Bloß nicht ins Berufsleben!

Diesmal kam hinzu, dass das Ende eines Studiums im Allgemeinen auch den Start ins Berufsleben bedeutet. Klar hätte ich als studierter Wirtschaftsinformatiker und ausgebildeter Informatikkaufmann sehr gut irgendeinen Job finden können - über meinem Kopf schwebte geradezu ein Wegweiser in Richtung Digitalisierung von Geschäftsprozessen. Aber begeistern konnte ich mich dafür nicht.

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Damit wurde mir zum ersten Mal bewusst, dass ich mich bisher nie damit beschäftigt hatte, was ich gerne machte. Ich ging tief in mich und tat, was getan werden musste: Ich bewarb mich als Pilot bei der Lufthansa, an verschiedenen Kunsthochschulen und für den internationalen Studiengang Medieninformatik. Das mag verzweifelt wirken, aber ich wollte die wahrscheinlich letzte Chance nutzen, etwas vollkommen anderes auszuprobieren, bevor ich in die Fänge des elendigen Berufslebens mit seiner tristen Welt voller Routine und Alltag geriet.

Irgendwas mit Medien

Nach einer erneuten Einführung in die Grundlagen der Computerbedienung fand ich mich Java programmierend im Studium der Medieninformatik wieder. Böse Zungen würden jetzt sicherlich behaupten, dass das ja gar nichts vollkommen anderes war, und sie hätten damit auch recht. Aber ich hatte damit immerhin erneut sieben Semester lang einen Aufschub bis zur endgültigen Berufswahl und studierte zudem endlich irgendwas mit Medien.

Und das war besser als erhofft. Nicht nur war der Informatikanteil diesmal höher, auch waren viele Module wie Gestaltung, Medientheorie oder Mensch-Computer-Interaktion ernsthaft spannend. Mein Highlight war das Auslandssemester in Los Angeles. Dort gab es mit Game Design, 3D-Computer-Animation und Gastdozenten von Disney und Pixar spannende Einblicke hinter die Kulissen von Animationsfilmen und Spieleentwicklung. Damit war ich meiner Faszination für Computerspiele tatsächlich sehr nahegekommen.

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Doch im Gegensatz zu meinem ersten Studium musste ich dieses genauso wie meinen Lebensunterhalt selbst finanzieren und damit lernen, auf eigenen Beinen zu stehen. Die 77 Euro Bafög, die ich im Monat bekam, nahm ich zwar dankend an, aber ohne Studentenjob war weder ein Studium noch ein Leben in Bremen und erst recht kein Auslandssemester in LA möglich.

Vorstoß in unbekannte Weiten der Informatik

Gerade über diese Studentenjobs erhielt ich Einblicke in mir bis dahin unbekannte Berufsfelder der Informatik. Als Frontendentwickler kam ich in Kontakt mit einer zweigeteilten Arbeitswelt aus Programmierern auf der einen und Beratern auf der anderen Seite. Zum Ende des Studiums wurde aus dem Studentenjob eine Vollzeitbeschäftigung - und ohne es wirklich zu realisieren, hatte ich meinen Einstieg ins Berufsleben endlich geschafft.

Also Ende gut alles gut? Nicht so schnell! Mit dem Berufsleben kam die Routine und mit der Routine kamen alte Ängste zurück. Ich fand mich nach einer Zeit voller neuer Erfahrungen in einer Stagnation wieder. Jeden Tag immer das Gleiche zu machen, ohne einen Fortschritt zu erkennen oder die Möglichkeit zu haben sich selbst weiterzuentwickeln, das war genau das, was ich nicht wollte. Zudem wurde mir endgültig bewusst, dass ich einfach kein Programmierer war und meine Stärke eher in der Kommunikation zwischen den Welten der Entwickler und Anwender lag.

Handbuch für Softwareentwickler: Das Standardwerk für professionelles Software Engineering

Ohne aktiv danach zu suchen, erhielt ich dank einer enormen Portion Glück über Social Media ein Jobangebot als technischer Consultant bei einem Beratungsunternehmen, das sich in Bremen auf Marketingtechnologien spezialisiert hatte. Darin fand ich schließlich genau das: Als Vermittler zwischen erfahrenen Programmierern und wirren Kundenwünschen unterstützte ich das Finden realistischer Lösungen. In immer neuen Projekten verdiente ich so nicht nur ein Gehalt, sondern hatte durch die unterschiedlichen Kunden auch immer neue Erfahrungen. Hinzu kam ein moderner Arbeitsalltag. Den Mitarbeitern wurde die Entscheidung, wann, wie und wo sie arbeiten, schon lange vor Corona selbst überlassen, solange die Arbeit erledigt wurde und die Kunden zufrieden waren.

Ich beneide Menschen, die schon jung wissen, was sie später beruflich machen wollen. Ich hingegen habe mich treiben lassen und immer erst, wenn es sein musste, spontan entschieden, wie es als nächstes weitergehen sollte. Das war vielleicht etwas ungelenk, vielleicht aber auch notwendig.

Jetzt kann ich ruhigen Gewissens behaupten, gut im Berufsleben angekommen zu sein. Mich kontinuierlich weiterzuentwickeln und immer neue Erfahrungen zu sammeln, musste ich dabei nicht aufgegeben. Getreu den Worten von Captain Jack Sparrow: "Nimm, was du kriegen kannst! - Und gib nichts wieder zurück."

Weitere Informationen gibt es hier in unserem Karriere-Ratgeber zum Thema Arbeiten in der IT

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m.leonberger 19. Sep 2022 / Themenstart

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