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IPv4 wird knapp: Provider nutzt IPv4-Adressen als Kreditabsicherung

IPv4-Adressen bleiben trotz IPv6 weiterhin wichtig. Durch die begrenzte Anzahl sind sie sogar wertvoll und eignen sich als Absicherung.
/ Oliver Nickel
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IPv4-Adressen sind eine gute Quelle für Gewinne. (Bild: Oliver Nickel/Golem.de)
IPv4-Adressen sind eine gute Quelle für Gewinne. Bild: Oliver Nickel/Golem.de

Der Internet-Service-Provider (ISP) Cogent Communications hat eine ungewöhnliche Methode gefunden, um sich Geld bei Bankinstituten zu leihen. Das Unternehmen sichert Kredite mit einem Wert von bis zu 206 Millionen US-Dollar mit IPv4-Adressen ab, wie das Magazin CircleID berichtet(öffnet im neuen Fenster) . Das zeigt, wie wertvoll das noch immer häufig gebrauchte Internet Protocol 4 sein kann. Entsprechende IP-Adressen, die sich aus vier Acht-Bit-Segmenten oder insgesamt 32 Bit an Informationen zusammensetzen, reichen für das aktuelle Internet bei Weitem nicht mehr aus.

Insgesamt können mit 32 Bit maximal etwa 4,3 Milliarden Adressen vergeben werden – noch weniger Adressen sind für öffentlich sichtbare Internetgeräte gedacht. Der Adressraum stößt deshalb an seine Grenzen und es muss mittlerweile mit Tricks und Kniffen gearbeitet werden. Beispielsweise werden IPv4-Adressen etwa in internen Netzwerken verwendet, die nach außen hin durch wenige öffentliche Adressen repräsentiert werden. Mittels NAT kann ein Gateway Daten trotzdem an die jeweiligen Clients im LAN weiterleiten.

Wertvoll und ungewiss

Es existiert zudem mit IPv6 eine seit Langem verfügbare Alternative. Viele Provider und Unternehmen verwenden das Protokoll bereits, das mit 128-Bit-Adressen 340 Sextillionen Adressen darstellen kann. Allerdings können IPv4 und IPv6 ohne Übersetzungsebene nicht zusammenarbeiten. Deshalb verwenden viele Unternehmen weiterhin die gerade bei Legacy-Diensten verbreiteten IPv4-Adressen, die zudem von Menschen besser lesbar und nachvollziehbar sind.

Provider wie Cogent können IPv4-Adressen deshalb an Kunden für einen Fixpreis pro Monat vermieten. Bei einer großen Anzahl an Kunden kann das Unternehmen, das als Provider einen großen Pool eigener IPv4-Adressen reserviert hat, so Millionen US-Dollar Umsatz im Jahr erwirtschaften. CircleID geht von etwa 36 Millionen US-Dollar pro Jahr aus. IPv4-Adressen eignen sich deshalb gut als Absicherung für gesicherte Anleihen.

Allerdings birgt das auch ein Risiko. IPv6-Adressen sind quasi kostenlos nutzbar, da es genug freie Adressen für Geräte im Internet gibt. Immer mehr Unternehmen stellen auf den IPv6-Betrieb im Internet um, während IPv4 für interne Netzwerke weiterhin ausreicht. In den nächsten Jahren könnte der Wert von IPv4-Adressen deshalb sinken, wenn sie einfach nicht mehr für limitierte öffentliche Adressräume genutzt werden.


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