''Am besten direkt bei einer Beförderung auch über mehr Gehalt reden''

Golem.de: Was sind gute Argumente für mehr Geld?

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Kimich: Immer dann, wenn man dem Unternehmen einen Mehrwert bringt, etwa mehr Verantwortung übernimmt. Hier gilt es aufzupassen und vor der Annahme einer Beförderung über mehr Geld zu verhandeln. Wenn man es hinterher verlangt, ist der Spielraum deutlich kleiner. Diesen Fehler begehen viele, weil sie sich so sehr über ihren Aufstieg freuen, dass sie das Geld ganz vergessen.

Golem.de: Gibt es bestimmte Tage und Tageszeiten, an denen Gehaltsgespräche erfolgreicher sind als andere?

Kimich: Was sich lustig anhört, trifft spannenderweise regelmäßig zu: Im Mai bei Sonnenschein ist die Erfolgschance deutlich höher als im Nebel des Novembers. Denn es gilt der nachgewiesene Grundsatz: Je besser die Laune, desto leichter ist das Verhandeln. Ob nun es Montag früh besser ist als am Freitagnachmittag hängt von der Person ab, die einem gegenübersitzt. Bei einem Morgenmuffel wird man um 7:00 Uhr wenig Begeisterung für mehr Gehalt wecken. Dasselbe gilt für eine Führungskraft, die am Freitagnachmittag einige Hundert Kilometer zur Familie nach Hause fährt und bei der man deshalb an diesem Tag und um die Mittagszeit eher nicht versuchen sollte, mehr Gehalt herauszuhandeln. Erfolgreiche Gespräche sind menschen- und situationsbezogen, pauschal gibt es keine passenden Ratschläge.

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Golem.de: Falls der oder die Vorgesetzte bei der Frage nach mehr Geld absagt, was dann?

Kimich: Hartnäckig dranbleiben und nicht aufgeben, nur weil man nicht nerven will. Denn es ist häufig die Taktik von Vorgesetzten, solche Anfragen genervt abzuwimmeln.

Golem.de: Wie viel mehr kann man herausholen, was ist realistisch - und wie oft ist das möglich?

Kimich: Bis 10 Prozent geht relativ leicht, 20 bis 30 Prozent sind drin und darüber hinaus sind es Einzelfälle. Konzernbeschäftige sollten alle zwei Jahre verhandeln, weil in großen Unternehmen der organisatorische Aufwand für Gehaltänderungen höher ist als in kleinen Firmen. Folglich sollte die Gehaltsforderung dann aber auch höher sein als im Mittelstand. Dort ist die Bürokratie geringer, deshalb sind jährliche Gehaltsgespräche passend.

Golem.de: Wenn die Führungskraft wieder ablehnt, was dann?

Kimich: Wenn man etwas erreicht hat, in jedem Fall hartnäckig bleiben und klar sagen, dass man mit der Entscheidung nicht zufrieden ist. Alternativen zum Geld sind geldwerte Leistungen wie ein Job-Ticket für die Bahn, Übernahme von Kinderbetreuungskosten oder Mitgliedschaft im Fitnessstudio. Denn sobald keine Lohnnebenkosten wie Sozialversicherung anfallen, sind das günstigere Lösungen für das Unternehmen. Ich rate dazu, mindestens einmal, wenn nötig zweimal nachzufragen, denn oft wird abgelehnt mit Killerphrasen wie: "Ich würde ja mehr Geld geben, aber mein Vorgesetzter, der ist knausrig." Dann sollte man sagen, dass man gerne selbst mit diesem Vorgesetzten sprechen will. Sollte die direkte Führungskraft ein Machtmensch sein, dann auf keinen Fall direkt zur nächsthöheren gehen, ohne es vorher mit ihr abzusprechen. Ansonsten gibt es garantiert Ärger. Spätestens nach drei klaren Absagen kann man seine Versuche einstellen, denn dann gibt es auch beim vierten Mal nicht mehr Geld, weil die Führungskraft weiß, dass die Absagen ohnehin keine Konsequenzen haben.

Die Kunst der Gehaltsverhandlung

Golem.de: Der Mitarbeiter also nicht kündigt, obwohl er nicht mehr Geld bekommt.

Kimich: Ja, das macht ihn unglaubwürdig. Es ist deshalb extrem wichtig, sich vor der Verhandlung im Klaren darüber zu sein, wie weit man bereit ist zu gehen.

Golem.de: Es heißt: Frauen und Informatiker tun sich schwer bei Gehaltsverhandlungen. Warum diese beiden Gruppen?

Kimich: Weil sie das Tiefstaplersyndrom haben. Beide gehen davon aus, dass der Chef sieht, was sie freiwillig leisten und sie dafür schätzt. Aber das tut er nicht wirklich, er schont nur sein Budget. Beide sind zudem extreme Eigenmarketingverweigerer: Ihre eigene Leistung behalten sie bescheiden für sich. Außerdem ist die Kombination aus Tiefstapeln und Perfektionismus bei Frauen und ITlern eine giftige Mischung, auch für die Verhandlungstaktik.

Golem.de: Wie können diese beiden Gruppen das überwinden?

Kimich: Üben und trainieren wie für eine sportliche Leistung. Mit Partnern, Profis oder per Videoaufzeichnung am Handy klar und deutlich aussprechen, dass man eine Gehaltserhöhung verdient. Oft hilft auch, sich über das Geleistete Notizen zu machen, um für den Moment vorbereitet zu sein und nichts zu vergessen.

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 IT-Jobs: Tipps für Gehaltsverhandlungen in Zeiten der Pandemie
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scrumdideldu 11. Apr 2021

Oder weil sie an der Pandemie (vielleicht auch nur indirekt) verdienen. Bspw. geht bei...

elknipso 07. Apr 2021

Meistens sind bei einem Jobwechsel größere Sprünge drin. Wenn der Arbeitgeber und die...

elknipso 07. Apr 2021

So eine Standardklausel habe ich jetzt noch nicht gesehen, finde aber auch 3% recht...

AntonZietz 07. Apr 2021

Leider korrekt ist, daß der Begriff "systemischer Coach" nicht geschützt ist, und sich...

amagol 06. Apr 2021

Ich vermute das bezieht sich eher auf Branchen-Spezialisten in der IT als auf IT...



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