Belegen die Zahlen wirklich einen Fachkräftemangel?

20.000 offene Stellen wurden der Bundesagentur für Arbeit zum Jahreswechsel 2018/19 von den Unternehmen gemeldet. In diesen Fällen unterstützt das Amt bei der Besetzung. "Nicht alle Unternehmen melden ihre vakanten Positionen", sagt Ralf Beckmann aus dem Bereich Statistik und Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit. Die Forschungseinrichtung der Agentur, das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, führt Umfragen zu offenen Stellen bei Betrieben durch und errechnet daraus die Meldequote. Bei Stellen für Akademiker liegt sie bei rund 30 Prozent.

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"Im Segment der Hochqualifizierten wird der Bundesagentur für Arbeit also etwa jede dritte offene Stelle gemeldet", sagt Beckmann. Werden die 20.000 bei der Arbeitsagentur gemeldeten offenen Stellen mit dem Faktor 3 multipliziert, so kommt man auf die 60.000 vakanten Positionen, die das Institut der deutschen Wirtschaft nennt. Für Beckmann können auch die vom Bitkom errechneten 82.000 offenen Positionen für IT-Spezialisten unter Berücksichtigung der Ungenauigkeiten von Hochrechnungen realistisch sein.

Die überraschende Erkenntnis aber ist: 82.000 offene Stellen bedeuten nicht zwangsläufig, dass tatsächlich auch viele IT-Experten fehlen. "Hinter der Zahl steckt nämlich ein ganz gewöhnlicher Fluktuationsprozess", sagt Beckmann. "Eine Zahl über offene Stellen sagt noch lange nichts über einen Fachkräftemangel aus."

Die genannte Zahl ist lediglich ein Maß für das Umschlagsverfahren. Mitarbeiter kündigen oder gehen in den Ruhestand, die Stellen werden ausgeschrieben, es finden Bewerbungsgespräche statt - das dauert alles seine Zeit, in der Stellen unbesetzt sind. Die IT ist eine große Beschäftigungsbranche mit inzwischen etwa einer Million Erwerbstätigen. Bei so vielen Mitarbeitern ist die Zahl offener Stellen zwangsläufig hoch, weil permanent viele Wechsel stattfinden.

Fachkräfte fehlen - aber nicht überall und nicht mehr lange

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Wirkliche Indizien für einen Mangel sind Besetzungs- und Vakanzzeiten. "Beides ist in der IT überdurchschnittlich hoch", sagt Beckmann. Etwa 130 Tage dauert es, bis eine qualifizierte IT-Stelle besetzt ist. Der Durchschnitt über alle Berufe liegt unter studiertem und ausgebildetem Fachpersonal bei 118. "Daraus und aus niedrigen Arbeitslosenzahlen kann man schon einen Fachkräftemangel ableiten", sagt Beckmann. Aktuell liegt die Arbeitslosenquote in der IT bei 2,7 Prozent. Bis zu drei Prozent spricht man von Vollbeschäftigung.

Einen wirklichen Fachkräftemangel gibt es nach Ansicht der Arbeitsagentur in den Bereichen Softwareentwicklung, Anwendungsberatung und technische Informatik. Diese Erkenntnis basiert auf den vorher genannten Kriterien wie Besetzungs- und Vakanzzeiten. Alle Prognosen gehen davon aus, dass der Bedarf an IT-Mitarbeitern aufgrund der Digitalisierung weiter steigen wird, so Beckmann.

Ab Mitte 2020 werde allerdings eine Entspannung am Arbeitsmarkt für IT-Fachkräfte eintreten, prognostiziert das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Denn neben dem Bedarf steigt mit einer steigenden Zahl an Absolventen auch das Angebot an IT-Fachkräften stetig.

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 IT-Jobs: Gibt es den Fachkräftemangel wirklich?
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quineloe 14. Nov 2019

Ja. Das ist wie programmieren. Du findest sicher Leute, die dir irgendeinen Scheißcode...

Bluejanis 14. Nov 2019

Oder der Lehrer. Nur weil derjenige gut programmieren kann, heißt es nicht, dass er auch...

frankietankie 13. Nov 2019

Naja, ganz so schlimm sieht es im öffentlichen Dienst auch nicht aus. Beim Bund gibt es...

amagol 08. Nov 2019

Stimmt, jeder bekommt was er bezahlt. Leider ist in Deutschland kaum ein Unternehmen...

AnonymousDeu 07. Nov 2019

Off-topic. Will hier nur folgendes sagen: Nein, Ayn Rand hatte nicht recht. Ihre...



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