Zum Hauptinhalt Zur Navigation

IT: Britisches Ministerium nutzt Windows 10 trotz Supportende

Das britische Umwelt- und Landwirtschaftsministerium erneuert seine IT für 312 Millionen Pfund – setzt dabei aber weiterhin auf Windows 10 .
/ Przemyslaw Szymanski
2 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Logo des britischen Department for Environment, Food and Rural Affairs (Defra) (Bild: Oli Scarff/Getty Images)
Logo des britischen Department for Environment, Food and Rural Affairs (Defra) Bild: Oli Scarff/Getty Images

Das britische Umwelt- und Landwirtschaftsministerium Defra (Department for Environment, Food and Rural Affairs) hat rund 312 Millionen Pfund in die Modernisierung seiner IT investiert – darunter auch in den Austausch von mehr als 30.000 Windows-7-Rechnern durch Geräte mit Windows 10. Laut The Register(öffnet im neuen Fenster) wurde der Vorgang durch ein Schreiben (PDF-Dokument)(öffnet im neuen Fenster) vom 10. Oktober 2025 bekannt, das Defra an den Vorsitzenden des Rechnungsprüfungsausschusses, Sir Geoffrey Clifton-Brown, geschickt hatte.

Demnach zeigte die Antwort der Behörde, wie groß der Modernisierungsbedarf tatsächlich war. Ein erheblicher Teil der eingesetzten Windows-7-Rechner war bereits außerhalb des regulären Supports, weshalb Defra kurzfristig eine nutzbare und etablierte Plattform benötigte. Windows 10 erwies sich dabei offenbar als Plattform, die sich ohne größere Anpassungen in den bestehenden Betrieb integrieren ließ.

Eine wesentliche Rolle spielte dabei, dass zahlreiche Altanwendungen explizit für Windows 10 ausgelegt waren. The Register verweist auf insgesamt 137 Programme, die im Zuge der Modernisierung in neue Umgebungen überführt werden mussten. Besonders sensibel waren laut Unterlagen insbesondere die fachlichen Kernsysteme der Behörde.

In dem Schreiben an den Ausschuss heißt es dazu: "Diese Arbeiten werden auch die Zuverlässigkeit und Sicherheit unserer kritischen Systeme unterstützen und unsere Anfälligkeit für potenziell erhebliche Risiken verringern, die das Wachstum und die Produktivität des Vereinigten Königreichs in Bereichen wie Hochwasserschutz, Grenzkontrollen und Tiergesundheit gefährden würden."

Parallel dazu modernisierte die Behörde weitere zentrale Bereiche ihrer Infrastruktur. Neben der Konsolidierung von Servern und der Überarbeitung der Netzwerke nahm Defra vor allem sicherheitsrelevante Altbestände ins Visier: Über 49.000 als kritisch eingestufte Schwachstellen wurden geschlossen und ein erstes, in die Jahre gekommenes Rechenzentrum stillgelegt. Drei weitere sollen in den kommenden Jahren folgen.

Unklarer Finanzbedarf für erweiterten Support

Auch wenn Defra mit den jüngsten Maßnahmen viele sicherheitsrelevante Altlasten abgearbeitet und zentrale Bereiche seiner Infrastruktur stabilisiert hat, wirft die Entscheidung für Windows 10 weiterhin Fragen auf. Die Umstellung erfolgte nämlich zu einem Zeitpunkt, an dem das Betriebssystem bereits auf das Ende seines regulären Supports zusteuerte. Damit ist die Behörde faktisch bereits auf kostenpflichtige Extended Security Updates angewiesen.

Laut The Register ist zudem offen, ob ein Teil der insgesamt 312 Millionen Pfund nicht bereits für diese erweiterten Sicherheitsupdates veranschlagt wurde, da die Behörde dazu keine Auskunft gab. Diese Unklarheit verstärkt die Befürchtung von Beobachtern, die darin ein Risiko sehen: Die Behörde investiert hohe Summen in Geräte, deren Betriebssystem schon jetzt kurz davor steht, nicht mehr regulär unterstützt zu werden.

Hinzu kommt, dass die Antwort des Ministeriums erheblich später eintraf als vorgesehen. Das Schreiben vom Oktober 2025 ging fast zwei Jahre nach der ersten Aufforderung des Rechnungsprüfungsausschusses ein.


Relevante Themen