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IT-Arbeitsmarkt: Block-Mitarbeiter zweifeln an Dorseys KI-Narrativ

Nachdem Jack Dorsey die Belegschaft von Block fast halbiert hat, widersprechen Angestellte der Darstellung, KI -Tools könnten sie ersetzen.
/ Nils Matthiesen
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Jack Dorsey ersetzt Mitarbeiter durch KI. (Bild: MARCO BELLO/AFP via Getty Images)
Jack Dorsey ersetzt Mitarbeiter durch KI. Bild: MARCO BELLO/AFP via Getty Images

Der Finanzdienstleister Block (ehemals Square) hat vor kurzem rund 4.000 Mitarbeiter entlassen . CEO Jack Dorsey begründete diesen Schritt mit massiven Produktivitätssteigerungen durch den Einsatz künstlicher Intelligenz. In einem Brief an die Aktionäre gab Dorsey an, dass ein signifikant kleineres Team unter Nutzung der intern entwickelten KI-Werkzeuge mehr und bessere Arbeit leisten könne. In einem Interview mit Wired(öffnet im neuen Fenster) spezifizierte Dorsey, dass insbesondere die Veröffentlichung von Modellen wie Anthropic Opus 4.6 und OpenAI Codex 5.3 die technologischen Voraussetzungen drastisch verändert habe. Sein Ziel sei es, dass sich das Unternehmen wie eine "Mini-AGI" (Artificial General Intelligence) anfühle.

Mitarbeiter berichten von Überwachung und Fehlern

Mehrere aktuelle und ehemalige Mitarbeiter widersprechen dieser Darstellung in Berichten des Guardian(öffnet im neuen Fenster) deutlich. Während das Management behauptet, die Effizienz in der Softwareentwicklung sei seit September um über 40 Prozent gestiegen, geben Techniker an, dass rund 95 Prozent des KI-generierten Codes manuelle Nachbesserungen erforderten.

Die Tools entsprächen beim ersten Versuch selten den Unternehmensstandards. Zudem wird berichtet, dass der Druck zur KI-Nutzung massiv erhöht wurde. Leistungsbeurteilungen enthalten mittlerweile spezifische Fragen zur KI-Kompetenz. Laut internen Quellen wird die Nutzung sogar auf Token-Ebene überwacht.

Einige Angestellte werfen der Führungsebene außerdem vor, sie hätten ihre eigenen Nachfolger trainieren müssen. Über Monate hinweg sei die Belegschaft gedrängt worden, Aufgaben zu automatisieren, was nun als Rechtfertigung für die Entlassungen diene. Ein Mitarbeiter bezeichnete die Argumentation als "CEO-Bullshit" . Intern herrsche "Survival-Modus" , da verbliebene Teams nun die Arbeitslast der entlassenen Kollegen tragen müssten, ohne dass die KI-Tools die versprochene Entlastung brächten.

Probleme im Kundensupport und bei Regulierungen

Auch im operativen Geschäft zeigen sich laut den Berichten Risse. Interne Umfragen deuteten darauf hin, dass KI-Chatbots im Kundensupport schwerwiegende Fehler machen, wie etwa die Empfehlung, Konten zu kündigen, um einfache Probleme zu lösen. Besonders in stark regulierten Bereichen wie dem Bankwesen und Geldtransfers könnten die automatisierten Systeme die menschliche Expertise bisher nicht ersetzen.

Finanzanalysten von Goldman Sachs hatten bereits gewarnt(öffnet im neuen Fenster) , dass die beschleunigte KI-Adaption die Arbeitslosigkeit in der Tech-Branche erhöhen könnte. Bei Block führte die Ankündigung der KI-fokussierten Umstrukturierung zunächst zu einem Anstieg des Aktienkurses. Mitarbeiter vermuten daher, dass die Entlassungen primär dazu dienten, das Vertrauen der Investoren nach Verlusten im Kryptowährungsmarkt zurückzugewinnen, anstatt auf realen technologischen Durchbrüchen zu basieren.


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