Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

Irankrieg: Irans Präsident ordnet Freischaltung des Internets an

Seit mehr als 80 Tagen ist das internationale Internet im Iran gesperrt. Nun wird wieder Traffic registriert.
/ Friedhelm Greis und dpa
6 Kommentare Auf Google folgen (öffnet im neuen Fenster)
Die Grafik von Netblocks zeigt einen Anstieg des internationalen Datenverkehrs aus dem Iran. (Bild: Netblocks)
Die Grafik von Netblocks zeigt einen Anstieg des internationalen Datenverkehrs aus dem Iran. Bild: Netblocks

Irans Präsident Massud Peseschkian hat die Freischaltung des internationalen Internets angeordnet. Damit reagierte er auf eine Entscheidung eines "Sonderstabs", der zuvor mehrheitlich für die Wiederfreigabe gestimmt hatte. Laut Nachrichtenagentur Fars musste der Beschluss vor Inkrafttreten noch vom Präsidenten bestätigt werden.

Ein konkretes Datum für die Entsperrung wurde bislang nicht genannt. Mitte Mai hatten iranische Medien jedoch über eine mögliche Freischaltung am 5. Juni 2026 berichtet.

Sperrung hat erhebliche wirtschaftliche Folgen

Die Regierung hatte den Zugang zum weltweiten Internet seit Kriegsbeginn am 28. Februar 2026 nahezu vollständig blockiert. Seither konnten die rund 90 Millionen Iraner nur das sogenannte "nationale Internet" nutzen, in dem ausschließlich staatlich genehmigte Webseiten erreichbar sind.

Die Sperre hatte neben gesellschaftlichen auch erhebliche wirtschaftliche Folgen. Besonders betroffen waren die mehr als eine Million Onlinehändler im Land, deren Einnahmen durch die Blockade stark eingeschränkt wurden. Offiziell begründet der Staat die Abschaltung mit Sicherheitsbedenken. Beobachter gehen jedoch davon aus, dass die Führung vor allem verhindern wollte, dass Berichte, Bilder und Videos über das tatsächliche Ausmaß der Kriegsschäden sowie über die Stimmung im Land in sozialen Medien verbreitet werden.

Widersprüchliche Signale zu Verhandlungen

Die tatsächliche Freigabe des Internets dürfte davon abhängen, wie sich der Krieg zwischen den USA, Israel und Iran in den kommenden Tagen entwickelt. Trotz der geltenden Waffenruhe griffen die USA wieder Ziele im Iran an. Diese Angriffe dienten dazu, "unsere Truppen vor Bedrohungen durch iranische Streitkräfte zu schützen", sagte ein US-Militärsprecher laut Medienberichten(öffnet im neuen Fenster). Demnach wurden zwei Minenleger zerstört, zudem wurden Raketenabschussrampen im Süden Irans angegriffen.

US-Präsident Donald Trump sendet wie in den vorangegangenen Wochen widersprüchliche Signale zum Stand der Verhandlungen. Während er am 23. Mai 2026 behauptete(öffnet im neuen Fenster), eine Vereinbarung sei "weitgehend verhandelt" worden, schrieb er einen Tag später(öffnet im neuen Fenster), dass er seine Verhandlungsführer angewiesen habe, " nichts zu überstürzen, da die Zeit auf unserer Seite ist".

Nachtrag vom 26. Mai 2026, 16:17 Uhr

Offenbar ist die Internetblockade teilweise wieder aufgehoben worden. Das berichtet die Organisation Netblocks auf Bluesky(öffnet im neuen Fenster). "Aktuelle Daten zeigen, dass die Internetverbindung im Iran am 88. Tag teilweise wiederhergestellt wurde, nachdem das Land 2.093 Stunden lang fast vollständig von internationalen Netzwerken abgeschnitten war – die längste landesweite Internetabschaltung in der jüngeren Geschichte", heißt es in dem Beitrag.

Ein Anstieg des Traffics geht auch aus Daten des US-Dienstleisters Cloudflare(öffnet im neuen Fenster) hervor. Laut Netblocks ist jedoch unklar, ob diese Wiederherstellung von Dauer sein wird.


Relevante Themen