Abo
  • Services:

IT-Sicherheit: Gefangen(e) im Netz

Klingt wie Fernsehen, ist aber wahr: Insassen eines Gefängnisses in Ohio haben sich heimlich PCs gebaut und darüber auf das Internet und interne Datenbanken zugegriffen.

Artikel von Eike Kühl/Zeit Online veröffentlicht am
Über diesen Switch gelangten die Insassen ins Netz.
Über diesen Switch gelangten die Insassen ins Netz. (Bild: State of Ohio Office of the Inspector General)

Auch Häftlinge müssen mit der Zeit gehen. Galten jahrelang Erfahrungen im Tätowieren, Predigen und Drogendealen als vergleichsweise nützlich im Gefängnisalltag, wird unter Insassen nun händeringend nach IT-Spezialisten gesucht. Beziehungsweise nach Menschen, die heimlich einen Computer bauen, ihn an das interne Netzwerk der Haftanstalt anschließen und schließlich sowohl mit dem Internet verbinden als auch die Gefängnisdatenbank hacken können. So geschehen in Marion im US-Bundesstaat Ohio.

Inhalt:
  1. IT-Sicherheit: Gefangen(e) im Netz
  2. Ein Totalversagen der Verwaltung

Wie aus jetzt veröffentlichten Untersuchungsunterlagen hervorgeht, ist es fünf Insassen der Anstalt gelungen, gleich zwei PCs aus alter Hardware zu bauen und sie in der Deckenverkleidung eines Büros zu verstecken. Über andere, den Häftlingen zugängliche PCs, konnten sie sich anschließend mit den geheimen Rechnern verbinden und Sicherheitsvorkehrungen umgehen.

Zwei Computer in der Decke

Der Reihe nach: Im Juli 2015 bekam ein Administrator des Gefängnisses eine automatisierte E-Mail einer Sicherheitssoftware. Die schlug an, weil ein Nutzer das erlaubte Internetvolumen überschritten hatte. Auffällig war, dass es sich bei dem Nutzer um einen früheren Mitarbeiter handelte, der inzwischen im Ruhestand war. Zudem ging die Verbindung von einem Computer mit der Kennzeichnung -lab9- aus, den es eigentlich nicht geben sollte.

Über den Port des verdächtigen PCs fanden die Administratoren den Netzwerk-Switch, mit dem er verbunden war. Ein Kabel führte vom Switch in ein Büro in der Nähe. Hinter der Decke fanden sie zwei voll funktionstüchtige Computer, befestigt auf Sperrholzplatten. Auf den Festplatten fanden sich neben Pornos (Überraschung!) zahlreiche Werkzeuge, um VPN-Verbindungen zu erstellen und Proxyserver zu umgehen, diverse Schadsoftware und das Verschlüsselungstool TrueCrypt. Wie aus dem Polizeibericht hervorgeht, waren die Rechner rund vier Monate lag in Betrieb, bevor sie entdeckt wurden.

Stellenmarkt
  1. Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW), Stuttgart
  2. über duerenhoff GmbH, Bremen

Wie kamen die Computer dorthin? Das Gefängnis in Marion nimmt an einer Initiative teil, die alte Computer ausschlachtet. Das Auseinanderbauen übernehmen die Häftlinge, die Einzelteile werden anschließend wieder abtransportiert. Zwei der Insassen hatten es ausgenutzt, dass sie bei der Tätigkeit nicht ständig überwacht wurden. Da auch kein Inventar über die Komponenten geführt wurde, konnten sie nach und nach verschiedene Einzelteile abzweigen. Offenbar hatte ihnen niemand zugetraut, daraus einen funktionierenden Computer bauen zu können.

Augen auf beim Passwortklau

Geschweige denn, ihn mit ihm Gefängnisnetzwerk zu verbinden. Doch genau das ist ihnen gelungen, auch weil ein anderer Insasse zuvor an die Login-Daten eines früheren Mitarbeiters kam - indem er ihm "über die Schulter sah", wie er später aussagte. Über diesen Administrator-Account konnten die Insassen zunächst die Festplatte eines öffentlichen Computers spiegeln. Die übertrugen sie anschließend auf ihren geheimen Computer. Einmal mit dem Netzwerk verbunden, konnten sie über die Remote-Desktop-Funktion von Windows von den öffentlichen PCs aus auf ihn zugreifen.

Somit konnten die Häftlinge Funktionen, Internetdienste und Websites nutzen, die ihnen eigentlich verboten waren. Und das taten sie: die Browserhistorie der geheimen Computer legte unter anderem Anleitungen zum Bombenbauen und Drogenmischen offen. Andere nutzten SMS-Dienste, um Bekannte und ihre Familie zu kontaktieren.

Ein Totalversagen der Verwaltung 
  1. 1
  2. 2
  3.  


Anzeige
Spiele-Angebote
  1. (-77%) 6,99€
  2. (-34%) 22,99€
  3. 39,95€
  4. (-80%) 10,99€

RicoBrassers 18. Apr 2017

Eine viel einfachere Möglichkeit, wie das Ganze hier hätte verhindert werden können...

h4z4rd 18. Apr 2017

Vorallem wenn man bedenkt, das die Gefängnisse in den USA fast alle in privater Hand sind...

h4z4rd 18. Apr 2017

Ja ein Gefängnis mit Internet wäre ja für die meisten Nerds keine große Umstellung zum...

PlonkPlonk 17. Apr 2017

Wenn ein Gefangener eines hat, dann ist es wohl extrem viel Zeit ...

Technik Schaf 16. Apr 2017

Dafür brauchts nur ein Semester Informatik irgendeiner Richtung. Möglich, die Leiter...


Folgen Sie uns
       


Razer Hypersense angesehen (CES 2019)

Razer hat Vibrationsmotoren in Maus, Handballenablage und Stuhl verbaut - und wir haben uns auf der CES 2019 durchrütteln lassen.

Razer Hypersense angesehen (CES 2019) Video aufrufen
Magnetfeld: Wenn der Nordpol wandern geht
Magnetfeld
Wenn der Nordpol wandern geht

Das Erdmagnetfeld macht nicht das, was Geoforscher erwartet hatten - Nachjustierungen am irdischen Magnetmodell sind erforderlich.
Ein Bericht von Dirk Eidemüller

  1. Emotionen erkennen Ein Lächeln macht noch keinen Frohsinn
  2. Ökostrom Wie Norddeutschland die Energiewende vormacht
  3. Computational Periscopy Forscher sehen mit einfacher Digitalkamera um die Ecke

Enterprise Resource Planning: Drei Gründe für das Scheitern von SAP-Projekten
Enterprise Resource Planning
Drei Gründe für das Scheitern von SAP-Projekten

Projekte mit der Software von SAP? Da verdrehen viele IT-Experten die Augen. Prominente Beispiele von Lidl und Haribo aus dem vergangenen Jahr scheinen diese These zu bestätigen: Gerade SAP-Projekte laufen selten in time, in budget und in quality. Dafür gibt es Gründe - und Gegenmaßnahmen.
Von Markus Kammermeier


    Ottobock: Wie ein Exoskelett die Arbeit erleichtert
    Ottobock
    Wie ein Exoskelett die Arbeit erleichtert

    Es verleiht zwar keine Superkräfte. Bei der Arbeit in unbequemer Haltung zum Beispiel mit dem Akkuschrauber unterstützt das Exoskelett Paexo von Ottobock aber gut, wie wir herausgefunden haben. Exoskelette mit aktiver Unterstützung sind in der Entwicklung.
    Ein Erfahrungsbericht von Werner Pluta


        •  /