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iPhone 6 und iPhone 6 Plus im Test: Aus klein mach groß und größer

Mit den neuen iPhone 6 verabschiedet sich Apple vom kleinen Display: Mit 4,7 und 5,5 Zoll sind beide Smartphones deutlich größer als der Vorgänger. Wie sich das auf die Bedienung auswirkt und wie der neue Prozessor und die verbesserte Kamera abschneiden, hat Golem.de ausführlich getestet.
Aktualisiert am , veröffentlicht am / Tobias Költzsch
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Die neuen iPhones 6 und 6 Plus (Bild: Tobias Költzsch/Golem.de)
Die neuen iPhones 6 und 6 Plus Bild: Tobias Költzsch/Golem.de

Lange hat Apple am 4-Zoll-Format festgehalten, auch nachdem die Konkurrenz aus dem Android- und Windows-Phone-Lager bereits auf größere Displays umgeschwenkt hatte. Zum Glück, sagen die Freunde des kompakten, hosentaschenfreundlichen Smartphones, zu klein für Medieninhalte und zum Lesen, sagen andere. Der Test konzentriert sich auf die Hardware-Besonderheiten der Geräte, zu iOS 8 hat Golem.de einen separaten Test veröffentlicht.

iPhone 6 und 6 Plus - Test
iPhone 6 und 6 Plus - Test (05:00)

Mit den neuen iPhone-Modellen 6 und 6 Plus hat sich jetzt auch Apple von der mittlerweile etwas archaisch anmutenden 4-Zoll-Größe verabschiedet: Die neuen Modelle haben Bildschirme in den Größen 4,7 und 5,5 Zoll. Gegner des Bildschirmgrößen-Wettlaufs werden jetzt laut werden - dass ein über 4 Zoll großes, technisch hervorragendes Smartphone aber nicht die Hosentasche sprengen muss, zeigt Sony mit seinem neuen Xperia Z3 Compact .

Und auch das iPhone 6 ist mit seinen 4,7 Zoll kein Riesenklopper, obgleich es mit 138,1 x 67 mm merklich größer als das iPhone 5S ist. Das iPhone 6 gehört mit 6,9 mm Dicke zu den dünnsten Smartphones auf dem Markt und ist das bis dato dünnste iPhone. Mit 129 Gramm liegt es gewichtsmäßig im Durchschnitt seiner Klasse. Das iPhone 5S war mit 112 Gramm dank seines kleineren Formates leichter.

Größer als die Konkurrenz

Auch das iPhone 6 Plus ist mit nur 7,1 mm sehr dünn, die restlichen Maße des Gehäuses betragen 158,1 x 77,8 mm. Verglichen mit anderen großen Smartphones ist das große Apple-Smartphone damit etwas länger: Das neue Galaxy Note 4 ist mit 78,6 mm fast gleich breit, mit 153,5 mm aber deutlich kürzer - und das, obwohl das Display mit 5,7 Zoll größer ist. Selbst das Ascend Mate 7 von Huawei mit seinem 6-Zoll-Bildschirm ist mit 157 mm Länge noch kürzer als das iPhone 6 Plus, dafür aber mit 80,7 mm etwas breiter. Mit 172 Gramm ist das iPhone 6 Plus vergleichbar schwer wie andere große Smartphones.

Vom Design her sind beide neuen iPhones klar als Apple-Smartphones zu erkennen: Von vorne ist die Ähnlichkeit mit dem iPhone 5 und 5S deutlich sichtbar. Anders als bei den Vorgängern der 4er und 5er Serie setzt Apple bei den beiden neuen Geräten auf abgerundete Ränder und nicht auf eckige Kanten. Dadurch liegen beiden Geräte sehr gut in der Hand; insbesondere das kleinere iPhone 6 lässt sich dank der runden Ränder angenehm mit den Fingern umfassen.

Bei beiden neuen iPhones werden die Displays durch Gorilla Glass 3 von Corning geschützt - Apple hat hier noch kein Saphirglas verwendet. Damit hatten sich entsprechende Vermutungen nicht bestätigt. Das Display-Glas wölbt sich leicht am Rand, um in die Rundung der Kanten überzugehen - das sieht gut aus und fühlt sich gut an. Von der Verarbeitung sind unsere beiden Testgeräte hervorragend, etwas anderes ist man von Apple zugegebenermaßen aber auch selten gewohnt.

Hervorragende Displays

Das iPhone 6 hat eine Bildschirmauflösung von 1.334 x 750 Pixeln, was bei einer Display-Größe von 4,7 Zoll eine Pixeldichte von 326 ppi ergibt. Damit bleibt diese im Verhältnis zu der des iPhone 5S gleich. Die Auflösung ist bei einer derartigen Bildschirmgröße absolut ausreichend, um Inhalte in ausreichender Schärfe anzuzeigen. Auch Sony verwendet bei seinem Xperia Z3 Compact bei einer Bildschirmdiagonalen von 4,6 Zoll nur 1.280 x 720 Pixel. Schauen wir genau hin, erkennen wir beim iPhone 6 bei wirklich feinen Details wie kleiner Schrift eckige Kanten.

Beim 5,5-Zoll-Display des iPhone 6 Plus hat Apple das 326 ppi ergebende Pixelverhältnis zugunsten einer höheren Auflösung von 1.920 x 1.080 Pixeln aufgegeben. Die Pixeldichte ergibt hier jetzt 401 ppi. Inhalte werden sehr scharf dargestellt, ohne den direkten Vergleich merkt man den Unterschied zu einem noch höher auflösenden Display schwer. Auch feine Strukturen sind scharf und werden detailliert dargestellt.

Kräftige Farben, gute Blickwinkelstabilität

Die Farben sind bei beiden neuen iPhones kräftig, aber nicht unnatürlich. Obwohl die beiden Displays LCDs sind, könnte man sie für OLED-Bildschirme halten: Das Schwarz ist sehr satt, die Farben intensiv. Für Nutzer, die eher dezentere Farben mögen, könnten die Bildschirme der neuen iPhones von den Farben her möglicherweise schon etwas zu quietschig sein.

Was die Displays des iPhone 6 und besonders des 6 Plus aber am deutlichsten von den Bildschirmen der Konkurrenz unterscheidet, ist die Blickwinkelstabilität: Egal, aus welchem Winkel wir die Smartphones betrachten, die Farben bleiben unverfälscht und leuchtend, die Helligkeit nimmt nur beim iPhone 6 sehr geringfügig ab.

Dies führt beim iPhone 6 Plus zusammen mit der Schärfe des Displays und den kräftigen Farben zu einem Eindruck, der Bildschirminhalte beinahe wie gedruckt erscheinen lässt. Auf einen Tisch gelegt, könnte man das Smartphone auf den ersten Blick durchaus für einen Dummy mit aufgedrucktem Display halten. Einen ähnlichen Effekt konnten wir beim neuen Galaxy Note 4 von Samsung beobachten, obgleich der Eindruck beim iPhone 6 Plus noch etwas besser ist. Mit dem Display des iPhone 6 Plus hat Apple einen der aktuell am besten aussehenden Smartphone-Bildschirme geschaffen.

Skalierung und Sampling

Beide IPS-Displays sind dem bei den unmittelbaren Vorgängern verwendeten Bildschirmverhältnis treu geblieben: Sowohl das Display des iPhone 6 als auch das des 6 Plus haben ein Seitenverhältnis von 16:9. Das ist gut, da es dadurch zumindest in der Aufteilung von Apps keine Skalierungsprobleme geben sollte.

Mit der Vorstellung des neuen iPhone 6 Plus mit seiner 1080p-Auflösung müssen sich Programmierer von iOS-Apps Gedanken um eine neue Auflösung und Bildschirmgröße machen. Was bei Android aufgrund der großen Auswahl an Geräten mit zahllosen unterschiedlichen Auflösungen und Display-Diagonalen normal ist, muss sich jetzt also auch bei iOS-Entwicklern durchsetzen: Für die unterschiedlichen Bildschirmgrößen und Auflösungen müssen die bildlichen Elemente einer App in verschiedenen Auflösungen vorhanden sein, damit die Anwendung auf allen Geräten gleich gut aussieht. Apple hat bereits eine Übersicht(öffnet im neuen Fenster) veröffentlicht, welche Icons in welcher Größe vorliegen müssen.

Mit Downsampling zur klareren Kante

Dabei nutzt Apple einen cleveren Trick, um Bildschirminhalte beim iPhone 6 Plus vergleichbar scharf aussehen zu lassen wie beim iPhone 6 oder 5S: Bildschirminhalte werden zunächst in eine etwas höhere Auflösung von 2.208 x 1.242 Pixeln gerendert, um sie dann auf 1.920 x 1.080 Pixel herunterzusamplen. Unterschiede bei den Ladezeiten aufgrund des Samplings konnten wir durchaus beobachten, auch wenn sie nur minimal waren. So lud die ARD-Mediathek auf dem iPhone 6 Plus sichtbar langsamer als auf dem iPhone 6, auch die Kicker-App war Sekundenbruchteile später dran - dies betrifft fast alle von uns ausprobierten Apps. Bei einigen Apps wirken Schaltflächen zudem dennoch unschärfer als auf dem iPhone 5S, beispielsweise bei der ARD Mediathek.

Apple hat dem iPhone 6 Plus einen Querformatmodus ähnlich dem des iPads verpasst. Anders als hier bleiben die vier festgelegten Symbole am unteren Bildrand aber dort und befinden sich dementsprechend am rechten oder linken Rand, wenn der Nutzer das Smartphone dreht. Sinnvollerweise haben jetzt auch einige Apps einen erweiterten Querformatmodus, der beispielsweise bei der E-Mail-App dazu führt, dass die Benutzeroberfläche zweigeteilt wird. Im linken Teil der App befindet sich dann der Posteingang im Überblick, rechts wird die jeweils ausgewählte E-Mail angezeigt.

Zu den weiteren Apps mit neuem Querformatsmodus gehören Notizen, Erinnerungen und der Kalender. Damit lassen sich diese Anwendungen stellenweise deutlich komfortabler bedienen und erinnern eher an Apps auf einem Tablet. Ebenfalls für die Nutzung im Querformatmodus angepasst hat Apple die Tastatur des iPhone 6 Plus: Hier werden neben der Haupttastatur in der Mitte links und rechts daneben Hilfstasten eingeblendet. Mit diesen können wir beispielsweise den Cursor bewegen, markierten Text ausschneiden oder kopieren und im Menü zurückgehen. Auf eine in der Mitte trennbare Tastatur wie bei den iPads hat Apple verzichtet.

Unzureichende Einhandbedienung

Apple hat lange am 4-Zoll-Format seiner Smartphones festgehalten, da iPhones gut mit einer Hand bedient werden können sollten. Das neue iPhone 6 lässt sich mit 4,7 Zoll Bildschirmdiagonale unserer Meinung nach immer noch gut mit einer Hand bedienen, beim iPhone 6 Plus hingegen wird es mit 5,5 Zoll Diagonale wie bei anderen großen Smartphones schwierig.

Auf beiden neuen iPhones ist ein Einhandmodus eingebaut. Tippen wir zweimal auf den erneut im Homebutton verbauten Touch-ID-Sensor, ohne diesen herunterzudrücken, wird der komplette Bildschirminhalt nach unten geschoben. Auf diese Weise können App-Elemente wie der Zurück-Knopf einfacher erreicht werden. Nachdem wir die betreffende Schaltfläche betätigt haben, rutscht der gesamte Display-Inhalt wieder nach oben. Wir benötigen diese Funktion höchstens beim iPhone 6 Plus.

Ein umfangreicher Einhandmodus wie ihn manche Hersteller aus dem Android-Bereich anbieten, ist das allerdings nicht. So kann die Tastatur beispielsweise nicht an den Rand verschoben werden, um Texte einfacher einzugeben. Wir finden zudem, dass der Doppeltipp auf den Homebutton und die anschließende Eingabe beim iPhone 6 Plus insgesamt mindestens genauso lange dauert, als wenn wir das iPhone einfach ein Stück die Hand heruntergleiten lassen und dann die gewünschte Schaltfläche drücken. Android- und Windows-Phone-Nutzer profitieren bei derart großen Geräten eindeutig von der Navigationsleiste am unteren Rand des Displays, die es allerdings bei Apple (noch) nicht gibt.

Kamera mit neuen Funktionen

Apple hat im iPhone 6 und im iPhone 6 Plus wie im iPhone 5S eine 8-Megapixel-Kamera eingebaut. Die iSight-Kamera wurde technisch weitestgehend unverändert gelassen, aber um einige Funktionen erweitert. Wie beim Galaxy S5 und auch bei vielen Digitalkameras sorgt ein Phase-Detection-Autofokus(öffnet im neuen Fenster) für schnelles Scharfstellen - Apple nennt dies Focus Pixel. In der Praxis merken wir wie beim Galaxy S5 auch bei den neuen iPhones ein schnelleres Scharfstellen.

Gesichter sollen künftig schneller als beim iPhone 5S erkannt werden. Zudem gibt es eine bequem zu benutzende Belichtungskorrektur: Durch Wischgesten kann die Belichtung um bis zu vier Blendenstufen nach oben und unten verändert werden.

Bildqualität wie beim iPhone 5S

Von der Bildqualität her können wir bei den Fotos der beiden neuen iPhones zunächst keinen großen Unterschied zu denen des iPhone 5S erkennen. Farben werden bei Tageslichtaufnahmen natürlich wiedergegeben, der Kontrast ist angenehm. Dunkle Bereiche sind aber besser zu erkennen und saufen weniger ab als beim iPhone 5S, zudem ist der Kontrast etwas besser. Störende Artefakte können wir im Tageslicht keine erkennen, die Schärfe ist gut. Bei weiter entfernten Objekten nimmt sie allerdings - bedingt durch die Auflösung des Sensors - bei stärkerer Vergrößerung sichtlich ab.

Verglichen mit den Kameras anderer Topsmartphones liegt die reine Bildqualität der neuen iPhones im oberen Bereich. Das Galaxy S5 hat eine bessere Schärfe und eine vergleichbar gute Detailzeichnung. Verglichen mit der Kamera des Xperia Z2 erreichen die Kameras der neuen iPhones zwar etwas weniger feiner Schärfe, dafür verwaschen die Details nicht so stark wie bei Sonys Smartphone. Verglichen mit der 41-Megapixel-Kamera des Lumia 1020 von Nokia kann die Kamera der neuen iPhones sowohl was die Detailzeichnung als auch die Schärfe betrifft, nicht mithalten. Insgesamt machen die Kameras der neuen iPhones aber weiterhin sehr gute Fotos, die jedoch mehr von neuer Software als vom Sensor profitieren.

iPhone 6 Plus mit optischem Bildstabilisator

Die Anfangsblende der iSight-Kamera beträgt f/2.2, was in dunkleren Umgebungen vorteilhaft ist. Das iPhone 6 Plus hat zusätzlich einen optischen Bildstabilisator (OIS), auf den Apple beim iPhone 6 verzichtet hat. Als Grund dafür gibt Apple an, dass im normalen iPhone 6 schlicht kein Platz dafür gewesen sei. Der Stabilisator gleicht zittrige Hände und auch stärkere Bewegungen gut aus und reduziert die Gefahr, dass Fotos insbesondere in dunkleren Umgebungen verwackeln.

In der Praxis führt das zu deutlich weniger verrauschten Bildern: Bei einer unserer Nachtaufnahmen ermöglicht der Stabilisator, dass das iPhone 6 Plus ein Bild mit 400 ISO und einer Verschlusszeit von 1/4 Sekunde aufnimmt, während das iPhone 6 hier auf 1.600 ISO hochgehen muss, um eine deutlich kürzere Verschlusszeit von 1/15 Sekunde verwenden zu können. Als Resultat erhalten wir ein Bild mit deutlich stärkeren Artefakten.

Wackelfreie Videos

Auch für Videos haben beide neuen iPhones ein Stabilisierungsprogramm: Selbst stärkere Wackler werden in unseren Versuchen bei beiden Geräten gleich gut ausgebügelt, denn auch das Plus-Modell verwendet im Videomodus nicht den optischen Bildstabilisator. Damit lässt es sich auch relativ verwackelungsfrei aus einem fahrenden Auto aufnehmen. Selbst bei übertrieben starkem Gewackel konnten die beiden neuen iPhones dies bis zu einem gewissen Maße ausgleichen. Erst wenn wir die Geräte stark schütteln, konnte der Software-Stabilisator nicht mehr viel tun. Eine derart gute Stabilisierung haben wir bisher noch bei keinem anderen Smartphone gesehen.

Bei der Videoaufnahme hat Apple zudem den Funktionsumfang deutlich verbessert: Neben 1080p-Videos mit 60 fps können jetzt auch 720p-Videos mit 120 und sogar 240 fps aufgenommen werden, was extreme Slow-Motion-Effekte ermöglicht. Das kann derzeit kein anderes Smartphone auf dem Markt. Wie beim Xperia Z2 kann der Nutzer bei einem im Slow-Motion-Modus aufgenommenen Video auch nur Teile dessen in Zeitlupe darstellen, was interessante kreative Möglichkeiten bietet. Neu bei der Videofunktion ist auch der kontinuierliche Autofokus, zudem gibt es eine Zeitrafferfunktion.

Kamera liegt nicht plan im Gehäuse

Anders als bei den vorigen iPhones ragt die Kamera sowohl beim iPhone 6 als auch beim 6 Plus etwas aus dem Gehäuse hervor. Der Umstand, dass Apple diese kleine Beule auf manchen Bildern auf den Produktseiten wegretuschiert hat, hat im Internet stellenweise für Häme gesorgt. Wir finden die kleine Beule nicht schlimm, auch andere Smartphone-Hersteller können bei derart dünnen Geräten die Kamera nicht immer plan in ihre Geräte einbauen.

Die Frontkamera der neuen iPhones hat unverändert 1,2 Megapixel, jetzt aber statt f/2.4 eine Anfangsblende von f/2.2. Mit dieser Auflösung eignet sich die Kamera eher für Videotelefonie, weshalb sie Apple auch immer noch als Facetime-Kamera bezeichnet.

NFC nur zum Einkaufen

Apple hat in seinen beiden neuen iPhones erstmals jeweils einen NFC-Chip eingebaut. Anders als beispielsweise bei Android-Smartphones werden diese aber nicht dazu dienen, Zubehör einfach mit den Geräten zu koppeln oder Daten von einem iPhone zu einem anderen zu übertragen. Apple will die NFC-Chips momentan ausschließlich für sein neues Bezahlsystem Apple Pay nutzen.

Apple Pay ist von der Grundidee nichts Neues: Anstelle mit Bargeld oder einer Karte können Nutzer bequem mit ihrem Smartphone bezahlen. Derartige NFC-basierte Systeme gibt es zwar bereits länger unter anderem für Android; wie allerdings bereits öfter in seiner Unternehmensgeschichte hat Apple die NFC-Bezahltechnik zwar nicht erfunden, wird sie aber als erster Hersteller konsequent einsetzen und setzt zudem im Unterschied zur Konkurrenz auf ein integriertes Secure Element für NFC .

Umfangreiche Bezahlungsmöglichkeiten

In den USA können Besitzer eines iPhone 6 oder 6 Plus künftig in zahlreichen Geschäften einfach mit ihrem iPhone bezahlen - unter anderem bei McDonald's, Walgreens und anderen großen Ketten. Der springende Punkt ist dabei nicht die in den Smartphones eingebaute Technik, sondern der Umfang des Angebots, die Möglichkeit, die Technik überhaupt großflächig nutzen zu können. Auch Google hätte, dank NFC-Chips in vielen Android-Smartphones, bereits vor längerer Zeit ein ähnliches System aufbauen können - hat es aber nicht.

Für deutsche Nutzer sind die NFC-Chips in den neuen iPhones auf absehbare Zeit noch kein Verkaufsargument: Apple Pay wird es vorerst nur in den USA geben. Wann der Service nach Deutschland kommt, ist unklar. Unser Eindruck ist allerdings, dass sich in Deutschland überhaupt erst einmal das Bewusstsein durchsetzen muss, auch kleine Beträge bargeldlos bezahlen zu wollen. Gerade Summen unter 10 Euro können in vielen Geschäften gar nicht mit Plastikgeld bezahlt werden.

Verbesserter Prozessor

Sowohl im iPhone 6 als auch im iPhone 6 Plus arbeitet Apples neuer 64-Bit-Prozessor A8 mit zwei Kernen und einer Taktrate von 1,38 GHz. Er soll laut Apple um bis zu 25 Prozent schneller als der des iPhone 5S sein. Der Hilfsprozessor M8 kümmert sich um das Sammeln von Sensorendaten wie der Beschleunigung, dem GPS-Signal oder - neu hinzugekommen - Daten des eingebauten Barometers. Dieses kann aufgrund des gemessenen Luftdrucks Höhenunterschiede erkennen. Damit lässt sich beispielsweise verfolgen, wie viele Treppenstufen der Nutzer erklommen hat. Diese Daten lassen sich beispielsweise in der neuen Health-App sammeln und verfolgen.

Gute Benchmark-Ergebnisse

In unseren Benchmark-Tests kann der A8-Prozessor seine verbesserte Leistung bestätigen. Im Geekbench 3 schafft das iPhone 6 einen Single-Wert von 1.604 Punkten, das iPhone 6 Plus beinahe identische 1.622 Zähler. Das iPhone 5S kommt im Vergleich auf 1.359 Zähler. Verglichen mit den Einzelkernleistungen der Topkonkurrenz aus dem Android-Lager konnte Apple den Abstand mit seinen neuen Smartphones also noch einmal vergrößern: Samsungs Galaxy S5 erreicht 960 Punkte, das Oneplus One 1.024 Punkte und das HTC One (M8) 987 Punkte.

Im Multi-Modus schafft das iPhone 6 2.888 Punkte, das iPhone 6 Plus 2.905 Punkte. Das iPhone 5S erreicht hier 2.485 Zähler. Verglichen mit dem Vorgänger schließen die neuen iPhones im Gesamtergebnis aller Kerne damit zu den Topgeräten der vierkernigen Android-Konkurrenz auf: Das Galaxy S5 schafft im Multi-Modus 2.933 Punkte, das HTC One (M8) 2.902 Punkte.

Im 3D-Mark-Benchmark von Futuremark schafft das iPhone 6 gute 17.270 Punkte, das iPhone 6 Plus vergleichbare 17.118 Zähler. Das iPhone 5S kommt hier auf 14.345 Punkte. Die von den neuen iPhones erreichten Werte liegen verglichen mit Smartphones anderer Hersteller im oberen Ergebnisbereich und sind beispielsweise höher als die des Xperia Z2: Sonys Smartphone kommt auf 16.015 Punkte. Das Galaxy S5 hingegen erreicht mit 18.126 Punkten etwas mehr, ebenso das Galaxy Note 3 mit 19.312 Punkten.

In der täglichen Benutzung laufen die beiden neuen iPhones wie bereits der Vorgänger sehr flüssig. Durch die Menüs von iOS 8 lässt sich ruckelfrei scrollen, die Benachrichtigungsleiste und das Einstellungsmenü lassen sich ohne Hakler aufziehen. Auch anspruchsvolle Apps bereiten den beiden Smartphones erwartungsgemäß keine Probleme.

Touch ID und 1 GByte Arbeitsspeicher

Auch in den beiden neuen iPhones kommt der Touch-ID-Sensor zum Einsatz, mit dem der Nutzer unter anderem das Smartphone entsperren kann. Außerdem kann er seinen Fingerabdruck zum Bezahlen bei iTunes und im App Store verwenden. Der Fingerabdrucksensor arbeitet sehr zuverlässig und stellt wie schon der Sensor des iPhone 5S den des Galaxy S5 von Samsung in den Schatten. Bei uns funktioniert dank des separaten Einscannens der Fingerränder im Grunde jeder Versuch der Fingererkennung.

Das iPhone 6 und das iPhone 6 Plus unterstützen Quad-Band-GSM, UMTS und Cat4-LTE auf den Frequenzbändern 1-5, 7, 8, 13, 17-20, 25, 26, 28 und 29. Das schnellere Cat6-LTE wird nicht unterstützt. WLAN beherrschen die Smartphones nach 802.11a/b/g/n und dem schnellen ac, Bluetooth läuft in der Version 4.0. Ein GPS-Empfänger ist eingebaut.

Beide neuen iPhones haben weiterhin nur 1 GByte Arbeitsspeicher. Auch wenn das im täglichen Betrieb ausreichen mag, wäre der Nutzer mit 2 GByte auf der sichereren Seite. Der eingebaute Flashspeicher ist wahlweise 16, 64 oder - neu - 128 GByte groß. Eine 32-GByte-Version gibt es nicht mehr - das ist schade, da 32 GByte für viele eine gute Mischung aus ausreichend Speicherplatz und bezahlbarem iPhone gewesen ist. Ein Steckplatz für eine Micro-SD-Karte ist wieder nicht vorhanden.

Akkulaufzeit

In einem ersten Akkulaufzeittest konnten wir mit dem iPhone 6 ein gestreamtes Video über sechs Stunden lang anschauen - ein guter Wert. Im Alltag hält das neue iPhone in unserem Test nur knapp einen Tag lang durch - gegen 19 Uhr hatten wir nur noch 22 Prozent Akkustand übrig. Mit deaktiviertem LTE erhöht sich dieser Wert, wir kamen dann auf 44 Prozent um 22 Uhr. Laut iFixit , das das iPhone 6 bereits auseinandergenommen hat, hat der nicht ohne weiteres wechselbare Akku eine Kapazität von 6,91 Wh.

Die Laufzeit des iPhone 6 Plus ist in der Praxis etwas länger. Wir können mit der großen Variante den gleichen gestreamten Film etwa 7 Stunden lang anschauen, auch die Laufzeit im Alltag ist entsprechend länger.

Verfügbarkeit und Fazit

Das neue iPhone 6 kostet in der 16-GByte-Version 700 Euro, in der 64-GByte-Version 800 Euro. Die teuerste Option ist die 128-GByte-Variante, für die Apple 900 Euro verlangt. Das iPhone 6 Plus kostet in der günstigsten Version mit 16 GByte Speicher 800 Euro, mit 64 GByte Speicher 900 Euro. Wer das neue große iPhone mit 128 GByte Speicher haben möchte, muss 1.000 Euro bezahlen.

Fazit

Apple sind mit dem neuen iPhone 6 und iPhone 6 Plus zweifellos zwei Topsmartphones gelungen. Die Geräte stellen bezogen auf den Prozessor eine technische Weiterentwicklung des Vorgängers dar, die neuen Displays gehören zu den aktuell besten Bildschirmen im Smartphone-Markt. Viel wichtiger wiegen für uns allerdings die neuen Größen der Displays.

Deren Vergrößerung ist zeitgemäß und mehr als überfällig. Apple hätte hier durchaus bereits vor einiger Zeit reagieren können - wenn nicht sogar müssen. Sicherlich, viele iPhone-Nutzer verwenden Apples Smartphone gerade weil es angenehm klein ist, problemlos in die Hosentasche passt und gut mit einer Hand zu bedienen ist. Wir finden allerdings, dass dies auch für das neue iPhone 6 gilt. Dank der abgerundeten Ränder finden wir, dass das neue iPhone sogar angenehmer in der Hosentasche zu tragen ist.

Das iPhone 6 Plus hingegen ist tatsächlich eher ein Gerät für Nutzer, die bewusst ein derartig großes iPhone haben möchten - das unterscheidet das neue große Modell in dieser Hinsicht nicht von anderen Smartphones mit Riesendisplay. Nutzer mit kleinen Händen werden mit dem iPhone 6 Plus die gleichen Probleme wie mit einem Galaxy Note 3 oder 4 sowie einem Ascend Mate 7 haben. Apples Einhandmodus kann daran nicht viel ändern, da er zu beschränkt ist.

Apple hat mit der Größenanpassung auf die veränderten Verhältnisse im Smartphone-Markt reagiert. Die Versuchung, statt eines weiteren iPhones mit briefmarkengroßem Display ein gutes Android- oder Windows-Phone-Gerät mit größerem Bildschirm zu kaufen, dürfte bei manchem Nutzer durchaus vorhanden sein. Daher ist die Entscheidung Apples richtig, zwei neue, größere Smartphones auf den Markt zu bringen, um die Konkurrenz größenmäßig nicht aus den Augen zu verlieren. Liebhaber kleiner iPhones sollten sich unserer Ansicht nach nicht von der Display-Vergrößerung auf 4,7 Zoll abschrecken lassen.

Zum Thema Apple Pay lässt sich aktuell noch nicht viel sagen: Ob sich der Bezahlungsservice in der Tragweite, wie ihn Apple gerade in den USA einführen will, auch in Deutschland etablieren kann, steht noch in den Sternen. Wir sehen das Potenzial in Deutschland aktuell aber eher noch nicht.

Abschrecken könnten manchen Nutzer die stellenweise gesalzenen Preise der neuen iPhones. Das iPhone 6 Plus kostet in der 128-GByte-Version 1.000 Euro - der Preis eines guten Ultrabooks. Sicher, ein iPhone hat dafür auch einen höheren Wiederverkaufswert als ein Topsmartphone mit Android oder Windows Phone. Dies liegt aber vor allem daran, dass Apple als einziger Anbieter die Preise künstlich konstant hält - daher kostet ein iPhone nach einem halben Jahr immer noch so viel wie am ersten Verkaufstag. Dafür werden iPhones bisher tendenziell deutlich länger mit Updates versorgt als Android-Geräte; ein Vorteil, den der Käufer natürlich mitbezahlt.

Die neuen Einstiegsmodelle mit 16 GByte lassen sich mit gutem Gewissen eigentlich nicht empfehlen, weil der Speicher bereits bei moderater Nutzung schon bald voll sein dürfte. Für Kunden wäre es deutlich angenehmer, wenn die kleinen Modelle gleich 32 GByte hätten.

Dennoch wird Apple es schwer haben, Nutzer anderer Betriebssysteme bei derartig hohen Preisen vom Umstieg zu überzeugen - was anhand der immer stärker werdenden Android-Konkurrenz allerdings keine schlechte Idee wäre. Das ändert jedoch nichts daran, dass auch die neuen iPhones wieder ausgewogene und gute Smartphones sind, auch wenn sie das Rad nicht neu erfinden. Wer allerdings nicht unbedingt ein Smartphone mit Apfellogo braucht, findet im Android- und Windows-Phone-Bereich günstigere und stellenweise sogar bessere Alternativen.

Nachtrag vom 22. September 2014, 9:46 Uhr

Zum iPhone 6 Plus haben wir das Ergebnis unseres Videotests nachgetragen.

Nachtrag vom 25. September 2014, 13:16 Uhr

Die Angaben zur Akkulaufzeit wurden um Werte bei alltäglicher Nutzung erweitert.


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