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ISS World Europe: "Ein Eurovision-Contest für Diktatoren"

Der Europa-Ableger der weltgrößten Überwachungsmesse ISS World ist in Prag gestartet. Er steht ganz im Zeichen von KI-Anwendungen für Geheimdienste und Polizei.
/ Erich Moechel
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Auf der ISS World Europe sind fast nur Firmen aus dem Überwachungssektor vertreten. (Bild: geralt/Pixabay)
Auf der ISS World Europe sind fast nur Firmen aus dem Überwachungssektor vertreten. Bild: geralt/Pixabay
Inhalt
  1. ISS World Europe: "Ein Eurovision-Contest für Diktatoren"
  2. Ein Prompt für alles
  3. KI-Agenten als Ermittler
  4. Meta und die Schurkenfirmen

Hauptsponsor des dreitägigen Events ab 2. Juni 2026 ist wieder die skandalumwitterte Trojanerfirma NSO Group. Abgesehen von ein paar breit aufgestellten Consulting-Unternehmen wie Accenture sind nur Firmen aus dem Überwachungssektor vertreten.

Die dominierenden Produkte sind Analyseplattformen für Geheimdienste und Polizeibehörden, all diese Überwachungstools arbeiten bereits KI-gestützt. In diesen Plattformen sind auch reichlich sinistre Applikationen integriert, deren eigentlicher Verwendungszweck unter den dick aufgetragenen Euphemismen der Verkaufsprospekte durchscheint.

Eine Schurkengalerie

"Dass die NSO-Group der Hauptsponsor dieser Messe ist, sagt eigentlich schon alles über dieses Event. Das ist ein Eurovision-Contest für Diktatoren und Despoten", sagte Ron Deibert zu Golem. Die Liste der beteiligten Firmen und Sponsoren sei eine wahre "Schurken-Galerie".

Deibert, der anlässlich einer akademischen Konferenz in Wien zu Gast war, weiß, wovon er spricht. Er ist Direktor des Citizen Lab(öffnet im neuen Fenster) an der Universität Toronto, das auf forensische Untersuchungen von Schadsoftware und Überwachungsapplikationen spezialisiert ist. "Spionageabwehr für die Zivilgesellschaft" ist das Motto des Citizen Lab.

Zahlreiche der Unternehmen auf der ISS World standen während der letzten 15 Jahre schon mindestens einmal im Fokus forensischer Untersuchungen des Citizen Lab. Von Angriffen chinesischer Dienste auf Exil-Tibeter bis zu den Trojanerattacken der NSO-Group etwa auf das Umfeld des ermordeten Journalisten Dschamal Kashoggi haben die Forscher des Citizen Lab die mithin größten einschlägigen Skandale weltweit aufgedeckt.

Omnipräsente KI-Anwendungen

Was bei der Durchsicht des Konferenzprogramms(öffnet im neuen Fenster) sofort auffällt, ist die Omnipräsenz von KI-Anwendungen. Von insgesamt neun Seminaren, die am ersten Tag angeboten werden, stehen alleine drei im Zeichen von KI. Im Programm selbst dreht sich in jeder dritten Produktpräsentation alles um KI.

Unter den vielen Analyseplattformen, die da präsentiert werden, kommt überhaupt keine ohne KI-Anwendungen daher. Die 4Sight-Intelligence-Fusion-Plattform(öffnet im neuen Fenster) des kanadischen Unternehmens JSI verfügt zum Beispiel über eine Prompt-basierte Suchfunktion für heterogene Datensätze aller Art.


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