iPolish: Die Technik hinter den ersten digitalen Fingernägeln

Es ist ein winziger Stand ganz in der Ecke der riesigen Start-up-Halle Heureka Park auf der CES 2026, an dem iPolish seine digitale Kosmetikerfindung präsentiert. Im Gegensatz zu vielen anderen Ausstellern überwiegt hier klar ein weibliches Publikum.
Eine junge Dame mit langen, kunterbunten Nägeln zeigt das Produkt: Es besteht aus einem lippenstiftähnlichen, rot-chromfarbenen Kästchen und – ihren Fingernägeln. Die sind nicht echt, sehen aber sehr überzeugend glänzend aus.
Nachdem sie auf ihrem Tablet einen von Hunderten Farbtönen ausgesucht hat, blinkt das Kästchen, um eine erfolgreiche Synchronisation anzuzeigen. Dann steckt sie den Fingernagel in eine Öffnung am Gerät, und der Nagel beginnt bunt zu blinken. Er durchläuft in Sekundenschnelle etliche Farben, bis er bei der gewünschten angelangt ist.
Die junge Dame löst den Finger vom Kästchen und zeigt, zum Erstaunen der Umstehenden, die neue Nagelfarbe.
iPolish hat so etwas wie das digitale Zeitalter für künstliche Nägel eingeläutet. Der Firmenrepräsentant, der uns die Technologie erklärt, ist dann aber doch männlichen Geschlechts – ebenso, wie der Erfinder und Gründer von iPolish.
Von der Raketentechnik zum Polymer
Troy Fohrman(öffnet im neuen Fenster) arbeitete ursprünglich für das Raumfahrtunternehmen Blue Origin , so erzählt es der Firmensprecher. Fohrman ist unter anderem Experte für Elektrochrome und elektrophoretische Polymeroberflächen – was ihm bei der Umsetzung seiner Idee für farbverändernde Fingernägel sicher half.
Mithilfe einiger Freunde bei der Nasa habe er die Displaytechnologie entwickelt, die für iPolish genutzt wird. Die versiegelte Beschichtung im Nagel reagiert auf Spannung, die am Ende der Nägel durch das Magic Wand genannte Kästchen angelegt wird, wenn die Spitze des Fingernagels mit dem Gerät in Kontakt kommt. Jedes Spannungslevel des Magic Wand korrespondiert mit einem Farbton, der konsistent ausgewählt wird.





Die Farben sind derzeit 400 ausgesuchte Töne – aber theoretisch wären auch Tausende möglich. Die Limitierung kommt daher, dass die Farben einzeln durchlaufen werden müssen, was bei zu vielen Abstufungen wohl zu lange dauern würde.
Welches Verfahren genau genutzt wird, wollte uns der Firmensprecher nicht verraten. Er verwies aber darauf, wie lebendig die Farbtöne im Vergleich zu E-Ink wirkten, das nach einem ähnlichen Prinzip funktioniere. Es handele sich um eine neue Art von Polymeren(öffnet im neuen Fenster) , sogenannte elektrophoretische Nanopolymere, die mit 23 Patenten geschützt wurden.
Die digitalen Nägel seien für einen längeren Zeitraum nutzbar und trotz des verwendeten Klebers für die Befestigung am echten Fingernagel problemlos immer wieder verwendbar. Ebenso wasserfest und ethisch unbedenklich.
Die Produktion sei bereits mit 800.000 Stück gestartet, sagte der iPolish-Repräsentant. Man rechne damit, im Juni oder Juli 2026 eine US-Markteinführung zu schaffen. Derzeit kann das Produkt lediglich auf der Firmenwebseite(öffnet im neuen Fenster) vorbestellt werden.