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Kleine Raketen haben auch große Vorteile

Kleine Raketen haben zwei große Vorteile. Sie sind beim Start kleiner Nutzlasten flexibler. Sie müssen nicht auf eine ausreichende Zahl anderer kleinerer Nutzlasten mit dem gleichen Zielorbit warten und sind beim Start einzelner mittelgroßer Satelliten eine bessere Wahl als große Raketen wie die Falcon 9. Außerdem sind die Entwicklungs- und Investitionskosten bis zum ersten Flug deutlich kleiner durch die viel kleineren Anlagen für Bau, Test und Start von neuer Hardware und Technologie.

Auch SpaceX baute zunächst die kleine Falcon 1, stellte deren Bau jedoch bereits nach dem zweiten erfolgreichen Flug und der fünften Rakete ein. Der Grund war damals, dass durch fehlendes Kapital wegen der weltweiten Rezession keine ausreichende Nachfrage nach Starts kleiner Satelliten mehr bestand. Der Verlust der vergleichsweise geringen Investitionskosten war für das Unternehmen dennoch verkraftbar und die Erfahrung floss in die Entwicklung der größeren Falcon 9 ein, mit der Nasa als Hauptkunden.

Die Nachfrage nach Starts von Kleinsatelliten ist heute deutlich größer, insbesondere weil SpaceX in der Hoffnung auf mehrfach täglich startende Starships immer weniger Falcon 9 Starts anbietet. Allerdings ist durch die vielen Start-ups, die alle zunächst kleine Raketen entwickeln, auch das Angebot viel höher. Das führt zu einer herausfordernden Marktsituation.

Noch keine klaren Aussagen zu wiederverwendbaren Raketen

Isar Aerospace scheint sich derzeit auf die Produktion und Missionsdurchführung mit der Spectrum zu konzentrieren. Ein zweiter Startplatz in Nova Scotia, Kanada, ist im Aufbau. Die weitere Entwicklung bleibt abzuwarten. Gerade Satellitenkonstellationen erfordern größere Raketen als die Spectrum und im Allgemeinen wird auch eine Wiederverwendung angestrebt. Die Esa fördert die Entwicklung wiederverwendbarer Raketen auch bei Isar Aerospace(öffnet im neuen Fenster).

Klare Aussagen zu einer möglichen Wiederverwendung der Spectrum, oder einer neu entwickelten Rakete, gibt es von Isar Aerospace noch nicht. Die Rocketfactory Augsburg spricht hingegen jetzt schon von der Wiederverwendung der RFA One und einer größeren und vollständig wiederverwendbaren Starship-ähnlichen RFA Two – obwohl selbst die mithilfe ukrainischer Technologie entwickelte RFA One noch nie geflogen ist. Seit den großspurigen Versprechen von 2021 wurde der für 2022 geplante Erstflug immer wieder verschoben und die Nutzlast von 1.300 kg auf 500 kg reduziert(öffnet im neuen Fenster).

Wiederverwendung lohnt bei kleinen Raketen nicht immer

Rocket Lab gab die Versuche zur Wiederverwendung der nochmals deutlich kleineren Electron-Rakete nach einigen erfolgreichen Landungen mit Fallschirmen im Meer wieder auf. Die Firma nutzt die beim Wiedereintritt gewonnene Erfahrung derzeit aber beim Bau der größeren Neutron-Rakete. Die Electron kehrte mit rund 7.600 km/h zur Erde zurück und war damit ähnlich schnell wie die Falcon 9 mit 8.000 km/h, benötigte dafür aber kein Bremsmanöver wegen der im Vergleich zum Gewicht viel höheren Luftreibung kleiner Raketenstufen.

Grundsätzlich könnte die Spectrum durch ihre im Vergleich zur Electron leichtere Konstruktion, ohne schwere batteriebetriebene Triebwerke, den Wiedereintritt ebenso ohne Bremsmanöver überstehen. Sie würde aber zusätzliches Gewicht zumindest durch Treibstoff und Modifikationen zur Landung benötigen, was wiederum ein kleineres Bremsmanöver nötig machen könnte.

Ob sich der Entwicklungsaufwand in Anbetracht der langfristig begrenzten erwartbaren Nachfrage wirtschaftlich lohnen kann, ist jedoch fraglich. Vermutlich wird zunächst die Entwicklung einer größeren Rakete mit größeren Leistungsreserven im Vordergrund stehen, mit Experimenten beim Wiedereintritt der ausgebrannten Raketenstufen der Spectrum in ihrer heutigen Form.


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