IT in Schulen: Saarland führt Informatik als Pflichtfach ein

Im Saarland werden ab dem Schuljahr 2023/24 alle Schülerinnen und Schüler der Gemeinschaftsschulen und Gymnasien ab Klassenstufe 7 verpflichtend zwei Stunden Informatikunterricht erhalten. Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot und Informatik-Professorin Verena Wolf stellten am Dienstag die Leitlinien vor, die nun in konkrete Lehrpläne umgesetzt werden sollen(öffnet im neuen Fenster) .
Ziel sei es, das Fach sinnvoll mit bestehenden Fächern zu verzahnen. "Wir wollen nicht, dass die Schülerinnen und Schüler zusätzlichem Stress ausgesetzt werden" , sagte sie. Wie das Fach genau in den Lehrplan eingebettet wird, muss laut Bildungsministerin die künftige Landesregierung klären. Im Saarland finden am 27. März Landtagswahlen statt.
"Digitalisierung und der damit verbundene Transformationsprozess wird von uns als zentrale Herausforderung der Bildungspolitik im 21. Jahrhundert gesehen" , sagte Streichert-Clivot. Ziel sei es, das digital gestützte Lernen und Lehren an den Schulen und die Vermittlung notwendiger Kompetenzen zum Leben und Arbeiten in dieser digitalen Welt voranzubringen.
Frühe Förderung gegen Fachkräftemangel
"Nicht zuletzt ist es für uns auch eine Frage der Bildungsgerechtigkeit" , so die Ministerin. Es gehe darum, die Entwicklungschancen und Aufstiegschancen, aber auch die Einkommensperspektiven für Kinder und Jugendliche bei ihrem späteren Eintritt in den Arbeitsmarkt erheblich zu verbessern.
Die Einführung von Informatik als Pflichtfach soll auch dem Fachkräftemangel im IT-Bereich entgegenwirken – "auch unabhängig von Herkunft und Geschlecht" , betont Streichert-Clivot. Informatik-Professorin Verena Wolf nennt einen Frauenanteil von 18 Prozent in der IT-Branche und im Informatik-Studiengang an der Saar-Uni. "Ich finde es frustrierend, dass dieser Anteil in den letzten Jahrzehnten kaum gestiegen ist" , sagte sie. Es sei wichtig, auch bei Mädchen frühzeitig das Interesse an Informatik-Themen zu wecken.
Am 8. März hatte der Branchenverband Bitkom eine neue Studie über die Position von Frauen in IT-Unternehmen veröffentlicht . Bitkom-Vizepräsidentin Sabine Bendiek nannte die darin genannten Zahlen einen "Weckruf" . Die IT-Branche sei auch auf weiblichen Nachwuchs angewiesen, damit es langfristig ausreichend Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt gebe.