kann das alles nicht filtern, es prasselt alles gleichzeitig auf ihn ein. Irgendwann machte er dann einen Fehler, ein wichtiges Dokument mit Zahlungsvorgängen musste verschickt werden - und auf einmal standen 20 Millionen Euro zu viel drin. "Mir ist klar, dass das nicht hätte passieren dürfen", sagt er heute. Aber niemand hatte es gegenlesen, niemand außer ihm übernahm Verantwortung - obwohl gerade er oft vor der mangelnden Qualitätssicherung gewarnt hatte.

IQ von 135 - und trotzdem Frührentner

Auch Schindlers Berufsgeschichte weist Brüche auf. Er ist Experte für Big Data und Softwareentwicklung, der Stern nannte ihn kürzlich "einen der besten seines Fachs". Doch genau wie Boehm scheiterte er am Multitasking und am Großraumbüro. Er brach zusammen. Ein Psychiater diagnostizierte schwere Depressionen und eine soziale Phobie, riet ihm, mehr Zeit mit Menschen zu verbringen. Die ständige Reizüberflutung habe ihn richtig "ausgemergelt", sagt Schindler.

Als er ein halbes Jahr später eine Rehabilitation beantragen wollte, sagte man ihm, erfahrungsgemäß könnten Menschen wie er nie wieder arbeiten. "Man hatte mich abgeschrieben", sagt Schindler, der Mann mit dem IQ von 135. Zwei Jahre später wurde er Frührentner, mit 30.

Auch für Boehm war sein Rauswurf der Beginn einer langen Krise. Der Fehler, so glaubt er, sei letztlich ein Vorwand gewesen, um ihn loszuwerden. Jahrelang kam er nirgendwo mehr unter, wurde immer einsamer, schließlich depressiv. Irgendwann landete er in der Psychiatrie, "ich hab alle Stationen durch". Die Ärzte diagnostizierten alles Mögliche: soziale Phobien, Depressionen, Verfolgungswahn. Die Wende kam erst 2010, als eine Assistenzärztin in der Klinik sich traute, ihren Vorgesetzten zu widersprechen. Sie diagnostizierte Asperger. Boehm war da schon 50.

Eine Caritas-Mitarbeiterin brachte ihn auf Auticon

Ab diesem Zeitpunkt ging es bergauf, Boehm bekam zum ersten Mal richtige Hilfe. Die Caritas stellte Boehm eine Integrationshelferin, die ihm bei der Jobsuche half, aber auch bei Alltäglichem, einfach mal irgendwo anrief. Sie brachte ihn 2013 auch auf Auticon. Vier Wochen arbeitete er Probe, dann hatte er den Job.

Sein erstes Projekt führte Boehm zu einer bayerischen Bank. Das Unternehmen wollte eine Datenbank von einem System zum nächsten transferieren, nur Boehm fiel auf, dass die neue Anwendung eine ganze Reihe von Zahlen falsch übernahm. Der Fehler war kaum sichtbar, aber er hätte das Unternehmen viel Geld kosten können. Wenn man Boehm fragt, wie er diese Dinge erkennt, guckt er, als verstünde er die Frage nicht. "Ich suche nicht nach Fehlern", sagt er schließlich, "ich finde sie." Viele Autisten berichten das: Fehler springen sie einfach an.

Auch für Schindler brachte die richtige Diagnose die Wende. Die Krankheit zu kennen, hieß, sie zu verstehen. Langsam ging es bergauf. Im Juli 2014 fing er bei Auticon an, heute programmiert er für die Hypovereinsbank Software, mit der die Bank ihre Risiken kalkulieren kann. Schindler hat gelernt, sein Leben in Balance zu halten: Nicht zu viel Veränderung, viele Pausen machen, nicht zu viele Menschen auf einmal. Solange er sich daran hält, kann er gut leben.

 IT und Autismus: "Ich suche nicht nach Fehlern, ich finde sie"Autismus-Bild wandelt sich nur langsam 

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motzerator 26. Feb 2016

Davon bekommt man eben wenig mit. Man ist für diese Dinge nicht komplett blind, aber...

Strassenflirt 26. Feb 2016

Ich erinnere mich an eine Erhebung, nach der Angestellte zwischen 60% und 80% ihrer...

bentol 23. Feb 2016

+1 Ich schätze hier im Forum gerade die Diversität und die Objektivität. Und einige der...

Pete Sabacker 21. Feb 2016

Und da soll mal einer behaupten, der Mann war kein Genie. Gebaut haben's Andere...

divStar 19. Feb 2016

Jeder, der ein wenig Zeit hat (ein paar Stunden) und eine gute Geschichte zu dem Thema...



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