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Schritt zwei und die ersten Hürden

Über eine Personalvermittlung habe ich mich für mein erstes Projekt als freier IT-Projektmanager beworben und war erfolgreich. Der Schritt, den festen Job zu kündigen, fiel dadurch leichter. Die ersten Einkünfte waren gesichert. Es folgte meine erste größere Hürde: die Bürokratie. Mir war nicht klar gewesen, was in meinem Angestelltenverhältnis eigentlich alles für mich geregelt worden war.

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Beispielsweise die Beiträge zur Krankenkasse. Die werden einem als Angestellter ja direkt vom Lohn abgezogen, man kann die gesetzliche Krankenkasse meist frei wählen, und wenn man zum Arzt geht, zeigt man nur die Karte vor. Dagegen sind die vielen Tarife für Freiberufler zunächst verwirrend und die Beiträge nicht zu unterschätzen - dieses Geld muss erst mal verdient werden. Es warten Vorauszahlungen oder sogar Nachzahlungen, es gibt neben der privaten Versicherung auch die freiwillig-gesetzliche Versicherung, es gibt Tarife mit und ohne Krankengeld, und bestimmte Sonderleistungen beim Arzt muss man zusätzlich bezahlen.

Kurz habe ich es da mit der Angst zu tun bekommen, denn man möchte ja gesundheitlich abgesichert sein. Andererseits gibt es auch positive Gründe, sich der Bürokratie zu widmen. Denn Banken wie die KfW fördern zum Beispiel Gründer und Selbstständige mit Zuschüssen und günstigen Krediten. Dafür muss man keinen Investoren-Pitch wie bei der "Höhle der Löwen" hinlegen, ein ausführlicher Nachweis über die Selbstständigkeit oder das eigene Business reicht.

Wenn man keinen Kredit möchte, sollte man auf jeden Fall für die erste Zeit oder eine schlechtere Phase gespart haben. Als ich anfangs neben der regulären Arbeit ein bisschen Einkommen hatte, dachte ich, dass ich meine Einkünfte brutto wie netto betrachten könnte. Als Kleinunternehmer muss man dank §19 UstG nämlich keine Umsatzsteuer ausweisen. Die Überraschung kam dann jedoch bei der Steuererklärung im Folgejahr. Da habe ich den Unterschied zwischen Umsatzsteuer und Einkommensteuer gelernt. Ein harter Lernprozess, denn ich musste einen schmerzhaften Anteil von meinem Konto für die Steuernachzahlung abgeben. Geld, das ich eigentlich schon für andere, schönere Sachen verplant hatte.

Später hat mich meine Steuerberaterin gefragt, wie man das denn nicht wissen könne. Tja, ich habe diese Informationen in meinem Angestelltenverhältnis einfach nie gebraucht. Unglaublich für jemanden, der diese Wörter täglich mehrfach nutzt. Hat man sich aber erst einmal durch diese neuen Aufgaben gekämpft, recherchiert, Entscheidungen getroffen und sich getraut, seine Finanzen selbst zu organisieren, ist die Selbstständigkeit nicht mehr so angsteinflößend.

Kunden gewinnen, Kunden behalten, Kunden verlieren

Ich habe mir von Anfang nichts vorgemacht und gewusst, dass man auch als Freelancer nie wirklich frei ist. Es sei denn, man gewinnt vorher oder nebenbei auch noch im Lotto (obwohl selbst das ja umstritten ist). Man braucht also Unternehmen, Menschen, die bereit sind, für die angebotene Arbeitsleistung Geld zu bezahlen. Was im Betrieb so selbstverständlich wirkt, ist als IT-Freelancer eine völlig neue Erfahrung. Das Geld kommt nicht mehr regelmäßig am Ende des Monats, jeder Auftrag muss (hart) verhandelt werden.

Als IT-Projektmanager habe ich in meinem ersten Jahr einige Kunden überzeugen können und auch einige verloren. Das gehört bei jedem Unternehmen dazu und ist ein normaler Vorgang, auch für einen Selbstständigen. Wie habe ich überzeugen können? Ich konnte Kunden zum Beispiel dadurch gewinnen, dass ich meine bisherigen Projekte kurz und prägnant vorstellte, auch inhaltlich und nicht nur mit dem Firmennamen. Dabei hob ich auch immer meine im Projekt eingesetzten Charaktermerkmale hervor. Die mir zurückgemeldete Fähigkeit, empathisch zu sein und sich in sein Gegenüber hineinversetzen zu können, ist meiner Meinung nach eine besondere Fähigkeit in der heutigen schnelllebigen Zeit. In einem Umfeld, in dem niemand mehr für den anderen Zeit hat, ist es eine besondere Eigenschaft, sich trotz Stress und Termindruck diese Zeit nehmen zu können. Zudem hat mich aktives Zuhören auch inhaltlich in vielen Projekten weitergebracht.

Als IT-Projektmanager habe ich mit vielen verschiedenen Personen im Unternehmen zu tun: mit Entwicklern, Geschäftsführern und Personalern. Dazu mit anderen Dienstleistern, Netzwerkpartnern und Zulieferern. Die charakterliche Komponente ist im Umgang mit den verschiedenen Gruppen ein entscheidendes Kriterium für viele Unternehmen, die nach IT-Projektmanagern suchen. Gerade wenn man als Ein-Mann-Unternehmen im Technologiesektor unterwegs ist, zählt nicht nur, wie gut man eine Programmiersprache, ein Tool oder eine Software beherrscht, sondern es zählen vor allem die Social Skills.

Bei früheren Bewerbungsgesprächen habe ich mir immer überlegt: Wie könnte ich mich anziehen und verhalten, wie könnte ich reden, so dass ich gut zum Unternehmen passe? Heute erzähle ich, wie ich bin, und wenn das mit der Unternehmenskultur zusammenpasst, weiß ich, dass die Zusammenarbeit gut sein wird. Mir ist es beispielsweise sehr wichtig zu wissen, wie Entwickler arbeiten, auch wenn ich selbst keine Programmiersprache beherrsche. Dadurch, dass man versteht, wie kompliziert (oder einfach) manche Probleme in der Softwareentwicklung umgesetzt werden können, kann man als Projektmanager auch besser Budgets planen und Timings besprechen. Ich weiß, was ich von Entwicklern erwarten kann, und versuche auch klarzustellen, was sie von einem IT-Projektmanager erwarten können. Zum Beispiel eine strukturierte Vorgehensweise und eine gute Vorbereitung.

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Chris7326 26. Feb 2020

Geniale Beschreibung, vielen Dank. Mir geht es aktuell so: Bin gerade aus Asien zurück...

sahirschah 27. Jan 2019

hallo, so nachtrag zu diesem projekt ... nach nur 9 tagen wurde das projekt mit...

sg-1 23. Jan 2019

Das Problem ist doch, dass jemand ohne Programmierkenntnisse sich gar nicht vorstellen...

DreiChinesenMit... 22. Jan 2019

Bin mir ziemlich sicher, dass es das mal gab auf dieser Seite. Ich weiß noch von einem...

freebyte 21. Jan 2019

Naja, gescheit quoten kannst Du nicht und das fällt unter "social skills". Für mich ist...


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