Iron Harvest im Test: Brachialstrategie für Dieselpunker

Qualmende Mechs und erstaunlich viel Herz: Im Echtzeit-Strategiespiel Iron Harvest kämpfen wir uns durch eine packend inszenierte Kampagne.

Artikel veröffentlicht am ,
Artwork von Iron Harvest
Artwork von Iron Harvest (Bild: King Art Games)

Es beginnt mit einer Schlacht - mit einer Schneeballschlacht! Im ersten Einsatz von Iron Harvest geht es nicht um Krieg und Tod, sondern um ein Spiel unter Kindern. Wir steuern das Mädchen Anna Kos und lernen dabei die wichtigsten Bedienelemente des Echtzeit-Strategiespiels kennen. Nebenbei: Dieser erste Einsatz ist schön gemacht und dennoch eine Qual - wegen der unfassbar nervigen, künstlich-schrillen Kinderstimmen.

Damit haben wir später nicht mehr zu kämpfen, aber Anna Kos begleitet uns in der Kampagne weiter. Aus der Schnellballkönigin ist eine legendäre Scharfschützin geworden, die für ihr Land Polania gegen die Großmächte Rusviet und Saxony antritt.

Für die seltsamen Namen gibt es einen Grund: In Iron Harvest sind wir in einer alternativen Zeitlinie nach dem Ersten Weltkrieg unterwegs. Auffälligster Unterschied zur echten Historie sind riesige Kampfmaschinen - die Mechs. Diese Monster benötigen riesige Mengen an Eisen und Öl, sind dafür aber auch extrem effektiv auf dem Kampffeld.

Wer sich hier ein bisschen wundert, dass wir es mit Kindern und Schneebällen, gleichzeitig aber mit übermächtig-düsteren Todesmaschinen zu tun haben: Diesen Spagat beim Gameplay und bei der Atmosphäre bekommt Iron Harvest erstaunlich gut hin.

Und das übrigens ohne unnötige Kriegsbegeisterung, im Gegenteil: Anna etwa tut es per Sprachausgabe immer wieder leid, wenn sie töten muss - "Es geht nicht anders", sagt sie dann. Teilweise hat es das Bremer Entwicklerstudio King Art Games mit den ständigen Entschuldigungen sogar etwas übertrieben.

Die rund 15 Stunden lange Kampagne erzählt direkt im Spiel sowie in Zwischensequenzen eine weit mehr als im Genre üblich berührende Geschichte, in der wir neben Anno Kos noch weitere Figuren kennenlernen. In Kapitel zwei steuern wir die Einheiten der Rusviets, in Kapitel drei die Saxonys.

Neben der Handlung sind die abwechslungsreichen Missionen eine der großen Stärken des Spiels. Wir dürfen Gefangene befreien und uns dazu mit immer mehr Kameraden durch Wälder schlagen, dann einen Großangriff zurückschlagen, weniger später in einem dramatischen Einsatz einen Zug stehlen.

Basisbau gibt es nur gelegentlich und mit wenigen Gebäuden - neben dem Hauptquartier dürfen wir eine Kaserne und eine Werkstatt aus dem Boden stampfen. Unsere Pioniereinheiten können außerdem mit Stacheldraht und Sandsäcken einfache, aber wirkungsvolle Barrikaden errichten.

In Iron Harvest gibt es stattdessen einen Hang zur Massenschlacht. Anfangs haben wir nur Infanterie mit einfachen Gewehren, später zerdeppern wir mit schwerem Geschütz und den Mechs aber ganze Siedlungen, immer wieder gibt es meterhohe Explosionen.

  • Die Mechs verfügen über besonders martialische Waffen, etwa Flammenwerfer. (Bild: King Art Games/Screenshot: Golem.de)
  • Auf der Übersichtskarte sehen wir die Einsatzziele. (Bild: King Art Games/Screenshot: Golem.de)
  • Die Linien zeigen den Schussbereich etwa des MG-Nests an. (Bild: King Art Games/Screenshot: Golem.de)
  • Der Bau von Gebäude ist unkompliziert gelöst. (Bild: King Art Games/Screenshot: Golem.de)
  • In Zwischensequenzen lernen wir die Hauptfiguren kennen. (Bild: King Art Games/Screenshot: Golem.de)
  • Im Grafikmenü passen wir Iron Harvest an unseren Rechner an. (Bild: King Art Games/Screenshot: Golem.de)
Die Mechs verfügen über besonders martialische Waffen, etwa Flammenwerfer. (Bild: King Art Games/Screenshot: Golem.de)

Das sieht martialisch und auf Bildern unübersichtlich aus, in der Praxis klappt die Steuerung über Tastatur (Hotkeys) sowie mit der Maus aber sehr gut. Allerdings haben wir die eine oder andere größere Einheit verloren, weil sie aufgrund von Wegfindungsproblemen zu weit hinter der Front zurückblieb - ernsthaft gestört hat es uns nicht.

Relativ gut funkioniert das automatische Deckungssystem: Wenn wir Einheiten nahe Mauern oder Ähnlichem platzieren, bekommen sie dort automatisch etwas mehr Schutz.

Iron Harvest ist für Windows-PC erhältlich, der Preis liegt bei rund 50 Euro. Irgendwann später soll der Titel für Playstation 4 und Xbox One erscheinen. Neben der Kampagne finden Solospieler noch Herausforderungen und Scharmützel. Im Multiplayer kämpfen zwei, vier oder sechs Teilnehmer in zwei Teams in einem Modus, der an Capture-the-Flag erinnert. Mikrotransaktionen gibt es nicht. Die USK hat eine Freigabe ab 16 Jahre erteilt.

Fazit

Trotz der schwerfälligen Mechs und des düsteren Szenarios: Die Kampagne von Iron Harvest macht mit einer herzerwärmenden Handlung, wunderbar abwechslungsreichen Missionen sowie viel Krach und Wumms fast vom ersten Augenblick an Spaß. Die Entwickler haben die Balance aus Zugänglichkeit und taktischer Tiefe wunderbar hinbekommen.

Obwohl das Tempo in den Einsätzen eher gemächlich ist, passiert ständig etwas auf dem Schlachtfeld - trotzdem geht selbst im größten Gefecht der Überblick selten verloren. Spätestens beim zweiten Anlauf ist meist klar, wie wir einen Angriff der Gegner kontern und den Sieg erringen können.

Für Hardcore-Strategen gibt es vielleicht minimal zu wenig zum Tüfteln. Alle anderen finden hier eine motivierende und jeden Augenblick unterhaltsame Herausforderung in einem frischen Szenario, in dem wir hoffentlich noch weitere Abenteuer erleben dürfen.

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Rezzi 11. Sep 2020

Einfach mal auf gameindustry(dot)eu die Review zu Iron Harvest überfliegen (ich darf noch...

glowbewohner 02. Sep 2020

Hab gestern 2 Spiele machen können. Beim ersten gab es keine Auswahl welche Fraktion ich...

Waffelparty 02. Sep 2020

vielen Dank, dass du das geschrieben hast. War auch das erste woran ich denken musste...

gelöscht 02. Sep 2020

Bin erst in level 1, aber so fühlt es sich an. Einheitengruppen die sich verschanzen...



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