IT-Sicherheit: Huawei weist Spionagevorwürfe zurück
Der chinesische Hersteller Huawei wird in den USA wegen möglicher Staatsnähe schon länger kritisch beäugt . Huawei-Chef Guo Ping dementierte nun einen Einfluss des Staates auf sein Unternehmen. Der Konzern gehöre knapp 76.000 chinesischen Mitarbeitern, sagte er in einem Interview mit der Welt am Sonntag(öffnet im neuen Fenster) .
Das Argument, Netzausrüstung eines chinesischen Herstellers stelle per se ein Sicherheitsrisiko dar, lässt Guo nicht gelten: "Schauen Sie sich die Netzwerkausrüster weltweit an. Bei allen wird der ganz große Teil der Komponenten in China produziert" , sagte der 47-Jährige der Zeitung. Vor gut einem Jahr hatte der Geheimdienstausschuss des US-Repräsentantenhauses in einem 60-seitigen Bericht(öffnet im neuen Fenster) vor einer fortschreitenden Durchdringung des Telekommunikationsmarktes mit Produkten von Huawei und ZTE gewarnt. Gerade Huawei habe unzureichend bei der Untersuchung kooperiert und ausweichende Antworten auf die Fragen des Ausschusses gegeben. Guo wies die Vorwürfe zurück: "Ich kann nicht nachvollziehen, wie es zu dieser Behauptung kommt. Ich habe den Bericht gelesen, allerdings konnte ich keine wirklich konkreten Vorhaltungen entdecken. Wenn uns echte Probleme aufgezeigt werden, sind wir natürlich bereit, bei der Hard- und Software entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, um genau diese Zweifel auszuräumen."
Der US-Kongress monierte unter anderem, dass Huawei keine zuverlässigen Angaben über die Inhaberstruktur machen könne und unklar sei, wer in dem Konzern tatsächlich das Sagen habe. Guo sagte dazu: "Huawei gehört knapp 76.000 chinesischen Mitarbeitern. Unserem Gründer Ren gehören nicht einmal zwei Prozent der Anteile." Zudem verwies er auf den jährlichen Geschäftsbericht(öffnet im neuen Fenster) . Einen Börsengang, der das Unternehmen zu mehr Transparenz verpflichtete, verhindere derzeit das chinesische Gesellschaftsrecht. "Rechtlich ist es chinesischen Unternehmen nicht möglich, an die Börse zu gehen, wenn das Gesellschaftskapital in der Hand von mehr als 200 Eignern ist" , sagte Guo. Geld für die Übernahme eines größeren Anbieters scheint Huawei nach Angaben Guos ohnehin nicht zu benötigen. "Wir haben uns größere Übernahmen noch nicht vorgenommen, weil wir meinen, dass unsere Integrationsfähigkeiten dafür noch nicht ausreichen."
Ein "höllisches Problem"
Ob die Beteuerungen von Huawei die Bedenken der westlichen Geheimdienste ausräumen können, ist jedoch fraglich. Passend zur Veröffentlichung des Kongresspapiers im vergangenen Dezember hatte die Forschungsbehörde des US-Militärs, Darpa, ein Programm zum Aufspüren von Sicherheitslücken in Hardwareprodukten aufgelegt. Die wachsende Abhängigkeit des US-Verteidigungsministeriums von der weltweiten Ausrüstungskette mache die Sicherheit von Geräten, Software und Firmware unabdingbar, hieß es zur Begründung(öffnet im neuen Fenster) . Welche Möglichkeiten gerade die US-Geheimdienste zum Aushebeln der IT-Sicherheit kennen und nutzen, haben die Enthüllungen Snowdens inzwischen belegt .
Für den früheren NSA-Chef Michael Hayden stellt die Möglichkeit einer infizierten Hardware ein "höllisches Problem" dar. Was Hayden auf einer Diskussion des Aspen-Institutes im November 2011(öffnet im neuen Fenster) (ab Min. 37) sagte, dürfte spätestens nach Snowden aber nicht nur für chinesische Hersteller gelten. Wie weit das Misstrauen der Staaten in die elektronische Kommunikation inzwischen geht, zeigt ein Bericht des britischen Observers(öffnet im neuen Fenster) . Demnach haben manche Regierungen beschlossen, dass ihre Botschaften überhaupt keine elektronische Kommunikation mehr nutzen dürften. Sie verließen sich stattdessen auf Kuriere, die die Nachrichten in Koffern durch die Gegend transportierten.
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