Irreführende Werbung: Tesla droht Verkaufsstopp von 30 Tagen in Kalifornien

Dem US-Autohersteller Tesla droht ein 30-tägiger Verkaufsstopp im absatzstarken US-Bundesstaat Kalifornien. Auslöser ist die Einschätzung eines Gerichts, wonach die Firma von Elon Musk die Fähigkeiten ihres Assistenzsystems Autopilot übertrieben dargestellt habe. Die kalifornische Verkehrsbehörde DMV schob eine Umsetzung des Verkaufsstopps um 60 Tage auf, damit Tesla Änderungen vornehmen könne. Sollte das nicht passieren, werde die Händlerlizenz danach für 30 Tage ausgesetzt, teilte die Behörde am 16. Dezember 2025 mit(öffnet im neuen Fenster) (PDF).
Die Klage der DMV wegen irreführender Werbeaussagen war im Juli 2022 eingereicht worden . Tesla verteidigte sich in dem Verfahren unter anderem mit dem Hinweis, dass die DMV jahrelang nicht gegen die Marketingbegriffe Autopilot und Full Self Driving Capability (Volles Potenzial für autonomes Fahren) vorgegangen sei.
Tesla verkaufte in Kalifornien in den ersten neun Monaten dieses Jahres nach Berechnungen eines Händlerverbandes knapp 135.500 Fahrzeuge – ein Rückgang von 15 Prozent. Damit lag das Unternehmen auf Rang drei hinter Toyota und Honda.
Das Gericht schlug auch vor, die Herstellerlizenz von Tesla in Kalifornien für 30 Tage auszusetzen. Allerdings legte die Verkehrsbehörde diese Maßnahme für unbestimmte Zeit auf Eis. In Kalifornien befindet sich das Tesla-Stammwerk in Fremont.
Verspricht der Name zu viel?
Trotz Warnungen im Tesla-Handbuch verließen sich viele Fahrer nach Erkenntnissen der Unfallermittlungsbehörde NTSB übermäßig auf die Autopilot-Software. Im August 2025 verurteilte ein Gericht in Florida den Autohersteller zu einem Schadenersatz in Höhe von 243 Millionen US-Dollar , weil ein Fahrer mit aktiviertem Autopilot tödlich verunglückt war. Aus den Gerichtsunterlagen ging hervor, wie Tesla die Aufklärung des Unfalls jahrelang blockierte .
Aktuell bezeichnet Tesla die assistierten Fahrfunktionen in den USA als Full Self-Driving (Supervised) (FSD). Auch in Australien, Kanada, China, Mexiko und Neuseeland gibt es das System. In Deutschland lautet die Bezeichnung offiziell "Autonomes Fahren (Überwacht)" . Für eine solche Funktion gibt es derzeit keine regulatorischen Vorgaben. Daher strebt Tesla, im Gegensatz zu Mercedes-Benz, in fast allen europäischen Ländern eine Sondergenehmigung an .
Die Bewegung Tesla Takedown begrüßte die Entscheidung des Gerichts. "Da Elon Musks rücksichtsloses Vorantreiben von fahrerlosen Autos die Pendler in Kalifornien in echte Gefahr brachte, waren entschlossene regulatorische Maßnahmen dringend erforderlich" , hieß es in einer Mitteilung. Die Bewegung hat im ersten Halbjahr 2025 weltweite Proteste gegen Musk und Tesla initiiert .
Robotaxi-Wettlauf
Mit einer Version dieser künftigen Software setzt Tesla gerade einige Dutzend Fahrzeuge in der texanischen Stadt Austin als Robotaxis ein. Der Platz am Steuer bleibt dabei leer – aber im Beifahrersitz ist ein Aufpasser positioniert. Nun wurden in Austin zwei Teslas ohne Sicherheitsfahrer gesichtet . Die Tesla-Aktie schloss danach auf einem Rekordwert von 489,88 US-Dollar(öffnet im neuen Fenster) .
Die Google-Schwesterfirma Waymo hat mehr als 2.500 komplett autonom fahrende Robotaxis in mehreren US-Städten auf den Straßen und gilt als klare Nummer eins bei Technik für selbstfahrende Autos. Waymo wolle sich für die weitere Expansion Milliarden in einer Finanzierungsrunde besorgen, berichteten die Website The Information und der Finanzdienst Bloomberg(öffnet im neuen Fenster) . Die Firma solle mit mindestens 100 Milliarden US-Dollar (85 Milliarden Euro) bewertet werden, hieß es unter Berufung auf informierte Personen. Bloomberg zufolge will Waymo mehr als 15 Milliarden US-Dollar einsammeln, bei The Information war von möglicherweise mehr als 10 Milliarden US-Dollar die Rede.



