IT-Jobs: Gibt es den Fachkräftemangel wirklich?

IT-Spezialisten seien Mangelware, heißt es. Doch die Zahlenangaben über offene Stellen unterscheiden sich stark. Gibt es den Fachkräftemangel überhaupt - und an welchen Kriterien machen Verbände, Forschungsinstitute und die Bundesagentur für Arbeit ihn fest?

Eine Analyse von Peter Ilg veröffentlicht am
Wie viele IT-Spezialisten fehlen auf dem Arbeitsmarkt tatsächlich? Die Zahlen verwirren auf den ersten Blick.
Wie viele IT-Spezialisten fehlen auf dem Arbeitsmarkt tatsächlich? Die Zahlen verwirren auf den ersten Blick. (Bild: Pixabay)

Mancher kann es vielleicht nicht mehr hören: das Wehklagen der Unternehmen über den Mangel an IT-Fachkräften. Und mancher ist vielleicht auch verunsichert durch die unterschiedlichen Zahlen zu offenen Stellen, die von verschiedenen Organisationen veröffentlicht werden: Die Bundesagentur für Arbeit spricht in ihrem Bericht Blickpunkt Arbeitsmarkt IT-Fachleute (PDF) mit Stand April 2019 von rund 20.000 offenen Stellen für IT-Personal. Der MINT-Frühjahrsreport (PDF) vom Institut der deutschen Wirtschaft meldete zum selben Zeitpunkt gut 59.000 fehlende IT-Fachkräfte. Der Branchenverband Bitkom berichtete zum Jahresende 2018 von einem neuen Höchststand bei den offenen Stellen für IT-Spezialisten mit 82.000 freien Jobs.

Inhalt:
  1. IT-Jobs: Gibt es den Fachkräftemangel wirklich?
  2. Belegen die Zahlen wirklich einen Fachkräftemangel?

Wer hat recht und was ist dran an den Zahlen? Gibt es tatsächlich einen Fachkräftemangel an IT-Personal oder ist das alles nur Stimmungsmache? Wir haben uns die Zahlen näher angesehen - und wurden überrascht.

Die vom Bitkom veröffentlichte Zahl von 82.000 unbesetzten Stellen für IT-Spezialisten basiert auf einer repräsentativen Umfrage unter rund 850 Personalverantwortlichen oder Geschäftsführern in Unternehmen ab drei Mitarbeitern oder mit einem Jahresumsatz von mehr als 250.000 Euro. "Wir fragen regelmäßig die Zahl der offenen Stellen in den Unternehmen mit IT-spezifischer Qualifikation ab und rechnen sie unter Berücksichtigung der Unternehmensgröße auf die Gesamtwirtschaft hoch", sagt Adél Holdampf-Wendel, Bereichsleiterin Arbeitsrecht und Arbeit 4.0 beim Bitkom.

Die so ermittelten offenen IT-Stellen werden mit den bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten Stellenangeboten für IT-Personal verglichen und von Verbandsexperten evaluiert. "Die 82.000 offenen Stellen sind seit Beginn der Erhebung im Jahr 2009 der Höchststand", sagt Holdampf-Wendel. Seit der ersten Befragung steigt die Zahl offener Stellen ständig an - und es ist davon auszugehen, dass sie weiter steigt. Laut aktueller Bitkom-Befragung erwarten 59 Prozent der Unternehmen eine Verschärfung des Fachkräftemangels.

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Und das trotz stark steigender Absolventenzahlen in der Informatik: Im Jahr 2000 schlossen rund 5.800 Studenten ihr Informatikstudium erfolgreich ab, 2017 waren es mit etwa 26.500 fast fünfmal so viele. Diese Zahlen sind die offiziellen Angaben vom Statistischen Bundesamt. Laut Bitkom ist diese gewaltige Zunahme immer noch zu gering, weil die Absolventenzahlen langsamer steigen als der Fachkräftebedarf wächst.

Die Branchen Auto, Banken, Bildung brauchen besonders viele ITler

"Vor allem die Digitalisierung von Prozessen und Produkten erfordert zusätzliche IT- und Datenkompetenz in Unternehmen", sagt Axel Plünnecke, Arbeitsmarktexperte und Autor des MINT-Reports vom Institut der deutschen Wirtschaft. Für den Bericht bereitet das Institut offizielle Arbeitsmarktdaten der Bundesagentur für Arbeit auf. Demnach liegt die Fachkräftelücke in IT-Berufen bei knapp 60.000 und ist im Unterschied zu den meisten anderen MINT-Berufen trotz konjunktureller Abkühlung im Vergleich zum Vorjahr sogar größer geworden. "In den MINT-Berufen gibt es konjunkturell bedingt einen leichten Rückgang bei den Fachkräfteengpässen, weil die Zahl der offenen Stellen leicht abnimmt", sagt Plünnecke.

In den vergangenen Jahren beklagten Branchenverbände nahezu routinemäßig einen Ingenieurmangel. Seit einem knappen Jahr ist davon nichts mehr zu hören - weil die Nachfrage nach Ingenieuren aufgrund der schlechter werdenden Konjunktur zurückgeht. Grundsätzlich gehört es zur Pflicht einer Branchenlobby, für eine große Auswahl bei der Besetzung offener Stellen zu sorgen. Deshalb trommeln Verbände lautstark, falls Mangel beim Personal droht.

Plünnecke nennt zwei Effekte als Begründung für einen weiter steigenden Bedarf an IT-Fachkräften aufgrund der Digitalisierung: "Die ITK-Branchen wachsen stärker als die Gesamtwirtschaft und innerhalb der Branchen nimmt der Anteil der IT-Beschäftigten an allen Beschäftigten tendenziell zu." Als Beispiele nennt er die Branchen Auto, Banken und Bildung. Beim Anteil der IT-Beschäftigten an allen Beschäftigten gibt es seit Ende 2012 eine starke Zunahme.

Die unterschiedlichen Zahlen von Bitkom und dem Institut der deutschen Wirtschaft basieren auf den offiziellen Arbeitsmarktdaten der Bundesagentur für Arbeit. Doch wie viele offene Stellen sind dort gemeldet und lässt sich daraus ein Mangel ableiten?

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Belegen die Zahlen wirklich einen Fachkräftemangel? 
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quineloe 14. Nov 2019

Ja. Das ist wie programmieren. Du findest sicher Leute, die dir irgendeinen Scheißcode...

Bluejanis 14. Nov 2019

Oder der Lehrer. Nur weil derjenige gut programmieren kann, heißt es nicht, dass er auch...

frankietankie 13. Nov 2019

Naja, ganz so schlimm sieht es im öffentlichen Dienst auch nicht aus. Beim Bund gibt es...

amagol 08. Nov 2019

Stimmt, jeder bekommt was er bezahlt. Leider ist in Deutschland kaum ein Unternehmen...

AnonymousDeu 07. Nov 2019

Off-topic. Will hier nur folgendes sagen: Nein, Ayn Rand hatte nicht recht. Ihre...



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