Investitionspflicht für Filme und Serien: Netflix befürchtet Nachteile für die Branche
Ein Gesetzentwurf der Bundesregierung soll die deutsche Filmwirtschaft unterstützen, indem Unternehmen aus der Streaming- und Fernsehbranche zu einer Reinvestition verpflichtet werden. Diesen Ansatz kritisiert Netflix und Wolf Osthaus, Director of Public Policy bei Netflix in Deutschland, warnte in der Financial Times(öffnet im neuen Fenster) davor, dass diese Verpflichtung das Wachstum auf dem deutschen Markt bremsen könnte.
"Wenn die Regulierung letztlich Investitionen in ambitionierte Projekte erschwert und infolgedessen insgesamt weniger Titel produziert werden, nützt das weder dem Publikum noch dem Produktionsstandort", erklärte Osthaus. Er verweist darauf, dass Netflix seine Zusicherung eingehalten und 500 Millionen Euro zwischen 2021 und 2024 investiert und so 80 Titel in Deutschland, Österreich und der Schweiz produziert habe.
Osthaus befürchtet, dass gesetzlich verankerte Investitionsziele die Produktion von Filmen und Serien verlangsamen würden. Kritik am Gesetzesentwurf kommt auch vom Verband Vaunet. Der Verband vertritt die Interessen von US-Streaminganbietern wie Netflix, Disney, Paramount und Warner Bros, aber auch deutsche Unternehmen wie RTL und ProSiebenSat.1.
Das will die Regierung umsetzen
Die Bundesregierung möchte die Filmfördermittel in diesem Jahr von 133 Millionen Euro im Jahr 2025 auf bis zu 250 Millionen Euro erhöhen. Im Gegenzug sollen Streaminganbieter verpflichtet werden, zwischen acht und zwölf Prozent ihres Umsatzes in andere europäische Projekte zu reinvestieren. Bisher lag dieser Anteil zwischen 1,8 und 2,5 Prozent.
Der Gesetzentwurf soll außerdem regeln, dass Produzenten nach sieben Jahren die Rechte an ihren Filmen zurückerhalten. Der Vorschlag wird diese Woche vom Kabinett geprüft und soll nach Ende der Sommerpause dem Bundestag vorgelegt werden.
Auch Vaunet kritisiert Pläne der Regierung
An dieser Klausel stört sich der Vaunet: Es wäre ein "echter Schlag", wenn Produzenten ihre geistigen Eigentumsrechte zurückerhalten könnten, ohne persönlich in Projekte zu investieren, erklärte Vaunet-Geschäftsführerin Daniela Beaujean.
Die Rückgabe der Rechte an die Produzenten nach einer bestimmten Zeit wäre eine Abkehr vom aktuellen Modell, bei dem die Inhaberschaft an geistigem Eigentum von spezifischen Projektverhandlungen abhängt.
Beaujean sieht das generelle Dilemma, dass ein Gesetz nicht garantieren könne, "dass die Produktion in Deutschland stattfindet".
Studio Babelsberg begrüßt die Pläne der Regierung
Der Gesetzentwurf sei ein "starkes Signal", erklärte Jörg Bachmaier, Geschäftsführer von Studio Babelsberg. Vergangenes Jahr habe eine Aufstockung der Produktionskostenzuschüsse neue Projekte angezogen. Das hätte zur Unterzeichnung von "drei großen Streaming-Produktionen" beigetragen.
Deutschland hat seit der Pandemie Schwierigkeiten, als Drehort attraktiv zu werden. Das Produktionsvolumen von Serien und Filmen ist in den vergangenen vier Jahren nur um 1,4 Prozent gestiegen. In Europa betrug das Wachstum 15,2 Prozent, wie eine Studie der Europäischen Beobachtungsstelle für audiovisuelle Medien ergibt.
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