Investitionsstopp: Tesla-Werksleiter warnt vor IG-Metall-Sieg

Drei Monate vor der nächsten Betriebsratswahl im Tesla-Werk Grünheide hat Werksleiter André Thierig indirekt vor der Wahl von IG-Metall-Vertretern in den Betriebsrat gewarnt. Tonaufnahmen einer internen Veranstaltung, die dem Handelsblatt vorliegen(öffnet im neuen Fenster) , legen nahe, dass Thierig einen Zusammenhang zwischen dem Wahlausgang und künftigen Investitionen des Unternehmens in Brandenburg herstellt. Seine Aussagen richten sich vor allem gegen einen wachsenden Einfluss der IG Metall im Betriebsrat.
Thierig äußerte dem Bericht zufolge Zweifel daran, dass Tesla-Chef Elon Musk und der Konzernvorstand einem Ausbau des Werks zustimmten, sollte die Gewerkschaft bei der Wahl eine Mehrheit erringen. Investitionsentscheidungen würden nicht am Standort getroffen, sondern auf Vorstandsebene in den USA. Dort beobachte man aufmerksam, wie sich die Belegschaft positioniere und das Wahlergebnis ausfalle.
Das Werk in Grünheide verfügt nach Unternehmensangaben über eine theoretische Produktionskapazität von bis zu 500.000 Fahrzeugen pro Jahr. Aktuell liegt die Fertigung bei rund 5.000 Autos pro Woche. Frühere Ankündigungen, die Kapazität langfristig auf bis zu einer Million Fahrzeuge jährlich zu erhöhen, gelten inzwischen als unsicher. Thierig machte laut Handelsblatt deutlich, dass diese Pläne unter Vorbehalt stünden.
Nach Thierigs Worten sieht das Management in den USA einen internen Wettbewerb zwischen den Standorten. Investitionen würden dort getätigt, wo die Produktivität und Kostenstruktur überzeugten. Grünheide werde dabei mit Werken in Schanghai und anderen Regionen verglichen. Sollten sich die Rahmenbedingungen verschlechtern, könne dies Auswirkungen auf die strategische Planung haben.
Investitionen, Produktivität und gewerkschaftlicher Einfluss
Thierig betonte zugleich, Tesla habe auch im laufenden Jahr hohe Summen in den Standort investiert. Er sprach von einem dreistelligen Millionenbetrag, der unter anderem in neue Modelle und Automatisierungsprojekte geflossen sei. Dennoch bleibe die Frage offen, wie sich der Standort langfristig aufstelle, insbesondere vor dem Hintergrund arbeitsrechtlicher Forderungen.
Als Beispiel nannte Thierig die Diskussion um eine mögliche 35-Stunden-Woche. Diese sei für ihn nicht verhandelbar, da sie aus seiner Sicht die Wettbewerbsfähigkeit des Werks beeinträchtige. In einem solchen Fall könne es aus Konzernsicht sinnvoll erscheinen, bestimmte Produkte an anderen Standorten zu fertigen.
Die IG Metall hatte bei der vergangenen Betriebsratswahl im März 2024 mit ihrer Liste 16 Sitze gewonnen und stellt damit die größte Einzelfraktion. Eine Mehrheit erreichte sie jedoch nicht. Mehrere andere Listen kamen zusammen auf 23 Sitze und bilden seither eine Mehrheit gegen die Gewerkschaft. In den vergangenen Wochen machte Thierig die IG Metall wiederholt für Probleme in der Automobilindustrie verantwortlich.
Neben den innerbetrieblichen Auseinandersetzungen steht Tesla auch wirtschaftlich unter Druck. Der Werksleiter verwies darauf, dass Investitionen in einen weiteren Ausbau nur dann sinnvoll seien, wenn eine ausreichende Nachfrage absehbar sei.



