Alle Kameras können in einer Stunde durchprobiert werden

Da es kein Rate-Limiting gibt und die IDs nur eine geringe Entropie aufweisen, soll es innerhalb von nur einer Stunde möglich sein, alle möglichen Kombinationen beim Backend abzufragen. Das Problem wird aber noch größer. Denn das Backend ermöglicht es, einige Kommandos an die Kameras weiterzuleiten - ohne eine vorherige Authentifizierung. Es reicht also die zuvor eingesammelte Device-ID. Es ist dafür auch nicht notwendig, die Device-ID vorher einem festen Account zuzuweisen.

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Über das Backend können außerdem ohne größere Probleme beliebige Passwörter ausprobiert werden. Dabei stellte sich schnell heraus, dass viele Kameras ein einfaches Standardpasswort verwenden. Mehr als 700.000 Geräte nutzten das Passwort 123, auch die Kombination 888888 war mehr als 60.000 Mal vorhanden.

Dem Firmwareaustausch steht nur MD5 im Wege

Um auf den Kameras tatsächlich eigenen Code auszuführen, ist es notwendig, die Firmware der Geräte zu verändern. Eine selbst gepatchte Firmware aufzuspielen, gelang zunächst nicht, daher mussten die Hacker eine Prüfung der mit DES verschlüsselten MD5-Checksumme umgehen. Sobald die manipulierte Firmware einen vermeintlich korrekten Hashwert aufweist, könnte die Installation auf fremden Kameras durch eine Manipulation der Netzwerkpfade für die Installation von Updates automatisiert werden.

Angreifer könnten die Methode nutzen, um ein mächtiges Botnetz aufzusetzen. Die Hersteller reagierten auf die Kontaktversuche von Martin und Bräunlein deren Angaben zufolge nicht. Zunächst seien zahlreiche E-Mail-Anfragen unbeantwortet geblieben, beim Kontakt über den Skype-Channel eines Herstellers habe dieser nur zwei zufällige Marketingvideos gesendet. Weitere Kontaktversuche wollten die Hacker nicht mehr starten.

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Um das Problem zu beheben, dürften die Kamerahersteller zum einen keine Standardpasswörter verwenden und müssten längere Device-IDs nutzen, die automatisch eine bessere Entropie aufwiesen. Außerdem sollten Befehle nicht ohne eine Authentifizierungsprüfung an die Kamera weitergegeben werden.

Auch andere wichtige Maßnahmen wie ein serverseitiges Rate-Limiting für verschiedene Anfragen fehlen bislang. Nur einer der Hersteller setzt auf ein Captcha - dieses wurde aber vom Gerät selbst bereitgestellt und könnte somit von einem Angreifer selbst herausgepatcht werden.

Offenlegung: Golem.de hat auf Einladung der Deepsec-Veranstalter an der Konferenz in Wien teilgenommen. Die Reisekosten wurden von den Veranstaltern übernommen. Unsere Berichterstattung ist davon nicht beeinflusst und bleibt gewohnt neutral und kritisch. Der Artikel ist, wie alle anderen auf unserem Portal, unabhängig verfasst und unterliegt keinerlei Vorgaben Dritter; diese Offenlegung dient der Transparenz.

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 IP-Kameras: Wie man ein Botnetz durch die Firewall baut
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