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IT-Strategie HKR 2025: IT-Umstellung legt Zahlungsverkehr monatelang lahm

Die Umstellung auf eine hybride Finanzsoftware führt in Sachsen zu weitreichenden Ausfällen. Betroffen sind auch Gehälter.
/ Nils Matthiesen
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IT-Debakel in Sachsen (Bild: Clker-Free-Vector-Images / Pixabay)
IT-Debakel in Sachsen Bild: Clker-Free-Vector-Images / Pixabay

Die Einführung einer neuen Finanzsoftware als Teil der IT-Strategie HKR 2025 hat in Sachsen zu schwerwiegenden Störungen im Zahlungsverkehr geführt. Die Implementierung, die technisch auf einer hybriden Lösung aus SAP S/4 HANA und Pega basiert, verursacht größere Probleme als zunächst vom Landesamt für Steuern und Finanzen (LSF) kommuniziert. Das unter der politischen Verantwortung von Finanzminister Christian Piwarz (CDU) stehende Projekt, an dessen Vorbereitung die Telekom-Tochter T-Systems beteiligt war, führt zu Stillstand in zentralen Verwaltungsbereichen.

Wie Recherchen des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR)(öffnet im neuen Fenster) belegen, verloren mindestens acht sächsische Hochschulen zeitweise den Überblick über die Zahlungseingänge der Semesterbeiträge. Davon sind bis zu 40.000 Studierende und Millionenbeträge betroffen.

Hochschulmitarbeiter mussten Betroffene einzeln kontaktieren und manuelle Überweisungsbelege anfordern. Unklar blieb zudem über längere Zeit, ob die eingezogenen Beiträge für Semestertickets ordnungsgemäß an die Verkehrsunternehmen weitergeleitet wurden. Während das LSF die Probleme als weitgehend gelöst darstellt, berichten die betroffenen Hochschulen weiterhin von erheblichen Schwierigkeiten.

Systematische Währungsfehler und blockierte Budgets

Die technische Komplexität der SAP-Pega-Migration zeigt sich unter anderem bei internationalen Transaktionen. Ein systematischer Währungsfehler führte dazu, dass Beträge ohne Umrechnung in Fremdwährungen übertragen wurden: So wurden 100 Euro als 100 tschechische Kronen überwiesen.

Unabhängig davon kam es zu Blockaden bei regulären Zahlungsverpflichtungen. Betroffen war davon unter anderem die Sächsische Staats- und Universitätsbibliothek (SLUB), die zeitweise Rechnungen für wissenschaftliche Datenbanken und Publikationen nicht begleichen konnte. Auch in der Zentralen Bußgeldstelle führte die Unfähigkeit zur korrekten Zuordnung von Zahlungseingängen zu einem vollständigen Stopp aller Mahnverfahren, um unberechtigte Forderungen zu verhindern.

Gehaltsverzögerungen bei Hilfskräften

Die IT-Panne wirkte sich zudem unmittelbar auf die Besoldung aus. Laut MDR-Informationen waren neben regulären Bediensteten insbesondere nichtwissenschaftliche Mitarbeiter sowie studentische Hilfskräfte von ausbleibenden oder verzögerten Gehaltszahlungen betroffen.

Obwohl ein Kompetenzteam an der Fehlerbehebung arbeitet, bleibt die Belastung für die Verwaltung aufgrund des massiven manuellen Nachbearbeitungsaufwands hoch. Die weitreichenden Fehler bei der Umstellung auf das neue HKR-System verdeutlichen die Risiken bei der Migration hochkomplexer öffentlicher IT-Infrastrukturen auf moderne ERP-Lösungen.

Nachtrag vom 13. März 2026, 14:40 Uhr

In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, das Projekt sei "gemeinsam mit der Telekom-Tochter T-Systems umgesetzt" worden. Laut der vorliegenden Quelle war T-Systems jedoch lediglich an der Vorbereitung des Projekts beteiligt. Auch die Headline wurde entsprechend angepasst. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.


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