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IT-Arbeitgeber: Programmieren während des Umbruchs

Top-IT-Arbeitgeber 2023
Die Comdirect Bank ist Teil der Commerzbank, die vor Umbrüchen steht. Der Entwickler Thomas Zelk bleibt aber gelassen und arbeitet wieder in seiner Heimat.
/ Tobias Költzsch
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Die Comdirect Bank ist Teil der Commerzbank und einer der Top-IT-Arbeitgeber 2023. (Bild: Comdirect)
Die Comdirect Bank ist Teil der Commerzbank und einer der Top-IT-Arbeitgeber 2023. Bild: Comdirect

Die Comdirect Bank hat im Vergleich der Top-IT-Arbeitgeber Deutschlands 2023 den fünften Platz errungen - und liegt nur 0,02 Punkte hinter dem zweitplatzierten Unternehmen Dell. Vor allem in den Unterpunkten IT, Nachhaltigkeit und Bezahlung hat die Direktbank aus Sicht der IT-Arbeitnehmer besonders gut abgeschnitten.

Dabei steckt die Comdirect Bank als Marke der Commerzbank mitten in Umbrüchen, die sich bei der Konzernmutter auf Tausende Stellen auswirkt. Der 2021 angetretene neue Vorstandschef Manfred Knof will bei der Commerzbank 10.000 Stellen streichen, bis Mitte Juni 2022(öffnet im neuen Fenster) waren es bereits 7.000. Filialen werden geschlossen: Vor der Coronapandemie hatte die Commerzbank rund 1.000 Filialen, von denen 600 geschlossen werden(öffnet im neuen Fenster) sollen. Zudem wird immer wieder von einer möglichen Fusion gesprochen, etwa mit der Deutschen Bank.

Diese Themen beschäftigen auch den Comdirect-Entwickler Thomas Zelk. "Man liest viel in den Medien, gerade mit dem Stellenwegfall" , sagt er Golem.de. "Zuletzt hieß es, dass noch einmal 50 Filialen geschlossen werden. Das kriegt man natürlich mit." Das führt auch bei Zelkund seinen Kollegen zu einer Unsicherheit, die loszuwerden manchmal schwer ist.

Arbeit mit flachen Hierarchien

Dennoch sieht Zelk seinen Arbeitgeber positiv: Vor allem die Eigenständigkeit bei der Arbeit mit flachen Hierarchien und vielen Freiräumen kommen ihm entgegen. "Wenn es ein Problem gibt, sind wir da direkt dran" , sagt der Entwickler. "Wir haben keine große Hierarchie über uns." Insgesamt sind die Strukturen flach, es gibt einen Gruppenleiter, der aber eher für Personalfragen und das Controlling verantwortlich ist.

Zelk gehört zum Entwicklerteam in Rostock. Er stammt ursprünglich aus Kühlungsborn, das nur wenige Kilometer westlich liegt. Nach Stellen bei Arbeitgebern, die ihn oft auf Dienstreisen quer durch Deutschland schickten, wollte Zelk wieder in seine Heimatstadt zurückkehren. "Ich hatte gehört, dass eine ehemalige Kollegin bei der Comdirect in Rostock angefangen hatte, die hat sehr positiv davon berichtet. 2017 habe ich dann in Rostock angefangen."

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Im Arbeitgeberranking sind genau diese Weiterempfehlungen der wichtigste Faktor, Comdirect ist auch deshalb in den Top 5 gelandet. Rostock ist für die Comdirect Bank ein recht neuer Standort, der Altersdurchschnitt ist Zelk zufolge niedrig. Er und seine Kollegen entwickeln Software für die Vermögensverwaltung der Comdirect und auch der Commerzbank. Außerdem ist in Rostock die Entwicklung der mobilen Apps für Android und iOS angesiedelt. "Ein anderer Schwerpunkt hat sich jetzt ein bisschen verlagert. Vorher gab es hier eine reine API-Entwicklung, jetzt warten die Kollegen hier auch mehr Software von der Commerzbank" , erklärt Zelk.

Zelk ist gelernter Fachinformatiker für Systemadministration. "Das hat mir dann irgendwie nicht mehr gereicht, also dachte ich mir: Probierst du es noch mit einem Studium" , erklärt er. Also hat er noch Wirtschaftsinformatik mit Spezialisierung auf Softwareentwicklung studiert und danach als Softwareentwickler für verschiedene Unternehmen gearbeitet.

Entwicklung unter anderem für die Vermögensverwaltung

Die Arbeitsprozesse sind trotz der Eigenständigkeit natürlich mit der Comdirect-Zentrale in Quickborn abgestimmt. Aktuell haben Zelk und sein Team zahlreiche alte Prozesse für die Vermögensverwalter digitalisiert, unter anderem die Kontoeröffnung. "Bislang war das viel Zettelkram." 1994 als Tochtergesellschaft der Commerzbank gegründet, ging die Comdirect Bank im Jahr 2000 an die Börse. 2019 erwarb die Commerzbank die im Streubesitz befindlichen Aktien und verschmolz die Comdirect Bank Ende 2020 mit dem Haupthaus. Als Marke besteht Comdirect weiter.

Die Comdirect Bank schätzt Zelk als guten Arbeitgeber ein, der anständig zahlt und seinen Mitarbeitern genügend Spielraum lässt. Ebenfalls punkten kann die Comdirect Bank durch die unkomplizierte Umsetzung des Homeoffices, was bei Großunternehmen nicht zwingend ist. Zu Beginn der Coronapandemie wurden alle Mitarbeiter an Zelks Standort ins Homeoffice geschickt. Auch während unseres Gesprächs sitzt der Entwickler zu Hause. "Corona hat die Arbeitswelt nachhaltig beeinflusst. Bei uns war es vorher schon so, dass wir Homeoffice machen konnten, aber seit Corona sitzen wir hauptsächlich im Homeoffice" , erklärt Zelk.

Corona-Homeoffice wurde unkompliziert umgesetzt

"Mittlerweile haben wir uns darauf geeinigt, dass wir Bürotage haben. Aber wir hatten jetzt vermehrt Corona bei uns im Büro gehabt, daher haben wir das jetzt wieder zurückgefahren. Jetzt läuft das auf freiwilliger Basis" , sagt der Programmierer - wer will, kann also zu Hause bleiben. Die Comdirect Bank bzw. die Commerzbank stattet allerdings den Heimarbeitsplatz nicht komplett aus.

Stattdessen setzt der Arbeitgeber auf das Modell IT at Home: Dabei können sich Angestellte zweimal im Jahr Hardware zulegen, die steuertechnisch vergünstigt angeboten wird. Nach einem Zeitraum an Ratenzahlungen können sich Mitarbeiter überlegen, ob sie die Hardware behalten wollen. "Für mich ist das ein Geben und Nehmen: Wenn man den Mitarbeitern ermöglicht, komplett im Homeoffice zu arbeiten, kann ich jetzt nicht noch verlangen, dass ich eine komplette Ausstattung bekomme" , findet Zelk.

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Aufgrund der positiven Faktoren ist Zelk trotz Stellenstreichungen bei der Commerzbank und den Auswirkungen einer möglichen Fusion zufrieden mit seinem Job. "Es gibt ja viele Faktoren, die da mit reinspielen. Man muss auch sehen, dass wir hier in Mecklenburg-Vorpommern sind, wir sind ja gefühlt überall das Schlusslicht. Und auch in Relation ist die Bezahlung sehr gut, das muss man auch mal so sehen" , sagt der Entwickler. "Außerdem ist der Umgang, auch von höheren Ebenen her, sehr gut."

Aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Situation ist Zelk aber auch realistisch: "Kein Arbeitsplatz ist sicher. Das muss man sich immer vor Augen führen und im Notfall reagieren."

Nachtrag vom 14. November 2022, 12:59 Uhr

Wir haben in der ursprünglichen Version des Artikels den Namen des Programmierers Thomas Zelk falsch wiedergegeben. Dies wurde korrigiert.

Weitere Informationen zum Thema Top-IT-Arbeitgeber gibt es hier in unserem Karriere-Ratgeber


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