Unternehmen klagte gegen ersten Wahlvorstand

Als Reaktion auf die Veränderungen entschlossen sich einige Mitarbeiter im Mai 2015, die Gründung eines Betriebsrates an den Standorten Dortmund und Wolfsburg anzustoßen - mit Unterstützung der IG Metall. In Dortmund arbeiten etwa 900 Mitarbeiter, in Wolfsburg sind es nur vier - für einen eigenen Betriebsrat wäre das Unternehmen laut Betriebsverfassungsgesetz zu klein, daher würde ein Betriebsrat am Stammsitz ebenfalls in Wolfsburg aktiv werden.

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Die Gründung dieses Betriebsrates soll nach Aussage verschiedener Quellen von der Unternehmensleitung sabotiert worden sein. Mitarbeiter aus der Verwaltung sollen angehalten gewesen sein, einen Betriebsrat schlechtzureden und auf die Nachteile hinzuweisen, etwa weniger Flexibilität und hohe Kosten. Außerdem seien Mitarbeiter, die das Anliegen eines Betriebsrates unterstützten, kurzfristig zu Personalgesprächen gebeten worden, bei denen sie sich für ihr Engagement hätten rechtfertigen müssen. Außerdem sollen einige Mitarbeiter, die der Geschäftsleitung eher freundlich gegenüberstehen, "mehr Freiheiten" gehabt haben, ihr Anliegen auf internen Kommunikationsplattformen zu bewerben als andere.

Kurz nachdem die Mitarbeiter die Gründung eines Wahlvorstandes zur Wahl eines Betriebsrates angekündigt hatten, gab es eine zweite Initiative, dieses Mal für einen unternehmensweiten Betriebsrat für alle elf Materna-Standorte in Deutschland. Ein unternehmensweiter Betriebsrat hätte für den Arbeitgeber Vorteilte - er müsste weniger Mitarbeiter für die Betriebsratsarbeit freistellen, als wenn an jedem Standort ein eigener Betriebsrat gegründet würde. Allerdings könnte ein unternehmensweiter Betriebsrat nicht ohne weiteres auf die Bedürfnisse aller Mitarbeiter eingehen, wenn diese an verschiedenen Orten in ganz Deutschland arbeiten.

Das Betriebsverfassungsgesetz lässt zwar durchaus zu, dass ein Betriebsrat unternehmensweit aktiv ist - dies gilt aber eher für Unternehmen, die in einer Stadt einen Hauptsitz und mehrere Filialen im unmittelbaren Umkreis haben - etwa Frisöre oder Bäcker. Die Standorte von Materna sind zum Teil mehrere hundert Kilometer voneinander entfernt.

Geschäftsleitung bestreitet Sabotage

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Die Geschäftsleitung von Materna bestreitet, dass sie selbst die Gründung eines zweiten Betriebsrates angeregt habe - und verweist auf eine interne Abstimmung der Mitarbeiter im Intranet. Dort hätten sich etwa 60 Prozent der stimmberechtigten Mitarbeiter für die Gründung eines unternehmenseinheitlichen Betriebsrats an allen Standorten ausgesprochen.

Materna widerspricht auch der Aussage, dass das Management die Gründung eines Betriebsrates habe verhindern wollen: "Wir dürften die Gründung eines Betriebsrates gar nicht verhindern und wir haben das auch nicht versucht", sagte Gerion Wolff im Gespräch mit Golem.de. "Wir haben sogar einen externen Veranstaltungsraum organisiert und die Mitarbeiter mit Bussen zu der etwa fünfstündigen Veranstaltung gefahren."

Gericht wies Eilbedürftigkeit ab

Allerdings versuchte die Geschäftsführung von Materna, die Gründung des Betriebsrates am Standort Dortmund mit einer Klage zu stoppen - die weitere Gründung des Betriebsrates sollte per einstweiliger Verfügung unterbunden werden. Das Arbeitsgericht in Dortmund und das Landesarbeitsgericht in Hamm sahen jedoch keine Eilbedürftigkeit der Klage und wiesen diese ab (Aktenzeichen 6 BVGa 15/16 sowie 8 BVGa 21/16 und 7 TaBVGa 3/16). Da eine Entscheidung im Hauptsacheverfahren zwölf Monate oder länger gedauert hätte, entschloss die Leitungsebene sich, den Klageweg nicht weiter zu verfolgen.

Dabei verwarf das Gericht auch die Argumentation von Materna, dass ein Betriebsrat an nur einem Standort zu Problemen in gemischten Teams führen könnte, deren Mitarbeiter in verschiedenen Städten arbeiten.

Nach dem negativen Urteil wurde auch die Gründung des unternehmensweit einheitlichen Betriebsrates abgebrochen. Mittlerweile fanden am Standort Dortmund am 12. September 2016 die Wahlen für den dortigen Betriebsrat statt, der seine Arbeit aufgenommen hat und über 13 Mitglieder verfügt. Informationen über die geplante Gründung von Betriebsräten an anderen Standorten von Materna liegen dem Unternehmen nach Angabe von Wolff derzeit nicht vor.

Negative Bewertungen bei Jobportalen

Auffällig ist, dass die Bewertungen des Arbeitgebers Materna auf dem Jobportal Kununu oder Glassdoor sehr unterschiedlich sind. Zahlreichen sehr schlechten Bewertungen stehen hier auffällig gute entgegen. Meinungen aus dem Mittelfeld kommen hingegen eher selten vor. Unsere Quelle behauptet, dass hier auf Druck des Arbeitgebers Praktikanten verpflichtet worden seien, gute Zeugnisse für den Arbeitgeber abzugeben - eine Darstellung, die wir nicht unabhängig überprüfen können.

In den negativen Kommentaren finden sich jedoch zahlreiche Kritikpunkte, die auch unsere Quelle uns genannt hat. Immer wieder werden fehlende Möglichkeiten zur Mitbestimmung kritisiert, auch schlechtes Gehalt wird genannt. Besonders auffällig aber ist, dass immer wieder eine große Kluft zwischen den normalen Arbeitnehmern und dem Management genannt wird.

Am Standort Dortmund sollen trotz der im September erfolgten Gründung des Betriebsrates zahlreiche Kündigungen von Mitarbeitern vorliegen, die sich bei neuen Arbeitgebern vor allem bessere Verdienstmöglichkeiten und bessere interne Strukturen zur Mitbestimmung erhoffen. Bis der Betriebsfrieden nach den internen Auseinandersetzungen wiederhergestellt ist, dürfte es noch dauern.

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tröt42 28. Jan 2019

Natürlich werden wir ITler regelmäßig von Headhuntern angeschrieben. Aber wie hier schon...

sfreund 21. Okt 2016

Sehr geehrter Herr fordprefect42, aus welcher meiner Äußerungen glauben Sie...

grorg 19. Okt 2016

und was ich von ihm in den letzten Monaten gehört habe ist ziemlich 1:1 dieser Artikel...

theWhip 17. Okt 2016

Von innen sieht jedes Hamsterrad wie eine Leiter aus...

gadthrawn 17. Okt 2016

Meist wissen die Miarbeiter, warum sie genau diesen Betriebsrat gewählt haben. Und zwar...



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