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iOS 6 im Test: Eine Uhr, eine Karte und kleine Macken

Apple hat iOS 6 fertiggestellt und bietet das System für iPad, iPhone und iPod Touch nun zum Download an. Im Test zeigen sich nur wenige, aber durchaus sinnvolle Neuerungen. Die neue Karten-App wird aber nur einer Zielgruppe wirklich gut gefallen.
/ Andreas Sebayang
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Tom Tom löst in iOS 6 Google ab. (Bild: Apple/Screenshot: Golem.de)
Tom Tom löst in iOS 6 Google ab. Bild: Apple/Screenshot: Golem.de

Mit iOS 6 kommen wieder einige Neuerungen auf den Nutzer von Apples mobilen Geräten zu. Halbwegs aktuelle iPads, iPhones und iPod Touch können das System nun installieren. Gleichzeitig fällt aber nun das allererste iPad aus dem Support bei Apple heraus. Die Änderungen sind zum Teil tiefgreifend – einige betreffen alle Nutzer -, aber nicht unbedingt spektakulär.

Probefahrt mit Karten in iOS 6
Probefahrt mit Karten in iOS 6 (02:08)

Änderungen gibt es vor allem bei den Karten, die wir im Detail betrachten. Aber auch andere Neuerungen, die teils nicht für alle iOS-Geräte gelten, sind für den Test wichtig. Besonders beschäftigen wir uns mit der neuen Karten-App, die Google Maps zugunsten von Tom Tom ablöst. Außerdem gibt es jetzt Siri auch für das iPad 3 , aber nicht für das iPad 2.

Neu ist auch die Facebook-Integration in iOS. Wir haben da allerdings erhebliche Vorbehalte. Das soziale Netzwerk Facebook ist bekannt dafür, wenig respektvoll mit persönlichen Daten umzugehen. Die Facebook-Entwickler haben nicht nur einfach ungefragt E-Mail-Adressen ausgetauscht , sondern sogar Kontaktdatenbanken verändert , was auch iOS-Nutzer betraf.

Facebook und Twitter sind jetzt sehr viel stärker ins System integriert. Bei einem Twitteraccount sieht der Nutzer etwa, was andere Freunde der Kontaktdatenbank getweetet haben. Das funktioniert sogar mit Apps: Wer andere iPhone-Nutzer mit Twitterintegration kennt, sieht entsprechende Tweets. Die Facebookintegration ermöglicht zudem, dass der Nutzer nicht nur Kontakte stärker bindet, sondern beispielsweise auch von Apps wie dem Gamecenter Spiele weiterempfehlen kann. Mit dieser systemweiten Integration dürften die Einzelintegrationen insbesondere bei Spielen weitgehend unnötig werden.

Neue und veränderte Apps

Apple hat mit iOS zahlreiche seiner Anwendungen überarbeitet. Sie wirken alle ein bisschen moderner. An der Funktionalität hat sich nicht viel verändert. Zu den angepassten Apps gehört unter anderem die Wetter-App, die nun moderner aussieht. Funktionen ändern sich dadurch nicht. Leider bleibt das Icon weiterhin statisch und zeigt keine aktuelle Temperatur in der App-Übersicht an. Apple macht das bisher nur beim Kalender mit dem aktuellen Datum im Icon. Wir haben übrigens während der Betaphase animierte Icons in der Updateroutine gesehen. Eventuell kommt da noch mehr.

Überarbeitet wurden auch die Musik-App und der App Store. Sie sehen beide moderner und dunkler aus. Beim App Store dürften viele Designänderungen über den Server kommen und nicht Teil der App sein. Wir haben aber festgestellt, dass wir weniger häufig das Passwort bei App-Updates eingeben müssen. Das neue Layout gefällt uns ganz gut. Außerdem werden in der Liste der Updates nun auch für iPhone-Nutzer übersichtlich die Neuerungen der jeweiligen App aufklappbar angezeigt. Beim iPad ging das schon früher.

Leichte Designanpassungen gibt es bei der Telefonie-App, die nun auf ein helles Ziffernblatt setzt. Sehr praktisch ist, dass Anrufe mit einer vorgefertigten Antwort abgewiesen werden können. Insgesamt lassen sich drei Nachrichtenvorlagen speichern, die dann auf einfachen Knopfdruck hin abgeschickt werden können. Apple hat aber nicht konsequent alle Anwendungen überarbeitet. So ist eine Mischung aus verschiedenen Designgenerationen entstanden.

Komplett neu ist die Uhren-App, zumindest für iPad-Nutzer. Die können ihr Tablet nun als schön große Uhr oder als Wecker nutzen und sich verschiedene Weltzeiten anzeigen lassen. Auch das aktuelle Wetter wird angezeigt. Letztendlich zieht Apple mit HPs WebOS-Tablet gleich, was schon lange eine Uhrenansicht anbietet.

Die App Uhr in iOS 6 ausprobiert
Die App Uhr in iOS 6 ausprobiert (01:40)

Ebenfalls neu ist die App Passbook. Mangels weit verteilter Infrastruktur ist die Beurteilung in der Praxis aber schwierig. Als einer der Ersten hat Lufthansa aber am heutigen 19. September 2012 seine Lufthansa-App aktualisiert. Sie kann nun Flugscheine an Passbook übergeben. Passbook ist auf jeden Fall schön übersichtlich und hat das Potenzial, viele Einzel-Apps abzulösen.

Nur für das iPhone gibt es im Browser nun einen Vollbildmodus. Damit hat der Nutzer auf dem kleinen Display etwas mehr Platz. Vor allem in der Queransicht ist das ein enormer Vorteil. Bei zwei Anwendungen hat sich Apple allerdings keinen Gefallen getan. Eine fehlt und eine andere wurde deutlich verschlechtert.

Es gibt jetzt eine Tastatur mit Umlauten

Apples iOS kann mit der Version 6 nun auch Umlaute in der virtuellen Tastatur anzeigen. Das Layout wird zwar ein bisschen enger, aber trotzdem tippt es sich dadurch einfach schneller. Die Position des ß-Zeichens ist aber gewöhnungsbedürftig. Wer will, kann übrigens auch eine deutsche Tastatur ohne Umlaute aktivieren. Zusätzlich ist als deutsches Layout auch ein Azerty-Layout möglich. Bei unserem Test war die neue deutsche Tastatur nicht bei jedem sofort sichtbar. Im Zweifelsfall muss der Nutzer kurz in die Tastatureinstellungen und dort Deutsch-Deutsch auswählen.

Tom-Tom-Karten kennen keine Bahnanlagen

Verschwunden sind zwei Google-Anwendungen. Es fehlt beispielsweise die Youtube-App, was nicht unbedingt tragisch ist, weil Youtube auch im Browser gut funktioniert. Dass Google Maps fehlt, trifft hingegen fast alle Anwendungen, die das interne Karten-API von Apple verwenden, seien es Restaurant-, Bank- oder ÖPNV-Apps. Sie alle nutzen jetzt eine andere Darstellung. Schon in den vergangenen Tagen haben einige Entwickler Updates über den App Store verteilt, um das neue API besser zu unterstützen. Statt Google Maps wird nun Kartenmaterial von Tom Tom genutzt, das mit zahlreichen anderen Daten vermischt wurde. Zum Teil finden sich auch Openstreetmap-Daten in der Karte.

Karten und Flyover in iOS6 ausprobiert
Karten und Flyover in iOS6 ausprobiert (01:17)

Einige dieser Änderungen bringen eine deutliche Verschlechterung. Zwar sind die neuen Karten sehr übersichtlich und hübsch anzuschauen, wir vermissen allerdings eine gewisse Dichte an Details, die vor allem Europäer interessieren. Die Tom-Tom-Karten sind klar auf die Bedürfnisse von Autofahrern zugeschnitten.

Selbst bei Flughäfen gibt es Defizite. Dafür bieten die Tom-Tom-Karten zahlreiche Points of Interest (POI), die vermutlich vom Openstreetmap-Projekt stammen. Der Nutzer muss aber, um Restaurants und Museen zu finden, beim iPhone ziemlich stark zoomen. Das missfällt uns an der App insgesamt: Sie sieht zwar schick aus, um das zu erreichen, werden aber selbst Straßennamen teils viel zu spät eingeblendet. Unserem Verständnis nach sind Stadtpläne, auch gedruckte, aber nun einmal mit vielen Informationen auf kleinem Raum belegt.

Bei den wenigen Points of Interest gibt es teils einen Versatz um ein paar hundert Meter. Das stört vor allem bei der Navigation, wie auf der nächsten Seite eingehend erklärt wird. Das Problem hatte aber auch Google Maps ab und an.

Sehr hübsch ist die neue 3D-Kartenansicht mit Gebäuden. Die aktiviert der Nutzer über die Satellitenansicht. Dann wird ein zusätzliches Symbol mit Häusern angezeigt. Die Karte wird nicht nur gekippt, sondern auch Gebäude in 3D angezeigt. Die Technik wurde durch den Aufkauf von C3 Technologies Teil von Apple und funktioniert vor allem im Innenstadtbereich von Großstädten. Dazu gehören auch Berlin und München. Die Bilder sind vor allem bei Städten mit vielen Wolkenkratzern sehr eindrucksvoll. Außerdem soll die Funktion auch bei der Navigation funktionieren. Laut Apple geht das aber nur in den USA. In Berlin schaltet sich die Gebäudeansicht ab.

Die 3D-Ansicht ruckelt sowohl auf dem iPad 2 als auch dem iPad 3 mit seiner hohen Auflösung zum Teil deutlich. Zudem fallen lange Ladezeiten auf, selbst über das WLAN. Die iPads speichern zudem kaum Daten zwischen, so dass schon bei wenigen Bewegungen erneut Daten nachgeladen werden müssen.

Für die Detailbeurteilung haben wir uns das Kartenmaterial vor allem im Raum Berlin angeschaut, der Heimatstadt von Golem.de. Dabei sind einige Mängel zu entdecken, die bei einer Großstadt nicht vorkommen sollten.

Autofahrer profitieren von den Tom-Tom-Karten, auch wenn Orte fehlen

Bei den Flughäfen der Stadt ist auf den Tom-Tom-Karten der Flughafen Tempelhof noch nicht geschlossen. Der ehemalige Flughafen, auf dem auch früher nur kleinere Maschinen landen konnten, ist laut Apple sogar der wichtigste der Stadt. Der Flughafen Tegel, der wider Erwarten weiterhin der Hauptflughafen Berlins ist(öffnet im neuen Fenster) , wird in einigen Zoom-Levels gar nicht als Fläche angezeigt. Zoomt der Nutzer näher heran, ist er immerhin aufgrund seiner Umrisse zu erkennen, Tom Tom weist ihn aber nicht als Flughafen aus. Das wundert uns doch sehr, schließlich existiert dieser Flughafen schon ein paar Jahrzehnte. Andererseits sollte er vor ein paar Monaten offiziell geschlossen werden.

Etwas neuer, nämlich rund sechs Jahre alt, ist der Berliner Hauptbahnhof. Eisenbahnkenner werden sich darüber freuen, dass Apple diesen Bahnhof noch Lehrter Stadtbahnhof nennt, was bahnintern sogar noch korrekt ist(öffnet im neuen Fenster) . Ein Hauptbahnhof ist im Stadtplan aber nicht zu finden. Die Anlage mit immerhin 16 Gleisen für S-, U- und Fernbahn ist in der Karten-App als solche kaum zu erkennen. Streckenführungen von U-Bahnen oder die Unterscheidung von U- und S-Bahn sind gar nicht vorhanden.

Die neue Navigation bietet realistische Ergebnisse für Autofahrer

Die Daten sind zwar auch bei Google nicht perfekt, aber besser ausgearbeitet. Wer vernünftige Karten im Nahbereich braucht, sollte nach einer guten Openstreetmap-App suchen, die aber leider nicht als systemweite Anwendung installiert werden kann. Das erlaubt Apples geschlossenes System nicht. Die neue Karten-App gefällt uns aber in einem Bereich besonders: der Navigation.

Für Fußgänger und Autofahrer ist die Navigation mit den deutlich sichtbaren Schildern über der Karte sehr gut gelungen. Das gilt auch für die Routenfindung und die Zeitabschätzung. Ein Vergleich mit der alten Google-Maps-App zeigte bei Google völlig unrealistische Fahrtzeiten. Wo Google 10 Minuten Fahrzeit annimmt, zeigt Tom Tom Werte um die 20 Minuten an. Letzteres ist nach unserer Erfahrung realistisch. Die Routen bei Tom Tom und Google unterscheiden sich etwas. Bei Google haben wir aber ab und an Umwege gesehen. Sehr schön: Ab dem iPad 2 oder dem iPhone 4S gibt es mit iOS 6 sogar die Turn-by-Turn-Navigation samt Sprachausgabe. Sie funktioniert mit einer hübschen und flüssig arbeitenden 3D-Ansicht, die abhängig vom Ort zwischen unterschiedlichen Perspektiven sanft wechselt. Wer will, kann aber auch in 2D navigieren.

Ältere Geräte bekommen leider keine Live-Navigation. Insgesamt profitiert vor allem der Autofahrer von der neuen Karten-App und den Navigationslösungen. Wir haben diese auf den Straßen auch ausprobiert. Eventuelle Abweichungen der Route erkennt das System binnen Sekunden und reagiert auch entsprechend. Einmal führte eine Routenabweichung allerdings zu einer sofortigen Ankunft am Oranienplatz. Störend ist auch für Autofahrer, dass wichtige Orientierungspunkte wie U-Bahnhöfe von der App teilweise nicht angezeigt werden. Der Fokus liegt bei der Navigation zu stark auf Nagelstudios oder Cafés, auf die Autofahrer beim Fahren sicher nicht aufpassen. Hinzu kommt ein sichtbarer Versatz von U-Bahnhöfen in Berlin. Sie werden teils nicht angezeigt, weil sie sich laut der App ein paar hundert Meter von ihrem wahren Standort entfernt befinden.

Beim Versuch, zum Oranienplatz zu fahren, schlug uns die Anwendung konsequent die Parkanlage Oranienplatz als Fahrziel vor, nicht die Straße. Das ist an sich nicht problematisch, weil sie sich in der Nachbarschaft befindet. Allerdings zeigt sich hier bei Apples Karten-App genau, wie der Versatz zu einem Routenumweg von etwa 500 Metern führt. So etwas sollte nicht passieren, da der Nutzer dann an der falschen Stelle parkt. Die Ergebnisse sind also sehr unterschiedlich, überwiegend gefällt uns das kostenlose Update aus Sicht eines motorisierten Verkehrsteilnehmers aber.

Routenplanung per ÖPNV funktioniert in Berlin hingegen gar nicht. Die Karten-App schlägt dann Anwendungen aus dem Store vor. Wenn eine passende installiert ist, wird diese auch als Aufruf vorgeschlagen.

Das Beispiel Berlin ist auch hier wieder eine Enttäuschung. Wir haben diverse ÖPNV-Apps installiert. Für Berlin wird die App Embark iBART als Routen-App vorgeschlagen. BART, kurz für Bay Area Rapid Transit, fährt aber nur im Raum San Francisco (USA). Die installierte Fahrinfo-Berlin-App kennt die Karten-App von Apple nicht und es gibt auch keine Treffer im App Store – schade. Update: Zwischenzeitlich wurde Fahrinfo Berlin aktualisiert und wird nun auch als Routing-App vorgeschlagen. Suchanfragen von der Karten-App werden mit einem Knopfdruck dann zur ausgewählten App übertragen, die eine Suche durchführt.

Bahnanlagen in den USA werden übrigens auch nicht besser dargestellt als die in Berlin. Das besagte BART-System führt laut der Apple-App nicht zum Flughafen von San Francisco, was so nicht stimmt. Das dort ebenfalls verkehrende Caltrain-System ist zudem unvollständig. Es sieht sogar aus, als würde Tom Tom die Systeme mischen.

Neuer Schlafmodus für die Nachtruhe

In den Einstellungen von iOS 6 hat sich einiges verändert. Es gibt jetzt beispielsweise den praktischen Ruhemodus. Wer schlafen geht, kann das iPhone in einen kompletten Stummmodus schalten. Wenn das Mondsymbol in der Statusleiste zu sehen ist, vibriert auch nichts. Anrufe sind dann auch sinnlos, die Mobilbox wird sofort aktiviert. Außerdem geht das Display des iPhones gar nicht erst an. Anders als beim Abschalten des Telefons über Nacht entgehen dem Nutzer so keine Nachrichten, die er dann abholen muss. Selbiges gilt für Push-Nachrichten.

Stark erweitert wurde zudem das Rechtemanagement. Es sind jetzt nicht mehr nur Ortungsdienste, die vor Anwendungen versteckt werden können. Die Liste unter der Einstellung Datenschutz beinhaltet die bereits erwähnten Ortungsdienste, Kontakte, Kalender, Erinnerungen, Fotos, Bluetooth, Twitter und Facebook. Der Anwender wird bei jeder App benachrichtigt, die Zugriff auf eine dieser Funktionen braucht. Auch später lassen sich beispielsweise die Kontakte für Apps freigeben. Mancher wird sich beispielsweise anfangs wundern, warum eine Karten-App Kontakte wissen will, und das erst einmal abschalten. Karten-Apps brauchen die Kontaktdaten aber, wenn der Nutzer zu einer Wohnung eines Bekannten navigieren möchte.

Änderungen in diesen Einstellungen lassen sich zudem wie gewohnt grundsätzlich sperren, damit etwa ein Gastnutzer nicht an den Einstellungen für Apps einfach herumspielt. Das ganze System des Sperrens von Zugriffen ist sehr bequem. Es bleibt dabei, dass die Zugangsdaten für E-Mail-Konten nicht direkt über das Rechtemanagement erreichbar sind. Der Nutzer muss es erst abschalten, dann zurückgehen und Änderungen bei Zugängen vornehmen und darf danach nicht vergessen, die Einschränkungen wieder zu deaktivieren.

Das Rechtemanagement bei den Datenschutzoptionen ist deutlich einfacher in der Handhabung.

Sehr hübsch ist übrigens die neue Teilen-Funktion. Wer zum Beispiel im Browser eine Webseite teilen will, bekommt nun eine Reihe von sofort ersichtlichen Icons präsentiert, um eine Webseite zu drucken, per Mail zu verschicken oder zu twittern.

Siri nur für das neue iPad und neue Updateroutine

Eine weitere Neuerung von iOS 6 ist Siri für das Tablet von Apple. Wer nun aber denkt, es gebe Siri für alle iPads, wird enttäuscht. Das erste iPad bekommt gar kein iOS 6. Das iPad 2 bekommt Siri auch nicht, obwohl es sich leistungstechnisch nicht dramatisch vom iPhone 4S unterscheidet. Nur die Stimme gibt es für die Navigation mit der Karten-App. Erst das aktuelle iPad 3 kann auch mit Siri gesteuert werden.

Das funktioniert beim iPad 3 erwartungsgemäß gut. Apple enttäuscht mit Siri auf dem iPad 3 nicht, auch wenn es weiterhin eine Betaversion ist. Es ist auf dem Tablet sogar etwas praktischer, weil nur ein Teil des Bildschirms benutzt wird. Mit iOS 6 gibt es zudem einige neue Funktionen. Wer will, kann Siri beispielsweise nach Fußballspielen, Filmen und Essen fragen. Wie gehabt sind die Funktionen aber in den USA weitreichender.

Neues Update

Die Updateroutine hat sich bei uns als besonders praktisch erwiesen. Wie bei Over-the-Air-Updates ist ein Wechsel auf iOS 6 über ein Update per iTunes eine angenehme Sache. Synchronisierte Daten gehen nicht verloren. Eigentlich bleibt das iOS-Gerät so, wie es vorher war. Das erhöht die Zuverlässigkeit vermutlich enorm. Bei älteren iOS-Versionen haben wir in der Redaktion vereinzelt Datenverluste beim Update zu beklagen gehabt. Meist sind Spielstände verloren gegangen.

Abgesehen von den Neuerungen ist Apple aber auch weiterhin einige Kritikpunkte am System nicht angegangen. Die Mailanwendung ist weiterhin sehr unübersichtlich, wenn der Nutzer viele Imap-Ordner hat. Das Zusammenklappen von Unterordnern, eigentlich eine Standardfunktion in E-Mail-Programmen, ist weiterhin nicht möglich. Und auch die Abonnieren-Funktion ignoriert Apple konsequent.

Immerhin gibt es jetzt einen VIP-Ordner. Dieser virtuelle Ordner sammelt E-Mails von wichtigen Personen. Als weitere Neuerung unterstützt iOS 6 nun iCloud-Tabs im Browser, was wir schon mit Mountain Lion getestet haben . Es verhält sich so, wie es zu erwarten ist. Damit sind geräteübergreifende Tabs möglich. Eine Leseliste gibt es auch, um interessante Artikel für späteres Lesen zu markieren.

Mit dem Sperrbildschirm könnte Apple sicher auch mehr machen, als derzeit möglich ist. Termine sind weiterhin nur über die Benachrichtigungsseite ersichtlich. Eine einmal gesehene Erinnerung verschwindet wie vorher aus dem Sperrbildschirm. Die prinzipbedingte Trennung von Daten, insbesondere durch iCloud, wird Apple wohl nicht so schnell aufheben. Uns stört mittlerweile recht stark, dass bestimmte Dateien nur bestimmten Anwendungen zugewiesen werden können. Eine Textdatei würden wir aber gerne mit verschiedenen Anwendungen bearbeiten können.

Das störte uns aber auch schon bei unserem Mountain-Lion-Test . Das Fehlen solcher Dateipools macht das eigentlich einfache System für erfahrene Nutzer unnötig kompliziert. Solche Pools gibt es in iOS eigentlich. Schließlich können beispielsweise auch andere Musikanwendungen (Seedio, Soundcloud) ohne Probleme auf die Bibliothek zugreifen. Im Zweifelsfall lässt sich aber auch Dropbox zum Nachrüsten dieser Funktion missbrauchen. Das funktioniert aber nur mit kleinen Dateien gut.

Fazit und Verfügbarkeit von iOS 6

Apple hat iOS 6 bereits freigegeben. Der Download ist bei den ersten Nutzern über iTunes 10.7 oder alternativ über die integrierte Updateroutine von iOS-Geräten verfügbar, es kann aber etwas dauern, bis iOS 6 bei allen Nutzern auftaucht. Erfahrungsgemäß sind aber bei einigen Nutzern kurz nach der Veröffentlichung Downloadprobleme zu erwarten, da die Server ziemlich viele Daten ausliefern müssen.

Apple unterstützt alle iPhones ab dem 3GS, das iPad 2 und 3 sowie die iPods mit Touchscreen der vierten und fünften Generation.

Fazit

Die Versionsnummer 6 ist nicht bei allen iOS-Geräten gerechtfertigt und auch nicht in allen Ländern. Ein Blick in die Liste der Funktionen nach Ländern(öffnet im neuen Fenster) zeigt, dass viele Funktionen in Deutschland und damit meist auch Österreich und der Schweiz verfügbar sind. Gerade Siri bleibt aber nur eingeschränkt nutzbar und Altgeräte bekommen die Anwendung ohnehin nicht. So hält Apple seine Neugeräte künstlich auf Abstand zu alten Beständen und sorgt für Nachfrage. Uns ärgert das.

Immerhin unterstützt aber Apple sogar noch das iPhone 3GS mit dem Update. Es kann aber die wenigsten Vorteile nutzen. Wer die Fußnoten zu allen Neuerungen von iOS 6 anschaut(öffnet im neuen Fenster) merkt, dass gerade die wichtigen Neuerungen der aktuellen Generation vorbehalten sind – und natürlich dem in zwei Tagen erscheinenden iPhone 5, das wir hier noch nicht berücksichtigen konnten.

Insgesamt lohnt sich das Update dennoch. Viele dürften aber von den Neuerungen von iOS 6 enttäuscht sein, insbesondere, da das Karten-API nun nicht mehr auf Google Maps setzt. Das hat Auswirkungen auf viele andere Apps. Außerdem fehlt die Möglichkeit, Karten zwischenzuspeichern, was bei der Karten-App von Android ganz gut funktioniert . Sehr hübsch ist die 3D-Ansicht ausgefallen. Insbesondere die Ansicht mit 3D-Gebäuden gefiel im Test gut, auch wenn sie ruckelte.

So lässt sich abschließend sagen, dass bei iOS 6 die Meinungen auseinandergehen werden. Das zeigt sich an der Kartenanwendung sehr deutlich. Autofahrer werden das Update auf iOS 6 wegen der guten Navigationslösung begrüßen. Nutzer, die zu Fuß unterwegs sind, stören sich an den wenigen Details. Das gilt auch für andere Neuerungen, die teils nur für bestimmte Geräte zur Verfügung gestellt werden. Auch hier werden sich einige ärgern und andere freuen.


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