IT: Frauen, die programmieren und Bier trinken

Fest angestellte Informatiker sind oft froh, nach Feierabend nicht schon wieder in ein Get-together zu müssen. Doch was ist, wenn man kein Team hat und sich selbst Programmieren beibringt? Women Who Code veranstaltet Programmierabende für Frauen, denen es so geht. Golem.de war dort.

Artikel von Maja Hoock veröffentlicht am
Bei Women Who Code tauschen sich Frauen über Programmierung aus - und mehr.
Bei Women Who Code tauschen sich Frauen über Programmierung aus - und mehr. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)

Ein Industrieloft in Kreuzberg. Unter Neonröhren sitzen 20 Frauen vor ihren Laptops, ein Baby schreit, es gibt Obst und Stullen, dazu ein paar Informationen, wer einem da eigentlich gegenübersitzt: "Hi, ich bin Ellie, Entwicklerin aus Australien und neu in Berlin", sagt eine etwa 40-Jährige mit Brille. "Ich bin hier, um Kontakte zu knüpfen." Die deutlich jüngere Leslie am selben Tisch will Webdeveloperin werden, lernt Javascript und hat ihre Aufgaben mitgebracht, an denen sie in den nächsten Stunden arbeiten wird. Zu Hause kann sie sich nicht so gut konzentrieren.

Inhalt:
  1. IT: Frauen, die programmieren und Bier trinken
  2. Sich gegenseitig helfen, besser zu programmieren

Es folgen weitere Vorstellungen, darunter eine Master-Studentin mit ihrer Machine-Learning-Hausaufgabe, eine Chatbot-Entwicklerin, die mit Hilfe der anderen einen Whatsapp-Bot bauen will, eine Spiele-Developerin, die Input zum Thema KI in Games braucht und eine Dozentin der FH Potsdam, die Unity kennenlernt. Sie haben das gleiche Ziel: erfolgreicher werden, also bei dem Treffen ihre IT-Projekte voranbringen, Fragen beantworten lassen und Programmieren üben. Dazu bearbeiten sie mitgebrachte Aufgaben oder ein Lernprojekt der Gastgeber Women Who Code (WWC).

Auch wenn die Gruppe offiziell keine politische Agenda besitzt oder Lobbyarbeit betreibt, arbeitet sie damit an einem Wandel in der IT-Wirtschaft: Es gibt zwar mehr weibliche IT-Fachkräfte als vor ein paar Jahren, doch in Deutschland machen sie weiterhin nur 17 Prozent aus (siehe Grafik). Besonders der Einstieg in leitende Positionen fällt vielen Frauen offenbar noch schwer. Die WWC wollen das ändern, schaffen die Infrastruktur dazu und helfen beim Netzwerken.

Zu den Coding-Abenden finden die Teilnehmer über Meetup.com. Später bleiben sie über einen eigenen Slack-Kanal weiter in Kontakt. Außerdem lernt man Mitglieder anderer Gruppen wie Women Techmakers, Pyladies oder Women Who Go kennen. Die Talk Nights wie etwa zu "Levenshtein distance and its implementation in programming" bei Bosch Software Innovations sind nebenbei ebenfalls große Kontaktbörsen.

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Viermal findet der Programmierabend im Büro des Kochbox-Startups Marley Spoon statt, alle zwei Wochen an einem Dienstagabend. Dann wechselt der Gastgeber und ein neues IT-Unternehmen stellt den WWC einen Raum. Das ist für beide Seiten interessant: "Es ist schon vorgekommen, dass Frauen einen Job in dem Startup bekommen haben, wo wir den Coding-Abend veranstaltet haben", sagt Sarah Köhler. "Viele kommen vorbei, um die Firmen mal von innen zu sehen, lernen die Mitarbeiter kennen und bewerben sich." Die Frontend-Entwicklerin ist seit drei Monaten bei WWC und organisiert seitdem gemeinsam mit der Software-Ingenieurin Radost Rychtera sogenannte Hack Nights. Sie gehen von Tisch zu Tisch, fragen, woran die Frauen arbeiten, und bieten ihre Hilfe an.

Radost Rytera setzt sich neben die Teilnehmerin Anne, die konzentriert auf ihren Bildschirm starrt: "Das ist ein Open-Source-Projekt von Women Who Code", erklärt Anne. "Ziel ist, dass man sich leichter auf Github zurechtfindet." Anne geht regelmäßig zu den Treffen, um dort Fragen zu stellen: "Ich will Developerin werden", sagt die arbeitslose Hydrologin, die zuletzt in einem Ingenieurbüro angestellt war. "Es gibt in Berlin einfach zu wenige Arbeitgeber in meinem Bereich, darum steige ich in Datenverarbeitung, Prozessautomatisierung und Programmieren ein - eine Branche, die mir mehr Chancen bietet." Dafür übt sie nun also am sogenannten Issues Explorer von WWC.

Es geht dabei darum, aus Github die Open-Source-Projekte herauszusuchen, die für Anfänger geeignet sind: "Es besteht aus zwei Teilen, einmal dem Backend, welches die Daten sammelt und zur Verfügung stellt, und aus einer Webseite, auf der die Projekte durchsucht und gefiltert werden", erklärt Organisatorin Sarah Köhler. "Teilnehmer der Hack Night, die nicht wissen, woran sie arbeiten wollen, haben dadurch ein Angebot. Und wenn die Webseite steht, können wiederum die Teilnehmer die Seite nutzen, um Open-Source-Projekte zu finden, an denen sie arbeiten können."

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Sich gegenseitig helfen, besser zu programmieren 
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Bonita.M 20. Dez 2018

Das ist völliger Schwachsinn! Man kann auch bei Funktionen mit sprachlichem Standard...

sg-1 18. Dez 2018

Das erinnert mich dran, dass ich noch Bier zu hause habe. Danke für die Erinnerung...

MickeyKay 07. Dez 2018

Witzig, dazu halte ich gleich in einer Stunde einen Vortrag und stelle dort einen...

der_wahre_hannes 05. Dez 2018

Nordkorea natürlich.



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