IT-Jobporträt Spieleprogrammierer: "Ich habe mehr Code gelöscht als geschrieben"

Wenn man im Game durch die weite Steppe reitet, auf Renaissance-Hausdächern kämpft oder stundenlang Rätsel löst, fragt man sich manchmal, wer das alles in Code geschrieben hat. Ein Spieleprogrammierer von Ubisoft sagt: Wer in dem Traumjob arbeiten will, braucht vor allem Geduld.

Artikel von Maja Hoock veröffentlicht am
Der Spieleprogrammierer Gennadiy Bardachev bei der Arbeit
Der Spieleprogrammierer Gennadiy Bardachev bei der Arbeit (Bild: Maja Hoock)

Ein zwei Meter großer Alexios mit rotem Umhang und langem Haar aus Assassin's Creed: Odyssey bewacht den Eingang. Ansonsten ist das Bürogebäude unweit des japanischen Viertels in Düsseldorf zweckmäßig: Neonlampen, weiße Wände, blaue Teppiche und Schreibtische in Holzoptik. Das Blue Byte Studio in Düsseldorf gehört seit 2001 zu Ubisoft und ist mit seinen 255 Mitarbeitern neben Mainz und Berlin der dritte deutsche Standort des französischen Spieleentwicklers. Assassin's Creed: Identity wurde unter anderem dort entwickelt, ebenso Die Siedler, Rainbow Six Siege und For Honor.

Inhalt:
  1. IT-Jobporträt Spieleprogrammierer: "Ich habe mehr Code gelöscht als geschrieben"
  2. Ein Schritt vor und zwei zurück

Gennadiy Bardachev arbeitet dort seit sieben Jahren. Mit einer VR-Brille auf der Nase und Kabeln um die Füße steht er in einem der Testräume und ruft seinem Kollegen über das Mikrofon zu: "Ich klettere die Wand hoch!" Der Programmierer befindet sich in einer virtuellen Pyramide aus dem neuen Escape-Room-Game Escape The Lost Pyramid für Arkaden und schaut zum hundertsten Mal auf eine Steinwand mit roten Sprossen. Gerade hat er den Voice- vom Games-Server separiert und testet, ob der Ton noch funktioniert: "Es gibt einen Netzwerkserver, über den die Spieldaten laufen, und einen Sprachkanal, der mehr Bandbreite benötigt. Bei vielen Spielern könnte das zum Problem werden", erklärt er. Seine Lösung: "Jedes Viererteam teilt sich einen Voice-Server und kommuniziert nur untereinander." Das in Code festzuhalten, hat ihn vier Tage Arbeit gekostet. "Es klappt", sagt er schließlich zufrieden.

Das erste Spiel als Sechsjähriger programmiert

King's Bounty war das erste Videospiel, das der gebürtige Ukrainer spielte. Kurze Zeit später begann er schon, selbst Spiele zu entwickeln. Seine Eltern, ein Schauspieler und eine Ingenieurin, schickten den sechsjährigen Gennadiy in einen Computerkurs in Odessa: "Das Einzige, was wir Jungs dort den ganze Tag gemacht haben, war, mit den klobigen, metallverkleideten Tastaturen der UdSSR-Computer Spiele zu programmieren", erinnert er sich - Asteroids-Klone. 1994 emigrierte die Familie mit dem Schüler nach Düsseldorf, wo er seinen ersten Rechner geschenkt bekam. Dort machte er auch eine Ausbildung zum informationstechnischen Assistenten und studierte Informatik - das Fach Spieleentwicklung gibt es erst seit ein paar Jahren an deutschen Universitäten. Darum entwickelte Bardachev immer wieder kleine Games privat nebenbei.

  • Der Games-Programmierer Gennadiy Bardachev in einem Testraum (Bild: Maja Hoock)
Der Games-Programmierer Gennadiy Bardachev in einem Testraum (Bild: Maja Hoock)

Als er dann die freie Stelle bei Ubisoft Blue Byte sah, wollte er sich sofort bewerben. Nachdem er ein Testspiel programmiert hatte, wurde er in der Tools-Entwicklung für Die Siedler Online und Anno Online angenommen: "Dort brauchte ich keine Ausbildung im Spielebereich", sagt er. Er schrieb Chat- und Support-Tools, wollte aber insgeheim lieber Spiele programmieren: "Ich habe die Firma schon fast verlassen, als mich der Backend-Lead von Assassin's Creed: Identity in der Türe abgefangen hat und meinte, ich soll in sein Projekt kommen." So wurde Bardachev endlich Spieleentwickler. Heute unterrichtet er auch als Dozent im Masterstudiengang Games Engineering in Salzburg.

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An einem typischen Arbeitstag kommt der Programmierer gegen 9 Uhr ins Büro, startet die Entwicklungsumgebung Visual Studio und die Engine Unity: "Und weil ich an einem VR-Spiel arbeite, wo ich mit dem Server zu tun habe, starte ich alles, was kompiliert. Dann fange ich an zu debuggen und zu testen, ob es funktioniert, wie eben die Voice für den Escape Room." Zunächst testet Bardachev den Haupteinsatzzweck, zum Beispiel, dass alle sich mit dem Spiel verbinden und über das Mikrofon miteinander reden. Je mehr Erfahrung ein Programmierer hat, desto mehr seltene Fälle denkt er im Test durch: "Das Mikrofon von Spieler eins ist etwa nicht ganz kaputt, aber es hat eine Störung. Und plötzlich können alle nicht mehr miteinander kommunizieren. Das ist schwierig und man arbeitet sich dann eben ein." Dazu gehört, dass man oft einen Schritt vor und zwei zurückgeht: "Ich habe wahrscheinlich mehr Quellcode gelöscht als geschrieben."

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Ein Schritt vor und zwei zurück 
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gadthrawn 19. Feb 2019

Ah.. Unterscheide Diplom (BA) Diplom (FH) Diplom (Uni) Wirkt sich tatsächlich vor allem...

nicoledos 13. Feb 2019

Code von anderen Mitarbeitern und Standardroutinen aus zugekauften Bibliotheken. Von...

Anonymer Nutzer 03. Feb 2019

Ja, der Code von anderen ist immer scheibe

DeathMD 01. Feb 2019

Natürlich gibt es die auch, aber wie du schon sagst, kommen die mittlerweile aus dem...

CSCmdr 31. Jan 2019

Der Weg ist das Ziel. Ein Spiel selbst entwicklen macht meist noch viel mehr Spaß als das...



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