IT-Sicherheitsgipfel: Telekom-Chef sieht "Kartell der Geheimdienste"

Bei der Eröffnung des inzwischen Cybersecurity Summit genannten IT-Sicherheitsgipfels in Bonn(öffnet im neuen Fenster) hat Mitveranstalter René Obermann(öffnet im neuen Fenster) deutliche Worte für die Spähaffäre gefunden. Einen der Dienste oder der beteiligten Staaten nannte der Chef der Telekom allerdings nicht.
"Freiheit bedeutet auch, ein gewisses Maß an Unsicherheit zu tolerieren" , sagte Obermann. Seiner Meinung nach ist die Abwägung ein "Balanceakt, wo ganz offensichtlich die Balance verloren ging" . Vorsichtig drückte sich der Telekom-Chef beim Schwenk zur Bedeutung von Überwachung für die Wirtschaft aus: Es sei zu vermuten, dass "es wohl nicht mehr allein um Sicherheitsinteressen geht, sondern um Interessen allgemeiner Natur – um Vorteile. Vorteile in Verhandlungen, politische und ökonomische Vorteile. Wir erleben letztlich die Aushöhlung des fairen Wettbewerbs."
Als ein Beispiel für wirtschaftliche Vorteile durch Spionage führte der Vorstandsvorsitzende an, dass "angebliche Compliance-Verstöße in Unternehmen" – also die Überprüfung auf Einhaltung von Verhaltensregeln – "möglicherweise Einfallstore für Industriespionage" sein könnten. Aus dieser Verbindung heraus machte Obermann einen deutlichen Vorwurf: "Man kann den Eindruck bekommen, dass Geheimdienste und ganze Volkswirtschaften eine Art Kartell eingehen, in dem illegale Absprachen getroffen werden."
Routing innerhalb des Schengen-Raums als Lösung
Um sich dagegen zu wehren, schlug der Telekom-Chef ein "Schengen-Routing und eine Schengen-Cloud" vor, wie dies schon andere Stimmen auch aus der Politik getan hatten. Daten, die innerhalb des beispielsweise auch von Zollkontrollen befreiten Schengen-Raums bewegt werden, könnten so laut Obermanns Vorstellung geschützt werden.
Als politische Maßnahme forderte er: "Hohe Datenschutzstandards müssen deshalb schnell EU-weit festgeschrieben werden und dann auch für außereuropäische Unternehmen gelten." Obermann stellte aber klar: "Es geht hier nicht um eine Renationalisierung des Internets, sondern um Verfahrensweisen, die andernorts längst praktiziert werden." Wieder spielte der Manager damit offensichtlich auf US-Unternehmen an, die nicht nur aus Kostengründen versuchen, ihren Datenverkehr weitgehend innerhalb der USA zu halten.



