Irtysch: Chinesisch-russische CPU glänzt mit niedrigen FPS in Witcher
Seit Beginn des Kriegs gegen die Ukraine verbieten Sanktionen den Export von Mikroelektronik und damit auch Prozessoren nach Russland. Bereits zuvor gab es Eigenentwicklungen, durch die Sanktionen hat sich dieser Trend noch einmal beschleunigt. Mit Tramplin Electronics kam 2025 ein weiteres Unternehmen hinzu, das Prozessoren auf Basis der Loongarch baut.
Die hat das Unternehmen auf der Expo Electronica in Moskau erstmals gezeigt (via Tom's Hardware(öffnet im neuen Fenster)). Ein Video des Youtube-Kanals Pro Hi-Tech zeigt das Systems sowie ein Interview mit Tramplins Forschungs- und Entwicklungsleiter Stanislaw Yemets. Auf der C632-CPU und einer Radeon RX 9060 XT läuft The Witcher 3 (Test) – mit mageren 22 bis 32 Bildern pro Sekunde im Preset Ultra und 25 bis 38 im Preset Low.
Die sehr ähnlichen Ergebnisse legen bereits nahe, dass die CPU hier der limitierende Faktor ist. Das Spiel scheint mit Full HD zu laufen, andere Benchmarks(öffnet im neuen Fenster) bescheinigen der GPU hier die rund sechsfache Leistung. Die geringe Leistung ist nicht allein dem mit 2,2 GHz recht niedrigen Takt der verbauten LA664-Kerne geschuldet, die etwa auf Zen-1-Niveau liegen (Test, g+). Hinzu kommt, dass der Prozessor die x86- in Loongarch-Befehle übersetzen muss – was trotz Hardware-Unterstützung einen ziemlichen Leistungsverlust bedeutet.
Made in China, packaged in Russia – irgendwann
Eigentlich ist der C632 mit 32 Kernen und 64 Threads allerdings für Server gedacht. Die Modellpalette der Irtysch-Reihe – neben dem C632 der C616 und C664 – gleicht dabei Loongsons 3C6000-Reihe. Der C616 wurde in einem kleinen Server gezeigt, vom C664 scheint nur der Heatspreader ausgestellt worden zu sein.
Tramplin wird hier den Chiplet-Aufbau von Loongson übernommen haben. Entsprechend dürften auch die Irtysch-CPUs über vier bis acht DDR4-3200-Speichercontroller, 64 bis 128 PCIe-4-Lanes und 32 MByte L3-Cache pro Chiplet verfügen. Grundlage ist dabei ein 16-Kern-Chiplet, von dem bis zu vier in einem Package kombiniert werden können. Nach Aussage von Stanislaw Yemets gibt es Bestrebungen, das Packaging in Russland anzusiedeln.
Loongson-Kerne mit eigenen Erweiterungen
Nach Aussage von Yemets hat das Unternehmen die Prozessorkerne von Loongson lizenziert. Allerdings sollen diese eigene Anpassungen enthalten, Yemets erwähnt hier die Sprungvorhersage (g+), ohne weiter ins Details zu gehen. Auch soll ein eigenes Sicherheitsmodul implementiert sein.
Yemets spricht noch über einige interessante Punkte der russischen Hardwarebeschaffung. So würden Prozessoren in Vertraulichkeitslevel eingeteilt, das höchste sei nur bei Fertigung in Russland erreichbar. Die Bewertung nimmt das Ministerium für digitale Entwicklung vor, in der Volksrepublik China gibt es eine ähnliche Liste. Da die Irtysch-Prozessoren in der Volksrepublik hergestellt werden, erreichen sie nur Level 2, Elbrus (g+) soll angeblich Level 1 erreichen. Die entsprechende Zertifizierung steht bei Tramplin allerdings noch aus.
Erste Muster der CPUs erhielt Tramplin laut Pressemitteilung(öffnet im neuen Fenster) Mitte März 2026. Die Heatspreader weisen den März 2026 als Fertigungsmonat aus. Aktuell scheint das Unternehmen nur Server-CPUs herzustellen, die ab 2027 ausgeliefert werden sollen. Im selben Jahr soll eine GPU entwickelt werden, ab 2028 will Tramplin Electronics die Irtysch-CPUs auch exportieren – die Homepage nennt die aktuell zehn Brics-Staaten(öffnet im neuen Fenster) (das Kürzel steht für die ersten fünf Mitglieder Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) als mögliche Exportländer.
Der Name der Prozessoren spiegelt dessen Herkunft dabei wider: Der Fluss Irtysch(öffnet im neuen Fenster) entspringt in der Volksrepublik China, fließt durch Kasachstan und anschließend nach Russland, wo er in den Ob mündet.
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