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iPad 10 im Test: Apples wunderliche iPad-Neuordnung

Apple modernisiert das Einsteiger- iPad mit sinnvollen Funktionen – und bringt damit sein Tablet-Lineup durcheinander.
/ Tobias Költzsch
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Das iPad 10 von Apple (Bild: Tobias Költzsch/Golem.de)
Das iPad 10 von Apple Bild: Tobias Költzsch/Golem.de

Das iPad war in den letzten Jahren eine sichere Bank, was Tablets betrifft: Für 380 Euro konnten Interessenten beispielsweise bis zum Herbst 2022 das iPad 9 mit 64 GByte Speicher und fünf Jahren Software-Updates kaufen. Bekommen haben sie ein solides Tablet, das für die meisten Alltagsanwendungen geeignet und unkompliziert zu benutzen ist.

Mit dem neuen iPad 10 hat Apple die Grenzen etwas verschoben: Das neue iPad ist mit mindestens 580 Euro deutlich teurer, auch beim Vorgänger hat Apple den Preis auf 430 Euro angehoben. Apple bietet beim neuen Modell einige sinnvolle Verbesserungen – ob sie den hohen Aufpreis rechtfertigen, schauen wir uns im Test an. Ebenfalls testen wir das neue Magic Keyboard Folio , das exklusiv für das iPad 10 erhältlich ist. Fest steht, dass Apple sein Tablet-Lineup vor allem in Bezug auf das iPad Air kräftig durcheinandergebracht hat.

Das neue iPad fällt beim Auspacken aus zweierlei Gründen auf: wegen des Designs und der Farbe. Vorbei ist es mit langweiligen Farben wie Dunkelgrau, das neue iPad kommt in Blau, Pink, Gelb und – als unauffällige Alternative – Silber. Das Tablet sieht zudem auf den ersten und auch schnellen zweiten Blick aus wie das iPad Air.

Das iPad 10 hat anders als seine Vorgänger nun auch das kantige Design mit schmalerem Rahmen um das IPS-Display, das zudem mit 10,9 Zoll etwas größer geraten ist. Von vorne unterscheidet sich das iPad 10 vom iPad Air eigentlich nur aufgrund der auf der langen Displayseite eingebauten Frontkamera – und die sieht man erst bei genauerem Hinschauen.

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Auch von hinten sehen sich die Tablets sehr ähnlich. Lediglich die unterschiedliche Beschriftung und die Position des Smart Connectors für Zubehör verrät, dass es sich um zwei verschiedene Tabletmodelle handelt. Das neue iPad hat die bekannte 12-Megapixel-Kamera, die auch beim Vorgänger und beim iPad Air verbaut wird – mit einer Qualität, die für gute Schnappschüsse ausreicht.

Das 10,9-Zoll-Display des neuen iPad hat 2.360 x 1.640 Pixel, wie das des iPad Air. Allerdings handelt es sich nicht um ein vollständig laminiertes Display, auch eine Antireflex-Beschichtung fehlt. Zudem ist der Farbraum mit sRGB kleiner als beim iPad Air (P3). Die fehlende vollständige Laminierung führt dazu, dass das Panel beim iPad 10 wie hinter einem Schaufenster wirkt, während es beim iPad Air plan mit der Displayabdeckung abzuschließen scheint.

Die fehlende vollständige Laminierung und der geringere Farbraum sind Stellen, an denen Apple gespart hat – was wir bei einem Einsteiger-Tablet in Ordnung finden. Die Bildschirmqualität ist dennoch sehr gut: Die Farben sind natürlich, mit maximal 500 cd/m² ist das Tablet auch draußen gut abzulesen. Der Bildschirm ist in etwa so blickwinkelstabil wie der des aktuellen iPad Air.

A14 Bionic statt M1- oder M2-Chip

Im Unterschied zum iPad Air verwendet Apple beim neuen iPad keinen M-Prozessor, sondern setzt weiterhin auf seine A-Chips. Zum Einsatz kommt der A14 Bionic, den Apple im September 2020 vorgestellt und im iPhone 12 und im iPad Air der vierten Generation verwendet hat. Das SoC ist im Vergleich zu anderen Marktteilnehmern immer noch sehr leistungsfähig, was ein Blick auf die Benchmarks verrät.

Im Geekbench-Test kommt das iPad auf einen Single-Core-Wert von 1.565 Punkten, was 500 Punkte mehr sind, als der Snapdragon 8+ Gen1 leistet. Zum Vergleich: Das aktuelle iPhone 14 mit dem A15 Bionic kommt auf 1.872 Punkte, das iPad Air (2021) mit M1-Chip erreicht 1.685 Zähler. Im Wild Life Extreme Unlimited des 3DMark kommt das iPad auf 2.093 Punkte – knapp 700 Zähler weniger als das iPhone 14 mit dem A15-Chip.

Diese Leistungsfähigkeit zeigt sich auch in der alltäglichen Nutzung: Das iPad 10 läuft flüssig in der Bedienung, auch anspruchsvolle Apps sind für das Tablet kein Problem. Multitasking funktioniert ebenfalls, allerdings müssen wir uns auf dem neuen iPad mit den bisherigen Möglichkeiten zufriedengeben – also den Splitscreen-Modus plus schwebende Fenster am rechten Bildschirmrand. Der Stage Manager funktioniert auf dem iPad 10 nicht, was angesichts unserer bisherigen Erfahrungen allerdings kein Manko ist.

Das iPad 10 ist das erste Einsteiger-iPad, das mit einem USB-C-Anschluss erscheint. Dieser unterstützt zwar kein Thunderbolt, externe Displays lassen sich aber dennoch anschließen. Auf Einstellungen der Bildgröße müssen Nutzer allerdings verzichten. Der Anschluss ist wesentlich praktischer für Zubehör – wie Apple in seinen Unterlagen zum iPad 10 selbst betont. Damit bleiben die iPhones und Apples Kopfhörer die letzten Geräte mit Lightning-Anschluss, was sich in naher Zukunft aber auch ändern wird.

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Anders als beim iPad Air befinden sich die drei Kontaktflächen des Smart Connectors beim iPad 10 im Rand, und nicht auf der Rückseite. Das bedeutet, dass bisheriges Zubehör für das nahezu gleich große iPad Air nicht funktioniert. Mit dem neuen iPad hat Apple das Magic Keyboard Folio vorgestellt, ein Tastaturcover mit großem Touchpad und einer Funktionstastenleiste mit 14 Tasten, über die wir beispielsweise Medien und die Lautstärke steuern oder die Bildschirmhelligkeit ändern können.

Magic Keyboard Folio ist die beste iPad-Tastatur

Anders als das Magic Keyboard des iPad Air und iPad Pro besteht das Magic Keyboard Folio aus zwei Teilen: einem Rückteil mit Klappständer und einem Tastaturteil. Die Tastatur wird unabhängig vom Rückteil an den Smart Connector am unteren Rand befestigt. Benötigen wir die Tastatur nicht, können wir sie abmachen und das Tablet nur mit dem Rückteil verwenden – etwa beim Filmeschauen oder wenn wir das Tablet zum Surfen in der Hand halten. Zum Transport lässt sich die Tastaturhülle über das Display klappen.

Der Tastenanschlag ist vergleichbar mit dem Magic Keyboard, die Tasten haben allerdings keine Hintergrundbeleuchtung. Aufgrund der Konstruktion nimmt das iPad mit dem Magic Keyboard Folio etwas mehr Platz ein als das iPad Air mit dem Magic Keyboard, da es einen Klappständer verwendet. Von der Nutzung her finden wir die neue Tastatur besser als das Magic Keyboard: Die Funktionstastenreihe ist praktisch, das Touchpad ist größer und die zweiteilige Konstruktion ist vielseitiger.

Umso unverständlicher ist es, dass Apple das Magic Keyboard Folio nur für das iPad 10 vorgesehen hat: Mit dem iPad Air und dem iPad Pro ist die Tastatur nicht kompatibel. Wir müssen dort weiterhin mit der Folio-Tastaturhülle ohne Touchpad oder dem Magic Keyboard mit kleinerem Touchpad und ohne Funktionstasten Vorlieb nehmen – das finden wir schade.

Eine zunächst ebenfalls merkwürdig scheinende Entscheidung ist, dass Apple mit dem iPad 10 weiterhin den Apple Pencil der ersten Generation unterstützt. Da dieser über einen Lightning-Stecker geladen wird, das neue iPad aber einen USB-C-Anschluss hat, müssen wir einen Lightning-auf-USB-Adapter zum Laden verwenden. Wer den Adapter vergisst, kann den Apple Pencil nicht aufladen.

Schauen wir uns das iPad 10 genauer an, wird allerdings verständlich, warum Apple nicht auf den Pencil der zweiten Generation setzt, der sich drahtlos laden lässt. Da Apple die Kamera beim neuen iPad auf die lange Seite des Displays versetzt hat, dürfte an dieser Stelle kein Platz mehr für die drahtlose Ladespule sein. Außerdem könnte die Überlegung eine Rolle spielen, dass Nutzer eines älteren iPads das neue kaufen wollen und bereits einen Pencil der ersten Generation besitzen – und diesen dann weiterverwenden können.

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Das neue iPad bietet wie seine Vorgänger eine gute Akkulaufzeit: Wir kommen bei normaler Nutzung teilweise mehrere Tage mit einer Akkuladung aus. Auch bei starker Nutzung kann das Tablet mindestens einen Tag lang verwendet werden – letzten Endes hängt das aber natürlich vom Nutzungsverhalten ab.

Das neue iPad hat eine weitere praktische Verbesserung bekommen: Das Tablet hat nicht mehr nur einen Lautsprecher an der Unterseite, sondern Stereolautsprecher. Neben dem bisherigen Speaker wurde ein zweiter in der zweiten kurzen Seite des Gehäuses verbaut. Das führt vor allem beim Videoschauen im Querformat zu einem wesentlich besseren Klangbild als bisher. Die Lautsprecher sind gut, wenngleich sie nicht an die Qualität derer des iPad Air herankommen.

Der Fingerabdrucksensor ist wie beim iPad Air im nun seitlich eingebauten Einschalter verbaut. Einen Menübutton hat das iPad 10 nicht mehr. Der Sensor funktioniert in unserem Test sehr zuverlässig und schnell, einen Unterschied zum iPad Air können wir nicht bemerken.

Verfügbarkeit und Fazit: Apple iPad 10

Das iPad 10(öffnet im neuen Fenster) kostet in der Grundversion mit 64 GByte Speicher 580 Euro, mit 256 GByte Speicher ist das Tablet für 780 Euro zu haben. Mit Mobilfunkmodem kosten die beiden Varianten jeweils 200 Euro mehr. Das Magic Keyboard Folio(öffnet im neuen Fenster) kostet 300 Euro extra. Der Apple Pencil(öffnet im neuen Fenster) der ersten Generation ist für 120 Euro zu haben, der Ladeadapter(öffnet im neuen Fenster) kostet 10 Euro.

Fazit

Das neue iPad ist ein leistungsfähiges Tablet, das Apple verglichen mit dem Vorgänger an sinnvollen Stellen verbessert hat. Allerdings ist es 200 Euro teurer als sein Vorgänger, was dem Status des iPad als idealem Einsteiger-Tablet zu schaffen machen dürfte.

Die Vorteile gegenüber dem iPad 9 liegen unter anderem beim Prozessor, beim Design und beim Lautsprecher. Bei einem Preis von 580 Euro für die mit 64 GByte nicht gerade üppig bestückte Einsteigerversion tun wir uns allerdings schwer, das iPad weiterhin als ideales Einsteiger-Tablet zu empfehlen.

Dass der Preis nicht nur wegen der Verbesserungen gestiegen ist, zeigt Apples Preispolitik bezüglich des Vorgängermodells: Das iPad 9 ist weiterhin erhältlich, ist mit mindestens 430 Euro aber satte 50 Euro teurer als zuvor. Auch der Apple Pencil ist teurer als früher.

Mit dem deutlich höheren Preis ist das iPad 10 zwar immer noch gut 200 Euro vom iPad Air entfernt, angesichts des gleichen guten Designs und dem im Alltag wohl für die meisten Nutzer ausreichenden Funktionsumfang sehen wir das neue iPad aber als große Konkurrenz für das Air-Modell. Uns fällt ehrlich gesagt kein Grund ein, warum jemand noch das iPad Air kaufen sollte.

Das Argument, dass das iPad Air den Apple Pencil der zweiten Generation verwendet, lassen wir nur halb gelten. Wer mit dem Stift professionell zeichnen will, dürfte gleich zum iPad Pro greifen. Und für Notizen reicht der Pencil der ersten Generation allemal aus – auch, wenn wir ihn umständlich mit einem Adapter laden müssen.

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Ebenfalls für das iPad 10 und nicht für das iPad Air spricht unserer Meinung nach die neue Tastatur Magic Folio Keyboard. Sie gefällt uns wesentlich besser als die normale Folio-Hülle und auch besser als das Magic Keyboard für das iPad Air und iPad Pro. Mit 300 Euro ist die Tastaturhülle aber alles andere als günstig: Für den Preis des 256-GByte-iPads mit der Hülle bekommen wir bereits ein sehr gutes Notebook.

Am Ende lässt uns das iPad 10 und die damit verbundene Produktpolitik etwas ratlos zurück. Mit dem neuen iPad entfernt sich Apple preislich vom Einsteigerbereich und verringert gleichzeitig den Abstand zwischen iPad und iPad Air. Außer Frage steht, dass Käufer des iPad 10 ein leistungsstarkes, hochwertiges Tablet erhalten.


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