Invasion: Der Krieg eskaliert in der zweiten Staffel von Infiltration

In den USA trägt die Serie den Titel Invasion, hierzulande ist es Infiltration. Der Titel mag bei der ersten Staffel noch annähernd gepasst haben, bei der zweiten ist das nicht mehr so. Denn die Serie macht einen Zeitsprung um vier Monate. Sah man zuvor, wie unerklärliche Angriffe auf verschiedene Teile der Welt geführt und unerklärliche Phänomene gesichtet wurden, so ist nun auch dem Letzten klar: Es ist eine außerirdische Invasion im Gange.
Die Welt im Krieg
Die kleinlichen Konflikte sind beiseitegeschoben, wie bei Independence Day geht es ums nackte Überleben der Spezies. Teile der Welt sind bereits unbewohnbare Regionen, immense Flüchtlingsströme haben eingesetzt, das Militär ist weltweit aktiv. Aber nach einem Sieg sieht es nicht aus. Die Hoffnungen der World Defense Coalition (WDC), die alles koordiniert, liegen bei dem genialen Multimagnaten Clark Evans, der versprach, Ergebnisse zu liefern, indem ein in Brasilien gecrashtes Raumschiff der Außerirdischen untersucht wird. Dafür braucht er die Hilfe von Mitsuki Yamato, die es überhaupt ermöglichte, dass das Schiff abstürzte. Sie soll einen Weg finden, mit dem Schiff zu kommunizieren.
In den USA ist Aneesha Malik mit ihren beiden Kindern unterwegs. Sie halten sich von Menschen fern, stehlen, was sie bekommen können, und sind in Richtung Norden aufgebrochen, als sie auf Militär treffen. Aber nicht nur das. Es gibt auch die Movement, eine Bewegung von Menschen, die gegen die Militärs agieren, denen sie vorwerfen, längst nicht mehr im Interesse der Bevölkerung zu handeln.
Der Navy Seal Trevante findet nicht in sein altes Leben zurück und fühlt sich schuldig, den jungen Casper in England zurückgelassen zu haben. Der ist nun so etwas wie Eigentum der WDC, da er eines von wenigen Kindern ist, die auf gewisse Weise mit dem Feind kommunizieren können.
Die nächste Stufe
Die zweite Staffel hebt sich grundlegend von der ersten ab. Sie ist größer, wuchtiger, dramatischer. Weil noch mehr auf dem Spiel steht. Bei der ersten Staffel konnte man dem mysteriösen Wirken aus dem All das kleine Drama gegenüberstellen – etwa die Konflikte von Kids aus einem gecrashten Bus, die entscheiden müssen, was zu tun ist, als klar wird, dass keine Hilfe kommt. Oder eine Frau, die von ihrem Ehemann betrogen wurde, der sich obendrein als Feigling erweist.
In der neuen Staffel gibt es das kleine Drama auch noch, vor allem aber dominiert die große Geschichte. Hätte Independence Day nicht mit dem Sieg über die Invasoren geendet, sondern den Kampf auf den Boden verlegt, wäre man damals an dem Punkt gewesen, an dem diese Serie nun einsetzt. Die Zivilisation befindet sich in Auflösung. Sie ist noch da, in Teilen zumindest. Aber der Krieg verändert alles. Menschen und Lebensräume, aber auch Hoffnungen und Träume. Es geht ums Überleben, alles andere ist nachrangig.
Wie intensiv das ist, zeigt sich sehr schön an der Schlacht in einer japanischen Stadt. Die Außerirdischen attackieren, die Menschen fliehen. Aber sie sind nicht unbesiegbar. Ein gezielt geworfener Molotow-Cocktail kann viel bewirken.
Die Außerirdischen
In der ersten Staffel hat man nicht allzu viel von ihnen gesehen, hier ist das ein bisschen anders, auch wenn der Feind nach wie vor ein ungreifbares, unverständliches Wesen ist. Aber: Man sieht die Außerirdischen deutlich mehr in Aktion.
Das Design ist aufregend. Sie erscheinen als bewegliche Kugeln mit Spikes, die mal länger, mal kürzer werden können. Die Bewegungsabläufe sind mit nichts Irdischem zu vergleichen. Genau das macht sie so erschreckend.
Verschiedene Geschichten
Wie in der ersten Staffel werden hier verschiedene Geschichten erzählt, die auch thematisch ein weites Feld abdecken. Mitsukis Geschichte erinnert etwas an Arrival(öffnet im neuen Fenster) – inhaltlich. Technisch an Abyss(öffnet im neuen Fenster) . Die Geschichte um Casper und seine Freunde geht in das erzählerische Territorium von Jugendliteratur. Das alles geschieht nun mit weniger Melodrama als in der ersten Staffel. Stattdessen ist weit mehr Action geboten. Das Budget für die zweite Staffel dürfte also nicht nennenswert anders gewesen sein als bei der ersten, und die kostete immerhin 200 Millionen Dollar.
Trotz allem ist Infiltration aber in mancherlei Hinsicht noch immer langsam. Die Mysterien werden nur schleppend aufgelöst und oftmals vertagt, die disparaten Erzählebenen lassen die Serie auch im zweiten Jahr etwas zerfasert wirken. Aber dennoch gelingt es der Show, den Zuschauer zu involvieren. Infiltration mag nicht die originellste Art von Science Fiction sein, aber hohe Produktionswerte, coole Effekte und Action, und ein paar interessante Figuren machen die Serie dennoch zu einem Highlight für Sci-Fi-Fans.



