Zum Hauptinhalt Zur Navigation

IT-Jobs: Arbeitsplätze mit Wohlfühlgarantie

Top-IT-Arbeitgeber 2023
Gefragte IT-Fachkräfte können sich den Arbeitgeber aussuchen. Manager versuchen, ihre Mitarbeiter mit einer möglichst ausgewogenen Work-Life-Balance an das eigene Unternehmen zu binden.
/ Andreas Schulte
30 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Workation, also die Arbeit vom Urlaubsort oder aus der Heimat, wünschen sich viele ITler. (Bild: maeadr auf Pixabay)
Workation, also die Arbeit vom Urlaubsort oder aus der Heimat, wünschen sich viele ITler. Bild: maeadr auf Pixabay / Pixabay License

Stressige Projekte, zu wenig Personal. IT-Kräfte stoßen an ihre Belastungsgrenze – das ist der Normalfall in vielen Unternehmen in Deutschland. Beim Pharmazulieferer Sartorius in Göttingen hingegen verhält es sich anders. Hybride Arbeitsmodelle, flexible Arbeitszeiten und Überstundenabbau sorgen dafür, dass die Belastung der IT-Experten nicht überhandnimmt, obwohl es auch hier alle Hände voll zu tun gibt. Denn die vergangenen Jahre waren bei Sartorius von Wachstum geprägt.

"Unser Tarifvertrag gibt den Rahmen mit einer 35-Stunden-Woche vor" , sagt Dominik Kopp, Leiter der Softwareentwicklung in der IT am Standort in Göttingen. Seine Mitarbeiter führen Arbeitszeitkonten, und ob sie im Büro oder daheim ihr Pensum erledigen, ist ihnen in Kopps Bereich weitgehend freigestellt.

Diese Freiheiten nutzen die Mitarbeiter gerne. Denn das Bewusstsein der Beschäftigten für eine möglichst ausgeglichene Work-Life-Balance wächst. Immer mehr Männer nehmen beispielsweise Elternzeit, hat Kopp beobachtet. Und auch das Unternehmen beugt der Überlastung vor. Zweimal pro Jahr gibt es eine Mitarbeiterbefragung, die auch das Thema Arbeitsbelastung behandelt.

Viele ITler sind überlastet

Regelmäßige Mitarbeiterbefragungen, ein Tarifvertrag und eine achtsame Arbeitsumgebung – mit dieser Mischung für eine gute Work-Life-Balance lockt Sartorius neue Mitarbeiter und bindet Fachkräfte. Für die Zukunft des Unternehmens ist die so erzielte ausgewogene Work-Life-Balance der Mitarbeiter wichtiger denn je.

Denn die aktuelle Situation auf dem Arbeitsmarkt öffnet eine Schere. Einerseits fehlen fast allen IT-Abteilungen Fachkräfte, wodurch das Arbeitsvolumen anschwillt und das Überlastungsrisiko wächst. Andererseits müssen Führungskräfte ihre Experten vor zu viel Stress und einer Überbeanspruchung schützen.

Sartorius scheint dies besonders gut zu gelingen. Das belegt die Umfrage Deutschlands Beste IT-Arbeitgeber 2023 , die Golem.de in Zusammenarbeit mit Statista durchgeführt hat. Sartorius landete hinter dem Konsumgüterkonzern Beiersdorf und der Versicherung Hanse Merkur auf Platz drei beim Aspekt "Belastung und Balance". Golem hat dazu 23.000 Arbeitnehmer nach ihren Arbeitsbedingungen befragt.

Reklame

IT-Freelancer: Ein Handbuch nicht nur für Einsteiger

Jetzt bestellen bei Amazon (öffnet im neuen Fenster)

Wie hoch im Kurs eine ausgewogene Work-Life-Balance bei IT-Fachkräften steht, verdeutlicht eine bundesweite Studie des Baufinanzierers Interhyp. Unter 460 befragten IT-Angestellten im IT-Sektor zwischen 20 und 35 Jahren liegt die Work-Life-Balance bei den Kriterien für die Entscheidung über einen neuen Arbeitgeber auf Rang zwei – gleich hinter einer leistungsgerechten Bezahlung.

Die Sicht der Beschäftigten wird durch die verantwortlichen Personaler sogar noch getoppt. Laut einer Studie der Unternehmensberatung Lurse unter 244 HR-Managern von großen Mittelständlern und Konzernen in Deutschland ist die Work-Life-Balance mit 83 Prozent das am häufigsten genannte Instrument zur Steigerung der Arbeitgeberattraktivität(öffnet im neuen Fenster) .

Aber was gehört für IT-Fachkräfte überhaupt zur perfekten Work-Life-Balance? "Die meisten unserer Kandidaten aus dem IT-Umfeld wünschen sich die Möglichkeit zu einer hundertprozentigen Remote-Tätigkeit" , sagt Anna Lal, Leiterin Tech & IT bei der Personalberatung Avantgarde Experts. Die Einschätzung der Expertin deckt sich mit einer Studie der internationalen Personalberatung Academic Work(öffnet im neuen Fenster) unter jungen Arbeitnehmern in Deutschland.

Flexible Arbeitszeiten wünschen viele ITler

Darin nennen Befragte als wichtigste Aspekte für die Work-Life-Balance neben flexiblen Arbeitszeiten einen flexiblen Arbeitsort und möglichst große Entscheidungsfreiheiten innerhalb der eigenen Verantwortung. "Da besonders IT-Experten oft auch einen internationalen Hintergrund haben, werden zum Beispiel Workation, also die Arbeit in der Heimat oder am Urlaubsort, oder Vier-Tage Wochen ebenfalls stark nachgefragt" , hat Lal beobachtet.

Allzu leichtfertig sollten Arbeitgeber solchen Wünschen nicht nachgeben. "Wenn zum Beispiel ein neuer Kollege den hundertprozentigen Remote-Vertrag bekommt, der von anderen auch schon oft angefragt wurde, muss dem Arbeitgebenden bewusst sein, dass dieses Angebot entweder auch anderen ermöglicht werden sollte oder man sich zumindest auf kritische Rückfragen einstellen muss" , sagt Lal.

Nicht nur in dieser Hinsicht können sich die neuen augenscheinlichen Annehmlichkeiten als Boomerang erweisen. Denn viele Fachkräfte haben Probleme mit den neuen Freiheiten. Sie sind zwar produktiver, aber es fällt ihnen beispielsweise schwerer, die Arbeit zu beenden, wenn sie statt im Firmenbüro im Homeoffice arbeiten.

Demnach beklagen in einer Studie der indischen IT Beratung Haystack Analytics(öffnet im neuen Fenster) 81 Prozent der befragten IT-Kräfte, Fälle von Burnout hätten durch das Homeoffice zugenommen. Wie wichtig die Work-Life-Balance gerade auch im IT-Bereich ist, belegt die Academic-Works-Studie. Dort berichten 82 Prozent der jüngeren IT-Fachkräfte, sie seien von einem Burnout bedroht oder bedroht gewesen. Das liegt über dem Schnitt anderer Branchen, die auf 78 Prozent kommen. Academic Works befragte dazu 1.519 junge Berufstätige und Studierende in Deutschland.

Auch die IT-Führungskräfte haben es schwerer als vor der Coronakrise. Denn die Pandemie hat ihr Aufgabenfeld umgekrempelt. Sie müssen nun aus der Ferne führen. So gaben in einer aktuellen Studie der Personalberater von Kienbaum (PDF)(öffnet im neuen Fenster) fast zwei Drittel der befragten Führungskräfte an, dass Führen von örtlich verteilten Teams mit einer höheren Arbeitsbelastung verknüpft ist.

Personalengpass vermeiden

Mit mehr Fachkräften könnten Unternehmen die Belastung gleichmäßiger verteilen. Doch geeignete IT-Experten sind rar und teuer. Ihre Gehälter steigen seit Jahren an. Die Versicherung Hanse Merkur legt Wert auf eine ausreichend hohe Personaldecke in der IT: "Zusätzliche Stellen werden in der Regel bedarfsgerecht genehmigt" , sagt IT-Leiterin Susanne Rieve. "Das ist der erste Schritt zu einer gesunden Work-Life-Balance."

Reklame

IT-Freelancer: Ein Handbuch nicht nur für Einsteiger

Jetzt bestellen bei Amazon (öffnet im neuen Fenster)

Fündig werde das Unternehmen über Personaldienstleister und das Empfehlungsmanagement der eigenen Mitarbeiter. Die Bereitschaft der Mitarbeiter, ihr Unternehmen als Arbeitgeber weiterzuempfehlen, ist auch das zentrale Kriterium im Ranking der Top-IT-Arbeitgeber. Hanse Merkur erreichte hier Platz 101.

Der zweite Schritt besteht in der Schaffung geeigneter Arbeitsbedingungen. Das Unternehmen schult seine Fachkräfte in gesunder Führung. Eine mögliche Überlastung ist fester Bestandteil bei regelmäßigen Mitarbeitergesprächen.

Arbeitsort und die Einsatzzeit können Angestellte weitgehend frei bestimmen. Es herrscht keine Kernarbeitszeit. Mitarbeiter können ihre Arbeitszeit flexibel zwischen von neun 6 bis 21 Uhr gestalten. Gearbeitet wird größtenteils im Homeoffice. "Anwesenheit erwarte ich allerdings in bestimmten Situationen, etwa bei einem Projektstart. Insgesamt setze ich auf eine Vertrauenskultur, und dieses Vertrauen bekommt man zurück" , sagt Rieve.

Weitere Informationen zum Thema Top-IT-Arbeitgeber gibt es hier in unserem Karriere-Ratgeber


Relevante Themen