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IT-Sicherheit: Kaspersky droht BSI mit rechtlichen Schritten

Seit 2022 warnt das BSI vor Kaspersky . Nun fordert das Unternehmen die Rücknahme und droht mit einem Rechtsstreit.
/ Nils Matthiesen
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Das BSI warnt weiterhin vor Kaspersky-Produkten (Symbolbild). (Bild: Golem/KI-generiert mit Gemini 3)
Das BSI warnt weiterhin vor Kaspersky-Produkten (Symbolbild). Bild: Golem/KI-generiert mit Gemini 3

Das IT-Sicherheitsunternehmen Kaspersky verschärft sein Vorgehen gegen die seit März 2022 bestehende Warnung des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Das berichtet der Spiegel(öffnet im neuen Fenster) . Wie aus einem Schreiben an Bundestagsabgeordnete und Ministerien hervorgeht, fordert die deutsche Niederlassung des Unternehmens in Ingolstadt die Behörde auf, die Warnung zu entfernen. Sollte dies nicht geschehen, behalte sich das Unternehmen rechtliche Schritte vor.

Anne Mickler, Senior Corporate Communications Manager, sagte Golem: "Kaspersky hat in den vergangenen Jahren das BSI kontinuierlich und transparent informiert, zudem seine Risikomanagementmaßnahmen zielgerichtet ausgebaut und die Qualität externer Audits, Zertifizierungen sowie unabhängiger Test ausgebaut. Aus den vorliegenden BSI-Akten wird deutlich, dass das BSI keine Anhaltspunkte dafür vorlegt, dass im Zeitverlauf Gefahren für die Sicherheit in der Informationstechnik bestehen. Nur das würde ein Festhalten an der Warnung rechtfertigen."

Weiter führt sie aus: "Im konkreten Fall des Umgangs des BSI mit der Kaspersky Labs GmbH sowie dem Festhalten an der Warnung vor Kaspersky-Virenschutzsoftware erwartet Kaspersky, dass das BSI seinen Pflichten in Übereinstimmung mit dem BSI-Gesetz und dem Informationsfreiheitsgesetz nachkommt. Kaspersky behält sich rechtliche Schritte vor, sollte das BSI die Warnung nicht, wie im § 13 BSI-Gesetz festgelegt, entfernen."

Den entstandenen wirtschaftlichen Schaden beziffert Kaspersky auf einen hohen dreistelligen Millionenbetrag. Zum Vergleich: Der aktuelle Jahresetat des BSI liegt bei 379 Millionen Euro. Laut dem zuständigen Manager Waldemar Bergstreiser brach das Geschäft mit Großkunden und öffentlichen Auftraggebern nach der Warnung um rund 80 Prozent ein. Die Mitarbeiterzahl am Standort Deutschland sank in der Folge von 100 auf 60 Beschäftigte.

Kontroverse innerhalb der Behörde

Das BSI hatte die Warnung kurz nach Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine ausgesprochen. Grund war die Befürchtung, russische Behörden könnten den Hersteller mit Hauptsitz in Moskau zur Sabotage oder Spionage zwingen. Kaspersky betont hingegen stets seine Unabhängigkeit und verweist auf die Datenhaltung in der Schweiz sowie die Steuerung über eine Holding in London.

Interne Protokolle einer Leitungsrunde vom Dezember 2025 deuten auf Uneinigkeit innerhalb des BSI hin. Während ein Abteilungsleiter die Beibehaltung mangels veränderter Tatsachen forderte, gab ein Kollege zu bedenken, dass Kaspersky im Sicherheitsbereich kaum noch vorkomme, was eine Veränderung der Lage darstellen könne. Der IT-Sicherheitsrechtler Dennis-Kenji Kipker stützte die Position des Unternehmens und erklärte dem Spiegel, dass dem BSI für die Warnung schlicht die rechtliche Grundlage fehle.

BSI hält an Warnung fest

Bisher verliefen juristische Schritte für Kaspersky erfolglos. Das Oberverwaltungsgericht Münster bestätigte 2022 im Eilverfahren, dass hinreichende Anhaltspunkte für die Warnung vorlagen. Das Bundesverfassungsgericht nahm eine Beschwerde gar nicht erst an. Das Unternehmen scheute bisher ein Hauptsacheverfahren vor Verwaltungsgerichten, setzt nun jedoch auf den Weg der zivilrechtlichen Haftung.

International ist der Druck auf den Hersteller ebenfalls hoch. In den USA untersagte das Handelsministerium 2024 jede Geschäftstätigkeit und setzte das Unternehmen auf die Entity List(öffnet im neuen Fenster) . Das BSI erklärte auf Anfrage kurz und knapp, dass die Warnung weiterhin aufrechterhalten werde. Die Gründe seien seit 2022 unverändert gültig. Damit bleibt Kaspersky der einzige Hersteller auf der offiziellen Liste der Behörde.

Nachtrag vom 3. Februar 2026, 10:10 Uhr

Kaspersky hat sich bei Golem gemeldet und klargestellt, dass das Unternehmen keine zivilrechtliche Schadenersatzklage plant, sondern sich rechtliche Schritte vorbehält. Wir haben den Artikel entsprechend angepasst.


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