Abo
  • Services:
Anzeige
Technik in Operationssälen sollte sicher sein.
Technik in Operationssälen sollte sicher sein. (Bild: Boris Horvat/AFP/Getty Images)

IT-Sicherheit: Auch Medizintechnik lässt sich hacken

Technik in Operationssälen sollte sicher sein.
Technik in Operationssälen sollte sicher sein. (Bild: Boris Horvat/AFP/Getty Images)

Überdosis nicht mehr ausgeschlossen: Der Sicherheitsforscher Billy Rios kann eine in Krankenhäusern verwendete Infusionspumpe über das Intranet manipulieren.
Von Johannes Wendt

Bevor ein Skalpell in hiesigen Operationssälen Körper öffnet, muss sein Stahl dem Deutschen Industriestandard genügen. Das hat gute Gründe: Zur Fehlerquelle Mensch soll nicht auch noch die Fehlerquelle Material hinzukommen. Verglichen damit sind die Anforderungen an IT-Sicherheit in der Medizin eher lax.

Offenbart hat dies zuletzt Billy Rios aus den USA. Der Sicherheitsforscher hat eine Infusionspumpe gehackt, genauer gesagt die Life Care PCA des österreichischen Unternehmens Hospira. Die Pumpe gibt zum Beispiel bei Operationen regelmäßig ein Betäubungsmittel an den Patienten ab. Sie kann aber auch Antibiotika oder andere Medikamente verabreichen.

Anzeige

Rios kaufte sich kurzerhand eine Pumpe auf Ebay und testete sie. Das Ergebnis war ernüchternd: Der Sicherheitsforscher fand nicht nur eine, sondern gleich mehrere Schwachstellen. Angreifer können zwar nicht die aktuellen Dosen der Medikamente ändern. Sie können allerdings die Arzneibibliotheken austauschen. In diesen Bibliotheken wird festgelegt, für welchen Patienten, je nach Alter, Größe, Gewicht und Geschlecht, welche Medikamentendosis die richtige ist. Stellt ein Arzt oder eine Schwester etwa eine zu hohe Dosis ein, schlägt die Pumpe Alarm. Die Pumpe soll also eigentlich eine Überdosierung verhindern. Diese Sicherheitsvorkehrung konnte Rios aushebeln.

Infusionspumpe könnte falsche Dosen verabreichen

Laut Rios kann jeder innerhalb des Krankenhausnetzwerkes auf die Infusionspumpen zugreifen und die Bibliotheken austauschen. Einen gesonderten Schritt, bei dem sich der Nutzer authentifizieren müsste, gibt es im Grunde nicht. Dabei muss der Angreifer noch nicht einmal Zugang zu der Software der Pumpe haben. Es reicht ein Zugang zum Krankenhausnetzwerk.

Rios fand außerdem gravierende Fehler in der Steuerungssoftware für die Infusionspumpe. Das Programm namens Mednet liegt auf den Servern im Krankenhaus. Nicht nur fehlt die Authentifizierung, Mednet speichert auch auf den Krankenhausservern Nutzernamen und Passwörter des Personals im Klartext ab. Das könnten laut Rios wiederum Angreifer ausnutzen, um Zugang zum gesamten Krankenhausnetzwerk zu erlangen. Wie genau das gehen soll, sagt der Forscher jedoch nicht.

Die Ergebnisse von Rios gefährden nicht direkt zahllose Menschenleben. Es ist bisher weder ein Schaden bekannt noch haben Angreifer - wie in anderen Fällen - Datensätze von Patienten gestohlen. Immerhin benötigen Angreifer bereits den Zugang zum internen Krankenhausnetzwerk. Dennoch schafft eine derart designte Infusionspumpe Risiken für Patienten.

Die Gesundheitsbranche liegt in Sachen IT-Sicherheit etwa zehn Jahre hinter in der Zeit zurück. Das denkt zumindest Scott Erven. Der Sicherheitsforscher hatte die Ergebnisse seiner Studie im vergangenen Jahr auf der Defcon in Las Vegas veröffentlicht (PDF). Neben den Schwächen der Infusionspumpen fand er weitere Schwachpunkte digitaler Technik in Krankenhäusern, etwa in Herzschrittmachern.

Verschlüsselung ist in Krankenhäusern nicht vorgeschrieben 

eye home zur Startseite
FreiGeistler 15. Apr 2015

Hat den M$ nicht patentiert?

SchokoMuesli 15. Apr 2015

Hier zumindest werkelt als KIS ein Siemens BS2000 Terminalsystem aus den 80er Jahren...

apriori 14. Apr 2015

Jo, stimmt. Dazu könnte ich jetzt direkt bezogen auf meinen damaligen Zivi erzählen...

tingelchen 14. Apr 2015

Die Industrie baut die Geräte und schreibt die Software. Du würdest dich wundern was für...

cry88 14. Apr 2015

Sondern das Netz für die kritische Infrastruktur und da ist es ziemlich schwer Zugriff zu...



Anzeige

Stellenmarkt
  1. ORBIT Gesellschaft für Applikations- und Informationssysteme mbH, Bonn
  2. Deutsche Bundesbank, München
  3. Sky Deutschland GmbH, Unterföhring
  4. über Harvey Nash GmbH, Berlin


Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 99,99€ mit Vorbesteller-Preisgarantie
  2. ab 59,99€ (Vorbesteller-Preisgarantie)
  3. 99,99€ mit Vorbesteller-Preisgarantie

Folgen Sie uns
       


  1. Falscher Schulz-Tweet

    Junge Union macht Wahlkampf mit Fake-News

  2. BiCS3 X4

    WDs Flash-Speicher fasst 96 GByte pro Chip

  3. ARM Trustzone

    Google bescheinigt Android Vertrauensprobleme

  4. Überbauen

    Telekom setzt Vectoring gegen Glasfaser der Kommunen ein

  5. Armatix

    Smart Gun lässt sich mit Magneten hacken

  6. SR5012 und SR6012

    Marantz stellt zwei neue vernetzte AV-Receiver vor

  7. Datenrate

    Vodafone weitet 500 MBit/s im Kabelnetz aus

  8. IT-Outsourcing

    Schweden kaufte Clouddienste ohne Sicherheitsprüfung

  9. Quantengatter

    Die Bauteile des Quantencomputers

  10. Microsoft gibt Entwarnung

    MS Paint bleibt



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Kryptowährungen: Bitcoin steht vor grundlegenden Änderungen
Kryptowährungen
Bitcoin steht vor grundlegenden Änderungen
  1. Linux-Distributionen Mehr als 90 Prozent der Debian-Pakete reproduzierbar
  2. Die Woche im Video Strittige Standards, entzweite Bitcoins, eine Riesenkonsole
  3. Kryptowährung Bitcoin notiert auf neuem Rekordhoch

IETF Webpackage: Wie das Offline-Internet auf SD-Karte kommen könnte
IETF Webpackage
Wie das Offline-Internet auf SD-Karte kommen könnte
  1. IETF Netzwerker wollen Quic-Pakete tracken
  2. IETF DNS wird sicher, aber erst später
  3. IETF Wie TLS abgehört werden könnte

Gaming-Monitor Viewsonic XG 2530 im Test: 240 Hertz, an die man sich gewöhnen kann
Gaming-Monitor Viewsonic XG 2530 im Test
240 Hertz, an die man sich gewöhnen kann
  1. LG 43UD79-B LG bringt Monitor mit 42,5-Zoll-Panel für vier Signalquellen
  2. SW271 Benq bringt HDR-Display mit 10-Bit-Panel
  3. Gaming-Bildschirme Freesync-Displays von Iiyama und Viewsonic

  1. Kurios

    DerDy | 20:24

  2. Re: Sparkasse - das war nach der Überschrift klar.

    sofries | 20:23

  3. Re: Genau das passiert hier bei mir auch

    DerDy | 20:18

  4. Re: mMn sollte man da noch ne bedingung hinzufügen

    Koto | 20:16

  5. Re: Machen die Grünen immer wieder

    thecrew | 20:16


  1. 18:42

  2. 15:46

  3. 15:02

  4. 14:09

  5. 13:37

  6. 13:26

  7. 12:26

  8. 12:12


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel