IT-Fachkräftemangel: Es müssen nicht immer Informatiker sein

Die Corona-Pandemie scheint der Digitalisierung tatsächlich einen Schub zu geben. Aber woher sollen die dafür nötigen ITler kommen?

Ein Interview von Peter Ilg veröffentlicht am
Oliver Falck plädiert dafür, auch in anderen Berufen nach Menschen mit IT-Wissen zu suchen.
Oliver Falck plädiert dafür, auch in anderen Berufen nach Menschen mit IT-Wissen zu suchen. (Bild: ifo Institut)

Anfang Mai vermeldete das Jobportal Talent IO, die Coronakrise gefährde auch die Jobs von IT-Spezialisten, das Ifo Institut kommt in einer gemeinsamen Auswertung mit dem beruflichen Netzwerk Linkedin zu einem anderen Ergebnis. Demnach ist die Zahl der Stellenangebote in der Branche Software und IT-Dienstleistungen um 21 Prozent gestiegen. Auch Oliver Falck ist überzeugt: Der Bedarf an IT-Spezialisten wird nach Corona eher wachsen. Falck ist Leiter des Zentrums für Industrieökonomik und neue Technologien am ifo Institut und Professor für Volkswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

Inhalt:
  1. IT-Fachkräftemangel: Es müssen nicht immer Informatiker sein
  2. Umschulung macht keine Buchhändler zu IT-Spezialisten

Er sagt: Wenn die passenden Beschäftigten für einen Wechsel in IT-Berufe gewonnen werden könnten, würde das den großen Mangel an IT-Personal spürbar mildern. Berufe mit IT-Bezug gebe es genügend, unter anderem Volkswirte, Psychologen, Vermessungsingenieure. Dass diese Leute durch eine Fortbildung keine IT-Experten wie Informatiker werden können, ist seiner Meinung nach nicht schlimm. Denn es würden auch IT-Fachkräfte gebraucht, die nicht die erste Geige spielten.

Golem.de: Laut der Auswertung des ifo Instituts von Linkedin hat sich die Zahl der Stellenangebote aus der Branche Software und IT-Dienstleistungen für IT-Fachkräfte von März bis Mai gegenüber dem Vorjahr erhöht. Andere Branchen bauen Jobs ab. Gehen Sie davon aus, dass wenn die Wirtschaft wieder rundläuft, es zu einem stärkeren Anstieg an Stellenangeboten für IT-Experten kommt?

Oliver Falck: Ich bin davon überzeugt, dass die Nachfrage nach IT-Fachkräften sich auch nach Corona fortsetzen wird, eher noch steigt, weil nicht nur die IT-Branche selbst, sondern ganz viele andere Industrien IT-Spezialisten brauchen. Schon vor und auch während Corona waren IT-Experten die am meisten gesuchten Fachkräfte, etwa im verarbeitenden Gewerbe.

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Golem.de: Ohne IT-Fachpersonal ist die Digitalisierung nicht zu machen. Doch daran mangelte es schon vor der Krise, künftig vielleicht noch mehr. Droht die Digitalisierung daran zu scheitern?

Falck: Ich würde sogar noch einen Schritt weitergehen: Der Mangel an digitalen Kompetenzen in anderen Berufen, in denen IT-Wissen wichtig wäre, gefährdet die Digitalisierung. In einer Untersuchung im vergangenen Jahr haben wir ebenfalls mit Linkedin herausgefunden, dass nur etwa ein Drittel der gut qualifizierten Mitarbeiter im verarbeitenden Gewerbe digitale Fachkompetenzen besitzt. Das ist natürlich viel zu wenig.

Golem.de: Die Absolventenzahlen in der Informatik steigen stark und die IT-Ausbildungsberufe werden hervorragend angenommen. Doch was an Fachpersonal auf den Markt kommt, reicht bei weitem nicht aus, den Bedarf zu decken. Was ist Ihre Idee, um die Lücke annähernd auszugleichen?

Falck: Es hilft nur, wenn wir die Sache von mehreren Seiten aus angehen. Langfristig ergibt es Sinn, mehr Werbung für diese Ausbildungsberufe und Studiengänge zu machen, gerade in den Gruppen, die wir bislang nicht ausreichend erreichen - das sind vor allem junge Frauen.

Coaching und Beratung für IT Profis, die sich beruflich weiterentwickeln wollen

Weiter müssen wir auf qualifizierte Zuwanderung setzen. Seit März gibt es das neue Fachkräftezuwanderungsgesetz, das allerdings während der Corona-Krise ein Stück weit untergegangen ist. Weil es einen internationalen Wettbewerb um IT-Fachkräfte gibt, sollten wir daran arbeiten, ein noch attraktiveres Land für Zuwanderer zu sein.

IT-Dienstleistungen werden wir zunehmend aus dem Ausland einkaufen, wofür aber wiederum Digitalisierung notwendig ist, um globale IT-Dienste überhaupt nutzen zu können. Und schließlich sollten wir uns überlegen, wo wir IT-Kompetenzen in anderen Berufen außer bei ausgebildeten IT-Fachkräften finden, die wir zumindest weiterentwickeln können, um sie zu Experten auf dem Gebiet zu machen, wo wir sie wirklich brauchen.

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Umschulung macht keine Buchhändler zu IT-Spezialisten 
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Matt17 03. Jul 2020

Das ist aber auch das, was ich meine. Gerade traditionelle Firmen haben keine Ahnung, wie...

DrLindner 30. Jun 2020

Das ist doch nichts neues. Sobald es darum geht Mitarbeiter fair zu bezahlen, kommt der...

Maturion 26. Jun 2020

Ich weiß worauf du hinaus willst. Physik und speziell Mathematik sind aber schlechte...

Auspuffanlage 26. Jun 2020

Also das hatte meine Freundin nicht bezahlt die hatte eine Zweizimmerwohnung unter 600...

aLpenbog 25. Jun 2020

Bin auch gespannt, ob das Änderungen bringt, wobei ich da noch nicht an 100% Homeoffice...



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